24. September 2012

Ardbeg Galileo – Geschmack oder Marketing?

Eines vorneweg: ich mag Ardbeg, am liebsten den Lord of the Isles. Aber ich trinke Whisky hauptsächlich wegen des Geschmacks und weniger wegen der Geschichten, die darum gesponnen werden. Da geht mir der Hype um aussergewöhnliche Hintergrundstories – und die damit verbundenen Lieferengpässe und „Mond“preise – allmählich zu weit.

Bitte nicht auf Kosten des Geschmacks!


Sicher ist die Konkurrenz hart und in einer Zeit von Informationsüberflutung auf allen Kanälen suchen Firmen nach neuen Möglichkeiten, wie ihr Produkt die Aufmerksamkeit der Kunden fesseln kann.
Bruichladdich mit seinen verrückten Aktionen war ein Vorreiter, und Ardbeg folgte mit seinen Jahresspecials: Nach dem „Alligator“ ging es dieses Jahr mit „Galileo“ zu den Sternen.
 

Was verbirgt sich hinter dem „Ardbeg Galileo“?


Die aktuelle und natürlich wieder sofort im Handel vergriffene jährliche Sonderabfüllung bezieht sich auf ein Forschungsprojekt mit Ardbeg Whisky-Proben auf der Internationalen Raumstation ISS. Offizielles Forschungs-Thema: „Verhalten von Mikroorganismen unter Schwerelosigkeit“. Ardbeg hat sich mit etwas New Make und Holzkohle aus ex Bourbonfässern am Experiment beteiligt – ein an sich genialer Marketing Schachzug. *)

Das Experiment im All soll zwei Jahre dauern und hat eigentlich mit der „Galileo“ Abfüllung nichts zu tun, außer dass es dem Marketing eine tolle Story liefert. Echte Chemiker lästern inzwischen gerne über das oft genannte „Ardbeg Molekül“: Marketing und Naturwissenschaften passen wohl nicht immer so ganz zusammen... ;-)

Bei der „Galileo“ Sonderabfüllung handelt es sich nicht - wie zum Teil fälschlich angenommen - um den Stoff aus dem Welt-All (der dort verwendete Produktions-Batch braucht noch ein paar Jahre zur Reifung). Sondern um eine Auswahl von Fässern aus dem Jahr 1999, wobei das Herzstück der Komposition in Sizilianischen Marsalafässern gereift ist. Das klingt auch für mich sehr spannend, weil ich solche Batches noch nicht oft probieren durfte.

Tasting Notes „Ardbeg Galileo“


Dank eines Tastings, das ich gerade in Jever bei der Firma Scoma zum Thema Inseln & Islay halten durfte, hatte ich Gelegenheit, die neue Abfüllung einmal zu probieren, ohne gleich eine der begehrten Flaschen selber öffnen zu müssen ;-)

Nase: 

eine frisch geteerte Straße mit einer langen Bremsspur (verbrannter Autoreifen), und ein Hauch von Nusscreme (die avisierten tropischen Früchte konnte ich an dem Abend leider nicht finden – da muss wohl noch einmal probiert werden) 

Geschmack: 

schön torfig mit einer angenehmen Süße – Butterkaramell – aber dann kommen auch noch ein paar Klümpchen von dem brennenden Autoreifen

Nachklang:  

eher mittellang, rauchig mit einer Weinsüße


Bei dem Tasting hat er die meisten Teilnehmer nicht überzeugen können, und ich habe aus dem Hause Ardbeg schon interessantere Standardabfüllungen probiert, aber vielleicht war es nicht mein Abend. Oder wie schon geschrieben, muss ich wohl noch einmal ran ;-) ….jeder hat eine zweite Chance verdient!

Slainte


*) Zitat aus dem Newsletter von Dr. Jürgen Setter, Scoma
Die Ampullen wurden Ende 2011 mit einer Soyus Trägerrakete vom Baikonur Kosmodrom in Kasachstan aus ins All geschossen.
Diese Ampullen enthalten bestimmte Zusammensetzungen, die als Terpene bekannt sind. Dies sind in Organismen natürlich vorkommende und sehr weit verbreitete chemische Verbindungen, die stark aromatisch und geschmacksaktiv sind.




1 Kommentar:

Florian hat gesagt…

Ardbeg Galileo... Ich weiß ja nicht ob mit solchen Sondereditionen die richtige Richtung eingeschlagen wird. Gekauft wird das Zeug jedenfalls wie verrückt. Aber wenn es geschmacklich was hergibt, ist ja alles OK

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