9. März 2012

Glenfarclas – Familientradition im Speyside

Seit der "offiziellen" Gründung 1852 ist die Glenfarclas Destillerie ununterbrochen im Familienbesitz der Grant Familie. Zuvor hatten Pächter auf dem Gelände bereits Alkohol gebrannt, aber seit 160 Jahren geht die Leitung über Generationen immer an den nächsten Grant-Sohn über.

Im Oktober 2011 habe ich die Destillerie mal wieder mit einer Reisegruppe besucht und man konnte gut erkennen, dass auch über Generationen immer wieder viel Geld in die Destillerie investiert wurde: alles ist auf dem neusten Stand, was aber nicht heißt, dass die Tradition auf der Strecke geblieben ist.

Das zeigte sich unter anderem im herzlichen Empfang und der sehr individuellen Betreuung vor Ort durch den Marketing-Leiter Ian McWilliam. Besonders hat die Besucher gefreut, dass hier noch alles fotografiert werden durfte, was in vielen Destillerien auf dem bekannten "Malt Whisky Trail" leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Auch das „bonded Warehouse“ wurde nicht ausgelassen und bei den schönen alten Fässern kam einem schon mal der Gedanke, einen LKW zu chartern und aufzuladen... ;-)

Danach ging es zum probieren in einen ganz besonderen Tastingroom – den „Ships Room“ aus Paneelen der „RMS Empress of Australia“ (die 1913 immerhin in Deutschland gebaut wurde und bis 1919 unter deutscher Flagge fuhr) – was für eine tolle Atmosphäre! Diese Schiffs-Verbindung mitten im Speyside ist schon recht speziell aber ausser einer persönlichen Vorliebe des Eigners scheint es keine besondere Geschichte dazu zu geben. 

Ian hat die Spekulationen aber schnell mit seinem „spezial“ Tasting beendet als er für uns eine Flasche „Family Cask“ von 1960 öffnete (komisch, wie hat er nur mein Geburtsjahr erraten ;-)). Das war ein schönes Highlight gleich am Anfang und es ging dann allerdings etwas jünger weiter, wobei die Abfüllung von 1974 auch nicht gerade ein junger Hüpfer war. Es folgten etliche Fassproben, die das Tasting definitiv für alle Teilnehmer zu etwas besonderem machte.  Ich frage mich wirklich, wie Ian das beim nächsten Besuch steigern will??? ;-)


So ein Familieunternehmen ist schon etwas besonderes und bei schottischen Destillerien leider nur noch ganz selten anzutreffen.

Wer kann, sollte bei seiner Schottland- und Whisky-Reise einen Besuch einplanen. Ich komme bestimmt wieder!

Slainte

5. März 2012

Lochranza – mein Frühlingswhisky 2012


"Lochranza"   hm, wo der wohl herkommt? 

Die Destillerie wurde 1995 eröffnet und hat 1996 so richtig mit der Produktion begonnen. Sie liegt auf einer hübschen Insel und man kommt an ihr vorbei, wenn man mit der Fähre in Brodick landet und dann von Lochranza weiter nach Kintyre fahren will?

Die Destillerie möchte ihre noch junge Marke schützen und sieht es darum nicht so gerne, wenn private Fässer unter ihrem Namen verkauft werden. Darum die kleine Geheimniskrämerei... aber eigentlich ist es doch nicht schwer ;-)

Ich mag die leichte Fruchtigkeit der Whiskys besonders für den Sommer und habe darum bereits einige Fässer von dort. Darunter ist auch ein Fass aus dem ersten Produktionsjahr, von dem ich jetzt fand, dass es die optimale Reife erreicht hat. 

Interessant ist dabei die deutliche (und wie ich finde sehr positive!) Veränderung, die der Whisky durchgemacht hat, seit ich bei einem Fassbesuch vor 3 Jahren darüber berichtet habe: die Vanille- und Karamell-Noten sind einer stärkeren Fruchtigkeit gewichen. 

Tastingnotes:

Lochranza 1996, 15 Jahre, 54,9%vol. (sherry refill cask)

Aroma:          sehr komplex - eine leichte Sherry-Süße
                       Honigmelone und feine Zitrusnoten.
                       Am Ende kommt eine leichte Kräuternote
                       (Waldmeister: Jugenderinnerungen werden wach ;-))

Geschmack:  Honigmelone mit einem Hauch Sherry
                       (nicht aufdringlich), Kräuter und eine
                       fruchtige Süße
Nachklang:    lang mit einer feinen Süße


Der Sommer kann kommen!
Slainte