21. Februar 2011

Berge von Fässern

Whisky-Einsteiger fragen mich bei meinen Tastings und Seminaren immer wieder, woher der Scotch Single Malt eigentlich seine Farbe und besonderen Aromen bekommt.

Von gebrauchten Eichenfässern natürlich – in denen vorher amerikanischer Bourbon Whisky, Sherry, Rum oder auch Wein gelagert wurde. Aber wie kommen die Fässer zur Destillerie und wer sorgt dafür, dass sie auch die vielen Jahre in den Lagerhäusern überleben?

…und da habe ich auf meiner letzten Highland-Tour endlich einmal die Speyside Cooperage in Craigellachie besucht, um mir ein Bild zu machen - ein allemal lohnendes Besuchsziel nicht weit vom Whisky-Trail.


In der Cooperage werden die Fässer überholt oder neu zusammengebaut – und das im Akkord. Aber keine Sorge, die Fässer werden dabei auch auf ihre Dichtigkeit geprüft und bekommen die Freigabe erst nach bestandenem Test. Trotzdem lasse ich es mir nicht nehmen, immer mal nachzuschauen, dass unsere Fässer nicht doch lecken :-) .
Bei meinen Schottlandbesuchen habe ich auch schon Fasslager in den Destillerien gesehen, wo schnell an die 20 - 30.000 Fässer zusammen kommen. Aber die Fasshalde in Craigellachie hat mir den Atem verschlagen – Berge von leeren Fässern (und die Speyside Cooperage ist nicht die größte in Schottland!).

Es müssen Millionen sein und wer möchte da nicht einmal mit einem großen LKW vorfahren und sich ein paar schöne Fässer aussuchen? Aber keine Sorge, die Fässer sind gut eingezäunt und werden bewacht; nur ausgemusterte Fässer können als Blumenbottiche oder Bar-Möbel gekauft werden...


Also gut Holz

15. Februar 2011

Highlander Inn, Whisky Bar Tipp im Speyside

Es ist zwar nicht die größte Whiskybar im Speyside (da hat das gegenüberliegende Craigellachie-Hotel ein paar Flaschen mehr im Regal stehen), aber bestimmt die Bar mit dem fachkundigsten Personal!

Die Auswahl ist mit Absicht etwas kleiner gehalten, damit man keine Angst haben muss, auf einen bereits oxidierten und total laffen Whisky (Flaschen mit einem niedrigen Füllstand, die schon über Jahre auf einen Kunden warten) zu stoßen. Ein bis zwei Rückfragen vom Barkeeper, worauf man denn Lust hätte, und schon steht eine passende Abfüllung vor einem auf dem Tresen. So macht probieren Spaß! ...auch für jemanden, der schon einige Whiskies kennt ;-)

Nun gibt es im Highlander Inn neben Duncan Elphick, *dem* Mann des Whiskies aus Craigellachie, auch noch Tatsuja Minagawa aus Japan, den es vor vielen Jahren wegen der Whiskies nach Schottland verschlagen hat. Das hindert ihn aber nicht daran, sich trotzdem auf vielen Whiskymessen für japanische Whiskies stark zu machen. 

Japan trifft Schottland

Was mache ich also im Highlander Inn? Klar: ein paar ganz besondere japanische Einzelfassabfüllungen probieren! Dabei bekam Tatsuja den ganzen Abend sein Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht:

Wir waren im Herzen von Whisky-Country, in der Bar waren 5 Japaner, 2 Kanadier und 1 Deutscher, der sich dann auch noch auf japanische Whiskies stürzt. Er nannte es eine verkehrte Welt – ich ein neues Erlebnis! Denn wo sonst hat man die Gelegenheit, so exotische japanische Whiskies zu trinken?

Also was hatte ich unbedingt probieren müssen:

Karuizawa, 1982-2009, Sherry first fill, 56,1%vol. (Sukhinder Singh bottling)
Nase: „dicker“ Sherry Toffee, Fudge, Schokolade und man sitzt dabei auf einem feinen Ledersofa ;-)
Geschmack: ganz deutlich Sherry, Himbeere, dunkle Schokolade – das Holz ist erstaunlich gut eingebunden und stört in keiner Weise
Nachklang: sehr lang und eine Schokolade, die einfach nicht enden will

Hakushu 1989-2009, 62%vol. sherry butt (Suntory)
Nase: Schokoriegel mit viel Karamell (Mars???), Rosinen, „Cognac-Bohnen“ mit einer Zuckerkruste
Geschmack: Schokolade & Sherry – aber wo ist meine Cognac-Bohne geblieben? (die ist im Mund verschwunden),
weniger Holz am Gaumen, als man vermuten möchte und die 62% merkt man kaum (und ist ohne Wasser eine Geschmacksexplosion am Gaumen)
Nachklang: sehr lang, mit deutlich Sherry und Schokolade

Fazit
Irgendwie hatte ich an dem Abend in das „Schoko-Regal“ gegriffen und ich habe nicht bereut, im Speyside mit zwei Japanischen Whiskies fremdgegangen zu sein ;-)

Auch sonst ist das Highlander Inn als Ausgangspunkt für Touren im Speyside hervorragend geeignet: Es bietet Bed & Breakfast in nett renovierten Zimmern - und viele Whisky-Ziele liegen quasi um die Ecke. 



10. Februar 2011

Whisky & Käse - geht das?

Jeder kennt inzwischen Whisky & Schokolade Verkostungen, aber was ist mit Käse?

Nach einem netten Abend bei Freunden im „fünfzehn“, einem Importeur von Wein und Leckereien aus Italien, sind wir auf die Idee gekommen, dass man so ein Experiment doch einfach mal wagen sollte.

Es wurden Käsespezialitäten bestellt und wir haben für diese dann aus einer größeren Auswahl von Single Malt Einzelfassabfüllungen die passenden Whiskies ausgewählt und fanden schon bei unserer "sensorischen Testreihe", dass es wirklich tolle Kombinationen gibt.

Von da war es nur ein kurzer Weg bis Termin und Planung für den Käse & Whisky Degustationsabend in Grenzach-Wyhlen standen:

Die Neugierde in unter Whisky- und/oder Käsefans war so groß, dass wir sofort ausgebucht waren.
Was haben wir an dem Abend verkostet:


1. Scamorza affumicata / Castellanza / Mittel-Süditalien
    50 % i.Tr.Masse (Kuhmilch)

Der “affumicata” ist die geräucherte Form des Scamorza. Er ist ein weicher, schnittfester Käse mit dezenten Aromen und einem deutlichen, aber nicht zu strengen Rauchton.

Aberfeldy (C&S) 1997, 12 Jahre Hosgshead, 47,5%vol.
Aroma: Trockenpflaumen, Honig (deutlich süße Noten) und erstaunlicherweise Heu
Geschmack: malzig, süß, Tabak, leicht salzig
Nachklang: mittellang mit Tabak am Gaumen – am Ende leicht trocken

Einigen Teilnehmern gefiel hier auch die Kombination mit dem - mit ein paar Tropfen Wasser verdünnten - Tullibardine sehr gut. 
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2. Brinata / Il Forteto / Toscana 45 % i.Tr.Masse (Schafsmilch)
Der junge Pecorino aus pasteurisierter Schafmilch ist mit weißem Schimmel bedeckt. Diese schenkt dem Käse den zarten Geruch und einen milden Schafsmilchgeschmack.

Tullibardine (C&S) 1991, 18 Jahre, 53,6%vol.
Aroma: Kandierte Orangenschale, Honig mit einer deutlich floralen Note
Geschmack: Kräuter, Orange (Marmelade) mit leichtem Rauch
Nachklang: mittellang, sehr komplex mit einer zarten Holznote ganz am Ende 
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3. Testun al Barolo / Occelli / Cuneo-Piemont 52 % i.Tr.Masse
Der Käse wird mit Trester von Weinreben des Barolo bedeckt und so in den Kellern gereift. Er ist kompakt, aber nicht trocken und schmeckt kräftig - mit einem Hauch von Karamell und Sauerbraten(!).

Highland Park (TWC) 1990-2010, 20 Jahre, 46%
Aroma: intensive Rauchigkeit, Kräuter, Toffee (Fudge)
Geschmack: Akazienhonig, rauchende Heidekräuter, angenehme Sherry Süße (Brandruine)
Nachklang: würzig, die Rauchnote bleibt bis zum Schluss – sehr lang

Einige Teilnehmer fanden, dass hier auch der Aberfeldy hervorragend passte. 
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4. Parmigiano Reggiano / Montanari & Gruzza / Emilia Romagna 32 % i.Tr.Masse
Parmigiano Reggiano darf sich nur nennen, was nach den strengen Vorschriften des Konsortiums hergestellt wurde. Dieser 24 Monate gereifte Käse ist würzig mit einem feinen Nussgeschmack.

Isle of Jura (JMA) 1992, 15 Jahre, 53,9%vol.
Nase: Malz, Heu, Dörrobst (Aprikose), leicht nussig (Walnuss), etwas später kommt eine Vanillenote
Geschmack: malzig süß, Vanille mit gut eingebetteter Eichennote (süß + pfeffrig = ein spannender Kontrast)
Nachklang: mittellang – das Malz wird am Ende etwas trockener
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5. Dolce Gorgonzola / Catellanza / Mittel-Süditalien 56 % i.Tr.Masse
Eine milde Variante des Blauschimmelkäse.

Springbank (TWC) 1998-2008, 10 Jahre Port Cask, 57,4%vol.
Aroma: Heidekraut, Salbei und süße Trauben
Geschmack: leicht salzig, eine Spur Torf, Birne und etwas Eiche am Gaumen
Nachklang: lang, zuerst süß und hinten etwas trockener werdend
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6. Robiola di Capra „al Rosmarino“ / La Casera / Norditalien 53 % i.Tr.Masse
Robiola ist ein Sammelname für kleine runde Käse. Dieser weiche Ziegenkäse bekommt durch die Rosmarin-Schicht ein besonders Aroma.

Caol Ila (TWC) 1983, 27 Jahre, 51,4%vol. (ex sherry butt)
Aroma: eine runde „Sherry-Torf“ Note – Speck in Honig über Torfrauch geräuchert
Geschmack: Salz, Speck mit der Honigkruste im Torfrauch und ein Hauch von Barrique
Nachklang: Am Anfang findet man die Eiche am Gaumen, die aber langsam dem süßen Sherry weicht,  der dann lange anhält

Den Teilnehmern muss es genauso wie uns gefallen haben, denn wir werden schon bedrängt, so einen Abend (dann natürlich mit neuen Käse & Whiskies) durchzuführen. Es geht also: Experiment gelungen - Fortsetzung folgt!

Slainte & Happy Cheese