10. Dezember 2009

Höhenluft, Eis und Whisky - wie ändert sich der Geschmack?

Ich habe ja schon an einigen Burg-, Berg- und sonstigen Spezial-Whiskytastings teilgenommen, und es ist immer wieder spannend, verschiedene Whiskies in etwas "anderer" Umgebung zu probieren.

Als ich letztes Jahr zum ersten Mal zum Tasting auf dem Piz Umbrail dabei war, hatte ich jedoch den Eindruck, dass mir meine Nase und Gaumen Streiche spielten: sowohl mein eigener Whisky als auch die anderen Single Malts rochen und schmeckten irgendwie nicht wie sonst...

Whisky-Tasting im Höhenrausch

Es war aber keineswegs der Höhenkoller oder die Erschöpfung des untrainierten Flachländers - nach etwas studieren in meinen Chemie- und Whiskybüchern kam ich darauf: Ebenso wie man mit Eis die Temperatur und die Ausbreitung der Aromastoffe beeinflusst, geschieht dies auch durch Druckunterschied. Und der ist bei 3000 Höhenmetern gegenüber meinen gewohnten 360 üNN doch beträchtlich!

Kein Wunder also, dass der Whisky anders schmeckt, wenn sich Moleküle unterschiedlich schnell bewegen und Aromen anders zusammensetzen oder verflüchtigen.

Sensorische Testreihe auf 1870, 2702 und 3303 m

Diesen Effekt wollte ich jetzt etwas näher erforschen und hatte gleich noch einen "wissenschaftlichen" Grund, wieder am diesjährigen Swiss Highland Tasting der Smallest Whisky Bar on Earth auf dem Piz Corvatsch bei St. Moritz teilzunehmen.  ;-)

Beim Tasting selbst ging es um einen Blindvergleich von insgesamt 6 verschiedenen Whiskies auf drei verschiedenen Höhenstationen, und ich hoffe ich schaffe es irgendwann noch, die Bilder und Eindrücke davon zusammenzufassen.

Parallel dazu habe ich aber eine kleine Probe meiner neuen Linkwood-Abfüllung mitgenommen und auf den verschiedenen Stationen die Unterschieded festgehalten. Hier sind meine Eindrücke:


Tasting Notes TWC Linkwood  18 Jahre, 46%vol.

Oak Hogshead
Region: Speyside
Farbe: kräftiges Gold

In der Ebene:

Nase: Duft getrockneter Aprikosen, Trockenobst, Apfel (Braeburn), leicht nussig
Geschmack: Aprikose, grüner Apfel, Karamell und etwas pfeffrig
Abgang: Kaum Eiche und mittel bis lang anhaltend


Auf der Mittelstation (2702 m):

Nase: starker Alkohol in der Nase dann viel Vanille (Pudding)
Geschmack: Orange, eine leicht bittere Note und peffrig
                    Das Holz ist sehr gut eingebunden
Abgang: mittel bis lang anhaltend mit einem Hauch Orange


Auf 3303 m:
(allerdings nicht draussen - da war's zu ungemütlich)

Nase: Gras, Heu, Zimt und Kräuter
Geschmack: Kräuter und englische "Marmelade" (Orange) und
                   die Vanille ist auch wieder dabei
Abgang:  mittel lang, Kaffee und mehr Holzeinflüsse


Die Unterschiede waren also durchaus deutlich und haben zum Teil ganz neue Nuancen hervorgebracht. Aber man kann eben nicht immer zum Whisky probieren in die Berge fahren und letzten Endes sollte er einem zuhause am besten schmecken.

Mein Fazit: Beschreibungen von Whisky und Tasting Notes können nur als Anhaltspunkt dienen: wer weiß, wo der Verkoster beim probieren gerade war?

Slainte

Kommentare:

smallest whisky bar on earth hat gesagt…

Sehr schön geschrieben, da werden wieder Erinnerungen wach, jetzt wo es hier doch in den Bergen wieder arschkalt ist.

Gruss aus den Swiss Highlands

Detlef

Whisky-Igel hat gesagt…

Hallo Detlef,
der Bericht über den tollen Tagen bei Dir in den Bergen ist etwas spät gekommen (jetzt haben wir schon Winter), aber immerhin noch vor 2010 ;-)
Slainte und viele Grüße in die Berge
Thomas

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