20. November 2012

Rarität von 1948 beim Whisky-Tasting für Kenner

Beim Dinner und Whisky Tasting in Losheim bieten wir traditionell eine besonders grosse Auswahl an Single Malts für die verschiedenen Geschmäcker.

Unter den Einzelfass-Abfüllungen aus Schottland und Japan haben wir diesmal als Highlight einen Glen Grant von 1948 geöffnet - und dafür schon einige Resonanz auf meiner Facebook Seite bekommen: unter anderem laute Rufe nach den Tasting Notes, die ich hiermit nach einer zweiten Verkostung und mit etwas Ruhe nachliefere:

Tasting Notes


Glen Grant (G&M) 1948, 40%vol., 0,75l


Nase: Vanille, Malz, Karamell und der Duft eines schönen und alten Whisky Fasslagers

Geschmack: eine feine Süße, Vanille und jetzt kommen deutliche Kräuternoten durch – wenn man 1-2 Minuten wartet findet man auch etwas Wachholder (Waldmeister?)

Nachklang: leider recht kurz und am Schluss kommen auch noch deutliche Fassnoten (Eiche) durch – am Gaumen leicht bitter und trocken.

Die Nase war sehr vielversprechend, nur leider fehlte es am Volumen. Schade, dass in den 80er/90ern bei G&M die Whiskies hauptsächlich mit 40%vol. und nicht mit 46%vol. abgefüllt wurden – das hätte für das Mundgefühl bestimmt noch sehr viel gebracht.

Aber an dem Abend gab es schließlich noch eine Auswahl aus ca. 100 Einzelfassabfüllungen (dann natürlich auch in Fassstärke)... und so wurde es keinem Teilnehmer langweilig! ;-)
Mal sehen, welche Whisky-Rarität wir beim nächsten Whisky Chamber Tasting aufmachen...

Slainte und bis zum nächsten Mal


Hier geht's zu meinen Terminen für weitere Tastings



8. Oktober 2012

Auf der Suche nach meinem Herbstwhisky 2012


Wie komme ich eigentlich zu meiner Whisky-Auswahl? werde ich öfter von Fans meiner TWC Single Cask Abfüllungen bei Tastings gefragt. Die Antwort ist: mit vielen Kontakten zu Destillerien und manchmal auch einer Prise Glück. 

Aber erst einmal die Grundlagen: 
Da Geschmäcker bekanntlich verschieden sind und ich auch für meine Whisky-Tastings immer ein breites Sortiment anbieten möchte, versuche ich immer wenigstens einen Whisky aus den verschiedenen Regionen und Geschmacksrichtungen im Angebot zu haben: 

Neben den Whisky-eigenen Geschmacksrichtungen von fruchtig, blumig über rauchig und torfig spielt natürlich das Fass und das Alter eine Rolle. 


So hatte ich bei meiner Einkaufstour im Sommer für diesen Herbst eigentlich ein ex Sherry Hogshead gesucht. Es sollte ein „dunkler“ und fruchtiger Whisky werden – aber noch ohne auf eine bestimmte Destillerie festgelegt zu sein. 

Angekommen im Lager ging es darum mit dem Manager zielstrebig in Richtung der ex Sherry Casks. Doch da lagen einfach ganz unmotiviert zwei kleine (Bourbon-)Barrels im Weg, von denen er nicht auf Anhieb wusste, was sie da zu suchen hatten und wie denn der Inhalt war.  Kurzerhand mussten wir rausfinden, was dahinter steckt... ;-) 


TWC Aultmore 1992 - Geschichte einer Zufallsbegegnung


Die Nachforschung ergab, dass es zwei Aultmores waren, von denen das eine Fass schon nach Japan verkauft war (nach meiner Nase das nicht ganz so perfekte Fass  - aber es ist ja Geschmacksache und ich bin ja auch kein Japaner). Das andere verströmte süsse Vanillenoten mit einem Hauch Johannisbeere. 

Bis dahin hatte ich immer noch vor, unbedingt einen im Sherry-Fass gereiften Single Malt für mein Sortiment zu besorgen. Also auf zu dem vorreservierten Fass – probiert – einen kurzen Austausch mit einem Kollegen, der mit dabei war – ein Blick zurück zum 2. Aultmore-Barrel, und dann hatte sich das „Sherry“-Thema erledigt: stattdessen musste jetzt unbedingt der leckere Aultmore aus dem zweiten Fass gesichert werden! 


Tasting Notes


Aultmore TWC bottling, 53,8%vol. ex Bourbon Barrel


Region: Speyside

Aroma:   Süße Vanillenoten mit einem Hauch Johannisbeerstrauch - florale Töne

Geschmack:   Süßes Malzbrot, Vanille (dezent), Brot & Butter Pudding (ein ideales Dessert)

Nachklang:   lange anhaltend und sehr rund (da stört kein Holz)


Abgesehen von der harten Arbeit bei langen Tastings und Fass-Such-Runden in den Destillerie-Lägern ;-) war die Einkaufsreise dieses Jahr auch sonst nicht ganz ohne: 
Wegen Überflutungen durch den starken Regen in Schottland konnte man schon mal fast mit dem Auto untergehen. Regen gehört ja in Schottland dazu, aber an solche Zustände kann ich mich nicht erinnern. Zum Glück hielt das Auto dicht und wir haben es stellenweise eher schwimmend zurück nach Edinburgh auf den Flughafen geschafft ;-)



Jetzt hoffe ich nur, dass auch meinen Kunden die „Auswahl“ gefällt ! 

Slainte und auf einen schönen Herbst

24. September 2012

Ardbeg Galileo – Geschmack oder Marketing?

Eines vorneweg: ich mag Ardbeg, am liebsten den Lord of the Isles. Aber ich trinke Whisky hauptsächlich wegen des Geschmacks und weniger wegen der Geschichten, die darum gesponnen werden. Da geht mir der Hype um aussergewöhnliche Hintergrundstories – und die damit verbundenen Lieferengpässe und „Mond“preise – allmählich zu weit.

Bitte nicht auf Kosten des Geschmacks!


Sicher ist die Konkurrenz hart und in einer Zeit von Informationsüberflutung auf allen Kanälen suchen Firmen nach neuen Möglichkeiten, wie ihr Produkt die Aufmerksamkeit der Kunden fesseln kann.
Bruichladdich mit seinen verrückten Aktionen war ein Vorreiter, und Ardbeg folgte mit seinen Jahresspecials: Nach dem „Alligator“ ging es dieses Jahr mit „Galileo“ zu den Sternen.
 

Was verbirgt sich hinter dem „Ardbeg Galileo“?


Die aktuelle und natürlich wieder sofort im Handel vergriffene jährliche Sonderabfüllung bezieht sich auf ein Forschungsprojekt mit Ardbeg Whisky-Proben auf der Internationalen Raumstation ISS. Offizielles Forschungs-Thema: „Verhalten von Mikroorganismen unter Schwerelosigkeit“. Ardbeg hat sich mit etwas New Make und Holzkohle aus ex Bourbonfässern am Experiment beteiligt – ein an sich genialer Marketing Schachzug. *)

Das Experiment im All soll zwei Jahre dauern und hat eigentlich mit der „Galileo“ Abfüllung nichts zu tun, außer dass es dem Marketing eine tolle Story liefert. Echte Chemiker lästern inzwischen gerne über das oft genannte „Ardbeg Molekül“: Marketing und Naturwissenschaften passen wohl nicht immer so ganz zusammen... ;-)

Bei der „Galileo“ Sonderabfüllung handelt es sich nicht - wie zum Teil fälschlich angenommen - um den Stoff aus dem Welt-All (der dort verwendete Produktions-Batch braucht noch ein paar Jahre zur Reifung). Sondern um eine Auswahl von Fässern aus dem Jahr 1999, wobei das Herzstück der Komposition in Sizilianischen Marsalafässern gereift ist. Das klingt auch für mich sehr spannend, weil ich solche Batches noch nicht oft probieren durfte.

Tasting Notes „Ardbeg Galileo“


Dank eines Tastings, das ich gerade in Jever bei der Firma Scoma zum Thema Inseln & Islay halten durfte, hatte ich Gelegenheit, die neue Abfüllung einmal zu probieren, ohne gleich eine der begehrten Flaschen selber öffnen zu müssen ;-)

Nase: 

eine frisch geteerte Straße mit einer langen Bremsspur (verbrannter Autoreifen), und ein Hauch von Nusscreme (die avisierten tropischen Früchte konnte ich an dem Abend leider nicht finden – da muss wohl noch einmal probiert werden) 

Geschmack: 

schön torfig mit einer angenehmen Süße – Butterkaramell – aber dann kommen auch noch ein paar Klümpchen von dem brennenden Autoreifen

Nachklang:  

eher mittellang, rauchig mit einer Weinsüße


Bei dem Tasting hat er die meisten Teilnehmer nicht überzeugen können, und ich habe aus dem Hause Ardbeg schon interessantere Standardabfüllungen probiert, aber vielleicht war es nicht mein Abend. Oder wie schon geschrieben, muss ich wohl noch einmal ran ;-) ….jeder hat eine zweite Chance verdient!

Slainte


*) Zitat aus dem Newsletter von Dr. Jürgen Setter, Scoma
Die Ampullen wurden Ende 2011 mit einer Soyus Trägerrakete vom Baikonur Kosmodrom in Kasachstan aus ins All geschossen.
Diese Ampullen enthalten bestimmte Zusammensetzungen, die als Terpene bekannt sind. Dies sind in Organismen natürlich vorkommende und sehr weit verbreitete chemische Verbindungen, die stark aromatisch und geschmacksaktiv sind.




23. Juli 2012

Deanston - ein neues Whisky-Ziel in den südlichen Highlands


Für Whisky-Fans auf Schottlandreise gibt es seit kurzem ein neues Ziel in den südlichen Highlands - nur ca. eine Stunde von Edinburgh oder Glasgow entfernt: 

Die Deanston Distillery


wurde 2012 aufwändig renoviert und soll mit ihrem neuen Besucherzentrum zum Flaggschiff des "Burn Steward Distillers" Konzerns werden, zu dem z.B. auch Bunnahabhain auf Islay gehört.

Die Destillerie, die bisher nicht öffentlich zugänglich war, ist besonders wegen ihrer unüblichen Bauweise sehenswert:


Ursprünglich eine Mühle 


Sie befindet sich in den Gebäuden einer ehemaligen Baumwoll-Mühle (Cotton Mill), die 1785 hier gegründet wurde.

 
Deanston Distillery
Das zugehörige Wasserkraftwerk am Fluss Teith, das die Mühle mit Energie versorgt hatte, funktioniert heute immer noch und liefert den Strom für die Destillerie und den benachbarten Ort.

1965 übernahmen die damaligen Besitzer der nahegelegenen Tullibardine Destillerie, Brodie Hepburn, die Mühle und zugehörigen Lagerräume und bauten sie zur Whisky-Produktion um. 

Das spannende an dem „Still-House“ ist, dass es nicht wie sonst ein eigenes Gebäude ist, sondern sich mitten in der alten Baumwollmühle befindet und hier gerade mal 2 Etagen einnimmt – die restlichen 3 Etagen bis zum Dach stehen leer. So etwas habe ich bis jetzt in Schottland jedenfalls noch nicht gesehen. Sehenswert ist auch das Lager, das sich in einer riesigen Gewölbehalle befindet.


Heute produziert die Deanston Destillerie mit Ihren je zwei Wash und Spirit Stills die recht große Menge von ca. 3 Mio. l Alkohol pro Jahr. Der Großteil hiervon geht in Blends, aber ca. 7 - 8% behält man laut Destillery Manager Callum Fraser für Single Malt Abfüllungen.


Wir hatten die Ehre, die allererste „Manager's Distillery Tour“ in Deanston zu erleben und dadurch wohl auch die Narrenfreiheit noch ein paar Flecken der Destillerie sehen zu dürfen, in die man sonst nicht so leicht hineinkommt. 



Die Anlage ist aber auch ohne diese Extras sehenswert und landschaftlich toll gelegen. Meine Empfehlung für einen Abstecher von Glasgow oder Edinburgh.

Vielen Dank Callum – ich werde mit meiner nächsten Reisegruppe bestimmt bei euch vorbeischauen!

Slainte



25. Juni 2012

Whisky in Schottlands Nordwesten auf dem Trockenen

Seit Wochen fällt im Nordwesten Schottlands nicht genug Regen und die ersten Destillerien sollen bereits vom Wassermangel betroffen sein – das wird unter anderem von Talisker auf der Insel Skye berichtet.

Für die Maische wird das Wasser wohl schon noch reichen, aber nicht für die Kühlung bei der Destillation. Wenn der Alkohol nicht richtig kondensiert, dann gibt es auch keinen „sauberen“ Alkohol und später eben auch keinen gescheiten Whisky.

Da kann man nur dem Regengott einen Dram Whisky opfern und hoffen, dass das übliche schottische Regenwetter auch wieder in die nordwestlichen Highlands einzieht.

Es ist eigentlich gar nicht so ungewöhnlich, dass den Destillerien das Wasser im Sommer etwas knapp wird und viele legen bewusst ihre Wartungspausen in diese Zeit. Ein längerer Stillstand würde aber dennoch das zukünftige Geschäft, besonders für die neuen gewaltigen Absatzmärkte China und Russland belasten.

Slainte & happy rain!

PS: interessanterweise ist es immer am regnen, wenn ich auf Skye bin und bei Talisker vorbei schaue... Was würde Diageo mir bieten, damit ich sofort nach Sky komme? ;-))))

Quelle: Zeit.de

4. Juni 2012

Irish Whiskey - eine kleine Testreihe auf der grünen Insel

Ich probiere ja gerne immer einmal etwas neues und halte auch regelmäßig Tastings mit Whiskies aus der ganzen Welt ab, um interessierten Whisky-Liebhabern die Unterschiede zu zeigen.

Zu „Studienzwecken“ war ich gerade auf einer ausführlichen Reise durch Irland und habe dabei natürlich auch Destillerien besucht und verschiedene Irish Whiskeys (mit „ey“) probiert ;-)


Highlight:
Midleton Einzelfassabfüllung von 1973



 

Nachdem ich erst mit einem jungen Irish Grain und einem typischen Irish Blend (Greenore, 8 years und Powers, 12 years) „eingestimmt“ wurde, gab es den ersten Irish Single Malt Whiskey: einen Redbreast 15 Jahre. Dieser war schon recht angenehm, aber der doch recht seltene (wie ich finde jedoch sehr teure) Midleton „1973“ in Fassstärke war dann doch ein toller Tropfen.



Tasting Notes:

Midleton 1973, Cask 41423, 56%vol.

Nase:    Eine feine Fruchtigkeit und ein Hauch Holunder („ich bin Irisch“)

Geschmack:   eine Explosion von Waldmeister mit einer ausgeprägten Süße – trotz des Alters sind keine unangenehmen Holzeinflüsse zu finden.

Leider ist er im Nachklang etwas kurz geraten – schade, denn es ist ein toller Tropfen, dem man gerne länger nachschmecken würde!

Trotz der sehr netten Iren und nicht schlechten Whiskies werde ich bei den 3-fach destillierten wohl nicht hängen bleiben – dafür sind mir die „Schotten“ doch viel zu lieb ;-)

Slainte und dann bis Anfang Juli in Schottland!

23. April 2012

Hinter den Kulissen von Whisky-Messen

Für die meisten Besucher von Whisky-Veranstaltungen steht ja das Probieren und Schauen nach Whisky-Neuigkeiten im Vordergrund. Da ich dann normalerweise hinter dem Stand stehe, muss ich mich mit dem Probieren etwas zurückhalten und für Gespräche ist oft erst spät abends bei einem Absacker Zeit.

Entsprechend habe ich es auf dem Austrian Whisky & Spirits Festival 2012 sehr genossen, dass ich neben meinem eigenen Whisky Chamber Masterclass Tasting endlich auch einmal Zeit zum Rumschlendern und ausgiebigen Gespräch mit ein paar alten Bekannten aus der privaten Schottischen Whiskyindustrie zu hatte.

Da war zum Beispiel Raymond Armstrong mit Familie, die Besitzer von Bladnoch.
Das Treffen mit den 4 1/2 Armstrongs war besonders wichtig, weil ich seit meinem letzten Besuch noch eine Fass-Frage aus 2007 offen hatte…. angeblich soll da auch schon mein Name auf dem Whiskyfass stehen. Im Juli bin ich wieder in der Gegend und werde das auf jeden Fall vor Ort überprüfen ;-).

Am Stand der Veranstalter war aber nicht nur Bladnoch vertreten, sondern auch der Whisky-"Dinosaurier" John McDougall mit seinen eigenen Golden Cask Abfüllungen. Sein Ansatz mit dem "Whisky Renten Fundus" ist wieder eine Bestätigung für mich, dass ich auch mein Ruhegeld in „liquide“ Mittel ;-) anlege. Leider wird es aber immer schwieriger für freie Abfüller, leckere Fässer zu finden… was mir alle meine Gesprächspartner bestätigen mussten.

Andererseits ist es gerade die regelmäßige Kontaktpflege und die Besuche bei den Destillerien und unabhängigen Abfüllern, die meinen Job so spannend machen - und nicht zuletzt, wenn ich dann doch wieder ein tolles Fass gefunden habe und meine Kunden zufrieden sind.

In diesem Sinne: auf zur nächsten Schottlandreise!
Slainte


1. April 2012

Whisky aus dem Kunststofffass !?

Die Optimierungs- und Rationalisierungswelle macht auch vor Scotch Single Malt Whisky nicht halt. Was wir schon lange aus der Weinindustrie kennen – die Wein"maker" aus den USA, Australien und Südafrika, die Reifung nicht als Prozess, sondern als "machbar" betrachten – hat uns jetzt auch in Schottland eingeholt.

Bis vor Kurzem hat man das Thema mit Verweis auf die Tradition vehement abgestritten, doch unter anderem die große Nachfrage aus den Wachstumsmärkten in Asien und Lateinamerika (+23% Exportsteigerung in 2011) hat dazu geführt, dass man man nach Alternativen für einen schnelleren und günstigeren Prozess für die Aromaentwicklung sucht:

Konkret wird darüber nachgedacht, wie sich eine schnelle Reifung in 1000l Kunststoffcontainern auswirkt. Dabei könnte für die Reifung Sauerstoff in den Alkohol geleitet werden und für die typischen Fassaromen kämen dann – wie beim Wein – entsprechende Holzspäne zum Einsatz. Die Zugabe von Spurenanteilen von Sherry, Port oder Wein würde die Wirkung der Aromaelemente aus den Holzfässern simulieren. Das Einfärben von Whisky ist ja bereits heute schon verbreitete Praxis.

Zur Entwicklung und Abstimmung der Regeln soll diese Woche die „Whisky Maker Association“ gegründet worden sein, wo die großen Whisky Produzenten an einem Tisch sitzen, um die entsprechenden Details zu diskutieren. Ein solcher Schritt würde nicht nur jahrhundertealte Traditionen über den Haufen werfen, sondern weitreichende Änderungen in den bestehenden Vorschriften der SWA (Scotch Whisky Association) zur Namensgebung, Export-Richtlinien benötigen.

Da sage ich nur gute Nacht mein lieber Single Malt Scotch Whisky – und schnell noch ein paar echte Fässer kaufen!

Slainte

9. März 2012

Glenfarclas – Familientradition im Speyside

Seit der "offiziellen" Gründung 1852 ist die Glenfarclas Destillerie ununterbrochen im Familienbesitz der Grant Familie. Zuvor hatten Pächter auf dem Gelände bereits Alkohol gebrannt, aber seit 160 Jahren geht die Leitung über Generationen immer an den nächsten Grant-Sohn über.

Im Oktober 2011 habe ich die Destillerie mal wieder mit einer Reisegruppe besucht und man konnte gut erkennen, dass auch über Generationen immer wieder viel Geld in die Destillerie investiert wurde: alles ist auf dem neusten Stand, was aber nicht heißt, dass die Tradition auf der Strecke geblieben ist.

Das zeigte sich unter anderem im herzlichen Empfang und der sehr individuellen Betreuung vor Ort durch den Marketing-Leiter Ian McWilliam. Besonders hat die Besucher gefreut, dass hier noch alles fotografiert werden durfte, was in vielen Destillerien auf dem bekannten "Malt Whisky Trail" leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Auch das „bonded Warehouse“ wurde nicht ausgelassen und bei den schönen alten Fässern kam einem schon mal der Gedanke, einen LKW zu chartern und aufzuladen... ;-)

Danach ging es zum probieren in einen ganz besonderen Tastingroom – den „Ships Room“ aus Paneelen der „RMS Empress of Australia“ (die 1913 immerhin in Deutschland gebaut wurde und bis 1919 unter deutscher Flagge fuhr) – was für eine tolle Atmosphäre! Diese Schiffs-Verbindung mitten im Speyside ist schon recht speziell aber ausser einer persönlichen Vorliebe des Eigners scheint es keine besondere Geschichte dazu zu geben. 

Ian hat die Spekulationen aber schnell mit seinem „spezial“ Tasting beendet als er für uns eine Flasche „Family Cask“ von 1960 öffnete (komisch, wie hat er nur mein Geburtsjahr erraten ;-)). Das war ein schönes Highlight gleich am Anfang und es ging dann allerdings etwas jünger weiter, wobei die Abfüllung von 1974 auch nicht gerade ein junger Hüpfer war. Es folgten etliche Fassproben, die das Tasting definitiv für alle Teilnehmer zu etwas besonderem machte.  Ich frage mich wirklich, wie Ian das beim nächsten Besuch steigern will??? ;-)


So ein Familieunternehmen ist schon etwas besonderes und bei schottischen Destillerien leider nur noch ganz selten anzutreffen.

Wer kann, sollte bei seiner Schottland- und Whisky-Reise einen Besuch einplanen. Ich komme bestimmt wieder!

Slainte

5. März 2012

Lochranza – mein Frühlingswhisky 2012


"Lochranza"   hm, wo der wohl herkommt? 

Die Destillerie wurde 1995 eröffnet und hat 1996 so richtig mit der Produktion begonnen. Sie liegt auf einer hübschen Insel und man kommt an ihr vorbei, wenn man mit der Fähre in Brodick landet und dann von Lochranza weiter nach Kintyre fahren will?

Die Destillerie möchte ihre noch junge Marke schützen und sieht es darum nicht so gerne, wenn private Fässer unter ihrem Namen verkauft werden. Darum die kleine Geheimniskrämerei... aber eigentlich ist es doch nicht schwer ;-)

Ich mag die leichte Fruchtigkeit der Whiskys besonders für den Sommer und habe darum bereits einige Fässer von dort. Darunter ist auch ein Fass aus dem ersten Produktionsjahr, von dem ich jetzt fand, dass es die optimale Reife erreicht hat. 

Interessant ist dabei die deutliche (und wie ich finde sehr positive!) Veränderung, die der Whisky durchgemacht hat, seit ich bei einem Fassbesuch vor 3 Jahren darüber berichtet habe: die Vanille- und Karamell-Noten sind einer stärkeren Fruchtigkeit gewichen. 

Tastingnotes:

Lochranza 1996, 15 Jahre, 54,9%vol. (sherry refill cask)

Aroma:          sehr komplex - eine leichte Sherry-Süße
                       Honigmelone und feine Zitrusnoten.
                       Am Ende kommt eine leichte Kräuternote
                       (Waldmeister: Jugenderinnerungen werden wach ;-))

Geschmack:  Honigmelone mit einem Hauch Sherry
                       (nicht aufdringlich), Kräuter und eine
                       fruchtige Süße
Nachklang:    lang mit einer feinen Süße


Der Sommer kann kommen!
Slainte



19. Januar 2012

Tullibardine spricht jetzt französisch


Nach der Wiedereröffnung 2003 war Tullibardine eine der wenigen schottischen Whisky-Destillerien im Besitz von Privatinvestoren. Die Partner wollten sich von den großen Whisky-Konzernen abgrenzen und schnörkellose Destilleriekunst  praktizieren.

Idealismus ist bekanntermaßen nicht immer sehr profitabel, so dass 2008 schon einmal Übernahmegerüchte für die Destillerie im Süden der Highlands aufkamen. Im Dezember 2011 war es nun so weit: Tullibardine ging an die "Maison Michel Picard", einen französischen Spirituosenhändler und Weinproduzenten.

Die erste große Handlung der neuen Besitzer aus Frankreich war es, dem Sales & Marketing von Tullibardine mitzuteilen, dass keine Fässer mehr (weder frische noch vorgereifte) an Dritte verkauft werden dürfen. Das ist darum so schade, weil man bei Tullibardine auch als „Kleinabfüller“ mit allen möglichen Fässern und Fassgrößen experimentieren durfte: über ex-Bourbon-, Sherry-, Port- bis hin zu Rum-Fässern - und auf meinen besonderen Wunsch hin wurden sogar Quartercasks eingeführt.
Das ist jetzt leider alles vorbei ;-(. 

Wie viele Whiskyfreunde aus der ganzen Welt sind nach Blackford gepilgert, um ihre Fässer zu besuchen. Ich kenne keinen, der nicht in den höchsten Tönen von der Atmosphäre in der Destillerie und dem Whisky geschwärmt hat – das beste und auch noch kostenlose Marketing.

Da wird etwas Großes aus der Hand gegeben und in die Hände von Importeuren gelegt, die in der Regel einen ganzen Bauchladen von Whiskys vertreiben. Zum Glück gibt es noch ein paar andere Quellen, aber schade ist es trotzdem...

Slainte



8. Januar 2012

Kontrast-Programm Kilchoman


Ein Gastbeitrag von Stephan Goldmann

In der kleinen Farm-Destillery auf Islay geht Pragmatismus vor Tourismus. Und das hat seinen Charme: Nirgendwo war ich bisher so nah dran am Entstehungsprozess von Whisky.

Von Kilchoman hatte ich überhaupt erst im Sommer 2011 erfahren. Gleich getrunken und für gut befunden! Wie es der Zufall will: Noch im Herbst stand ein Besuch auf Islay an und ich wollte unbedingt bei der kleinen, neuen Destillery vorbei schauen.

Dass es nicht wie die üblichen geführten Touren werden würde, dämmerte mir bei der Anfahrt. Hätte Kilchoman nicht eine der typischen Schornstein-Pagoden auf dem Dach, keiner käme überhaupt auf die Idee, dass hier Whisky gebrannt wird. Die Gebäude sind eine umfunktionierte Farm.

Die Reisezeit im Herbst hat Vorteile. Außer mir und meiner Partnerin war in der Gruppe nur noch ein kanadisches Ehepaar bei der Führung. Mit Becky als Guide ging es gleich los. Becky ist übrigens eher schüchtern - kein Vergleich mit den Profi-Führern der anderen Whisky-Destillen. Eine erfrischende Abwechslung.


Romantik Fehlanzeige

Der Mälzboden besteht in Kilchoman aus Beton, umgeben von unromantischen Gerätschaften, es riecht nach Arbeit, es fehlt Romantik. Aber hier wird eben noch selbst gemälzt. Und das Korn kommt sogar von der Farm ein Stück weiter - schließlich brennt Kilchoman auch den “100% Islay”, bei dem alles auf der Insel produziert wird.

Einmal mit beiden Händen in die Gerstenkeime greifen, probieren ... dann ab zum kleinen Röstofen. Der ist gerade nicht in Betrieb, also kann man einen Blick hineinwerfen.

Überhaupt fällt auf: Kilchoman ist nicht hundertprozentig ausgelastet. Die Farm Destillerie produziert derzeit um die 100.000 Liter Whisky jährlich - klar, dass da nicht alles ständig in auf Hochtouren läuft. Es gibt genügend Zeit um Fotos zu schießen, Scherze zu reißen... Becky ist geduldig und wartet, treibt nicht zur Eile.

Metall statt Holz


Wie gesagt: Es herrscht Pragmatismus in Kilchoman. Und so sehen wir im Haupthaus keine schönen Gärbottiche aus Holz, sondern aus blankem Metall - die kann man besser reinigen, erklärt Becky. Logisch... Wir probieren jeder einen guten Schluck der Würze, bevor wir zu den Stills rübergehen.

Lange Fußmärsche erspart sich der Besucher In der Kilchoman Destillerie: Mash Tuns, Wash Backs und Pot Stills drängen sich hier auf engstem Raum. Man stolpert von einem Teil der Produktion zum nächsten, sieht dabei aber auch mehr, weil man nah dran ist.

Nach einem Plausch mit dem Brennmeister wechseln wir zur Lagerhalle. Es ist großartig, wenn nicht alles aufgeräumt und auf Tourismus getrimmt ist. So sehen wir Nebensächlichkeiten wie die Schablone, mit der die Fässer beschriftet werden, die Rinnen mit Trittgittern, in die die Casks entleert werden und die Plastik-Tanks, in denen sich der Whisky zur Abfüllung in Flaschen sammelt. Auch das Abfüllen wird nämlich teilweise in der Farm erledigt. Denn für den 100 % Islay oder spezielle Fassabfüllungen zapfen, etikettieren und verkorken die Kilchoman-Angestellten vor Ort. Auch etwas, das man in den großen Destillerien fast nie zu Gesicht bekommt.

Der Besuch endet - wie sollte es anders sein - mit zwei Probierschlucken und der Möglichkeit sich einige Flaschen des Whiskys zu kaufen oder im Coffeeshop einen leckeren Kuchen zu vertilgen.

Mein Fazit

Kilchoman ist vielleicht nicht die Destillerie, die man als Neuling gleich als erstes besuchen sollte. Hier würde ich eher Talisker oder Laphroig empfehlen. Aber Kilchoman bietet eine erfrischende Abwechslung zu den überaus routinierten Whisky-Führungen der großen Whisky-Betriebe und kann so dem routinierten Whisky-Touristen noch Neues zeigen.


Bei mir jedenfalls war das der Fall...


Stephan Goldmann schreibt auf seiner Webseite MyHighlands.de über die schönsten Sehenswüdigkeiten in den Highlands, die er bei seinen sechs Touren in Schotlland besucht hat. Neuigkeiten erfährt man schnell über seine facebook-Seite