27. Juli 2009

Schotten gehen für Johnnie Walker auf die Strasse

Am Sonntag sind laut dem Scotsman 20.000 Demonstranten zum Erhalt der Arbeitsplätze in der Kilmarnock Abfüllung und Port Dundas Grain Distillery in Glasgow auf die Strasse gegangen. Siehe auch einen Video-Bericht von BBC:




Die Petition wird von Regierungsmitgliedern, Gewerkschaften und Berühmtheiten aus Sport und Film unterstützt. So wurden jetzt aus den 900 Arbeitsplätzen laut Artikel schon 5,1 Mio. Schotten, die Diageo zu einer Umkehr beim Arbeitsplatzabbau bewegen wollen (ob wirklich alle 5,1 Mio. Schotten schon Whisky trinken dürfen????).

Aber wie schon einige Whiskyfreunde bei mir kommentiert haben, fällen Konzerne Entscheidungen aus wirtschaftlichen Erwägungen - und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Ob diese Entscheidungen immer etwas mit "sozialer" Marktwirtschaft zu tun haben, sei einmal dahingestellt.

Es gibt Länder, wie z.B. die USA, da geht man nicht nur aus Protest auf die Straße, sondern es wird ein Produktboykott ausgerufen, der von der Bevölkerung auch durchgezogen wird – dann regelt der Markt ganz schnell das Anliegen!
Mal schauen, ob es so etwas auch mal in Schottland geben wird...

Slainte

24. Juli 2009

Laphroaig – endlich haben wir gebaut!

10 Jahre Jubiläum „square foot“ bei Laphroaig – so lange haben wir jetzt unser „kleines“ Grundstück schon und waren darum der Meinung, dass es Zeit wird, ein Haus zu bauen.

Bei unserem diesjährigen Besuch auf Islay haben wir dann ernst gemacht: Gut dass es dank „Monopoly“ Fertighäuser gibt, die man auch bei heutigen scharfen Handgepäckkontrollen noch im Flugzeug mit auf die Insel bringen kann.

Jetzt hoffen wir nur, dass unsere Nachbarn mit ihren Bauvorhaben noch etwas warten, damit uns die Sicht nicht verbaut wird ;-)

Aber Spass beiseite: Die „square foot“ Aktion von Laphroaig war und ist für mich eine der besten Marketingideen der Whiskyindustrie - in knapp über 10 Jahren wurden so über 350.000 Mitglieder(daten) gesammelt und zur Kundenpflege genutzt.

Updates über neueste Whisky-Abfüllungen schicken auch andere, aber nur hier hat man durch "sein" Stück Land von der Destillerie eine direkte Bindung und kann jedes Jahr die Pacht in Form einer aktuellen Miniatur kassieren.

Alle "Friends of Laphroaig" = Grundbesitzer sind mit genauen Angaben verzeichnet. Wenn man zu Besuch kommt, bekommt man zünftige Gummistiefel, eine Wegbeschreibung (die auf eben diesen Gummistiefeln "fusst") und auf Wunsch ein Fähnchen, um sein Stück Land zu markieren.

Slainte und auf gute Nachbarschaft!

22. Juli 2009

Kochen mit Whisky: Papaya-Zuckerschotensalat mit Saté-Spiessen

Zugegeben, kochen mit Whisky ist für mich eigentlich eher eine Sache für die kalte Jahreszeit, aber dieses Rezept will auch gerne mal im Sommer nachgekocht werden.

Der fruchtig-scharfe Salat passt auch jetzt ganz gut als Sommervorspeise - und die Spiesschen kann man selbstverständlich auch auf dem Grill zubereiten:

Papaya-Zuckerschotensalat

2 Papaya, nicht zu reif
200-250 g Zuckerschoten
(auch bekannt als Zuckererbsen oder Kefen)

Die Papaya halbieren und die Kerne entfernen. Die Hälften schälen und in dünne Scheiben schneiden.
Die Zuckerschoten putzen, waschen und evtl. diagonal halbieren. In reichlich kochendem Salzwasser ca. 2-4 Minuten blanchieren. Anschliessend kurz in eiskaltem Wasser abschrecken und gut abtropfen lassen. Evtl. mit Küchenpapier trocken tupfen.

½ Chilischote, rot
3 EL Weissweinessig
3 EL Sesamöl
3 EL Olivenöl
Saft einer halben Limette
1 EL Ahornsirup
* 2EL Whisky (Imperial 1991, 43% vol)
1 Knoblauchzehe
1 dünne Scheibe Ingwerknolle
1 EL Koriandergrün, gehackt
Salz, Pfeffer
Korianderblättchen für die Garnitur

Für die Vinaigrette die Chili waschen, halbieren und die Kernchen mit einem Löffel auskratzen.
Essig, Öle, Limettensaft und Ahornsirup (*und Whisky) mischen und sämig rühren.

Knoblauchzehe und Ingwerknollenscheibe schälen und in feine Würfel schneiden. Zusammen mit dem Koriander unter die Sauce rühren. Papaya und Zuckerschoten mit der Sauce mischen und den Salat mit Salz und Pfeffer abschmecken.


Marinierte Seeteufel-Satés

4 Seeteufelfilets, je nach Grösse
(alternativ: 1 Hühnerbrust*)
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
1 Chilischote
2 EL Sesamöl
3 EL Olivenöl
Limettensaft einer halben Limette
2 EL helle oder dunkle Sojasauce
* 2 - 3 EL Whisky (nur für die Hühnerbrust)

Die Seeteufelfilets waschen und trockentupfen. Die flachen Enden beidseitig abschneiden. Den Fisch in 16 gleichmässig grosse Nuggets zerschneiden. Beiseite stellen.

Für die Marinade die Schalotte und Knoblauchzehe schälen und in feine Würfel schneiden. Die Chilischoten längs halbieren und die Kernchen mit einem Löffel rausschaben. Chilischote in kleine Würfel schneiden.

Schalotten-, Knoblauch- und Chiliwürfel mit Sesamöl, Olivenöl, Limettensaft und der Sojasauce mischen. *Wird das Rezept mit Hühnchenbrust zubereitet 2-3L Whisky zufügen. Marinade über die Fischnuggets (Hühnchennuggets) giessen und diese zugedeckt im Kühlschrank mindestens 1 Stunde durchziehen lassen. Dabei mehrmals wenden.

Finish
Die marinierten Nuggets in einer beschichteten Grillpfanne ohne Fett von jeder Seite braten. Die Seeteufelsatés zw. 2-4 Minuten (*das Hühnchen zw 3-5 Minuten bei heisserer Temperatur braten).

Die Nuggets auf einen kleinen Holzspiess aufspiessen. Dabei pro Person 4 Fischnuggets auf einen oder auf zwei Spiesse verteilt (je nach Tellerform und -Grösse) und auf dem Papaya-Zuckerschotensalat anrichten.

Mit Korianderblättchen garnieren und sofort servieren.

Tipps
Den Fisch und das Hühnchen kann man bereits am Vortag verarbeiten und in der Marinade kühlstellen. Die Sauce und den Salat kann man hervorrragend bis zu 1 Stunde vorher zubereiten. Der Fisch muss allerdings à la minute gebraten werden.

Slainte und bon Appetit!

Besonderer Dank für das Rezept geht wieder einmal an unsere Kochfee Astrid!

16. Juli 2009

Whiskymesse – Geld ausgeben? Umfrageergebnis

Es ist noch keine Krise beim Ausgabeverhalten auf Whiskymessen zu erkennen. Die Umfrage hat gezeigt, dass immerhin 70% der Befragten, noch keinen Verzicht üben, wenn es darum geht einen neuen Whisky zu probieren, oder sich eine alten Tropfen zu gönnen.


Wenn man jetzt noch bedenkt, dass im Schnitt nach meiner letzten Umfrage auch noch 2-5 Whiskymessen im Jahr besucht werden, stellt sich jetzt natürlich nur noch die Frage, wie viel Geld gebe ich denn pro Messebesuch aus?

…da bin ich schon gespannt.


Slaint

14. Juli 2009

Fassbesuch bei Bruichladdich

2006 gehörten wir zu den letzten Glücklichen, die noch ein Sherry Fass bei Jim McEwan ergattern konnten.
Und so ist unser Sherry Cask bei Bruichladdich dieses Jahr offiziell zu „Whisky" geworden - Happy Birthday!

Das war doch mehr als Grund genug, diesen Juni einen Abstecher nach Islay zu machen und auch gleich noch bei den anderen Destillerien vorbeizuschauen bevor sie in die Sommerpause gehen - aber dazu schreibe ich ein andermal mehr.

Jedenfalls ging es freitags erst einmal zum Cask-Owner visit zu Bruichladdich. Und obwohl man uns ja erwartet hatte, dauerte die Suche in den Lagerhäusern und Fassregalen doch etwas länger. Aber vielleicht wollte man uns auch in den engen, dunklen Gängen einfach ein bisschen Abenteuer und Gelegenheit zum Schnüffeln unseres eigenen "Angels' Share" bieten ;-).

Auch nach unzähligen Destilleriebesuchen ist es für mich immer wieder beeindruckend die Atmosphäre zu spüren, die vielen Fässer zu sehen und eine gewisse Aufregung, wenn eine Reihe beiseite gerollt werden muss, um mit dem Valinch an mein Fass heranzukommen.

Nach einer ausgiebigen Tour war es dann endlich soweit und das Fass war gefunden:


Die erste Geruchsprobe gleich vom Valinch (naja, und einen kleinen Dram haben wir dann auch gleich am Fass genommen) zeigte schon, dass wir ein tolles Sherry Fass erwischt haben und der Whisky - obwohl gerade mal 3 Jahre alt - schon angefangen hat ein angenehmes Aroma zu entwickeln.





Lassen wir uns überraschen, wie er sich weiter macht - und ob wir da vielleicht eine zukünftige Rarität heranziehen.

Slainte



10. Juli 2009

Streik der Whisky Arbeiter bei Diageo?

Der Spirituosengigant will in der florierenden Whiskyindustrie bis zu 900 Jobs streichen und es wird vermutet, dass die Abfüllanlagen und Verpackung ganz aus Schottland verlagert werden könnte. Diese Drohung soll schon einige Jahre über den Anlagen schweben.

Im Scotsman geht man sogar noch einen Schritt weiter und stellt sich die Frage, ob die Schließung von der Kilmarnock Abfüllung - die immerhin die Wiege von Johnnie Walker war - nicht zum „Ruin“ des Scotch Whisky Images führen wird.
Wenn man den Artikel liest, fühlt man sich sofort an „Braveheart“ erinnert – ein schottischer Aufstand?

Schade, dass nur die Lagerung von Whisky in Schottland vorgeschrieben ist, aber nicht, wo er abgefüllt wird. Der nächste Schritt könnte sein, dass der Scotch Whisky irgendwann einmal in 20.000l Tankcontainern zum Abfüllen durch die Weltgeschichte gefahren wird.

Die Gewerkschaften denken jedenfalls laut über einen Streik nach. Werden dann auch Destillerien von Diageo betroffen sein? Wird man dann im Visitor Center ein Streik T-Shirt überstreifen müssen?

Slainte

Quelle: Dailyrecord.co.uk, scotsman.com

5. Juli 2009

Sommer – Whisky – Eis?

Eis oder kein Eis, dass ist hier die Frage. Diese Frage wird mir immer wieder auf Tastings gestellt und die Antwort ist nicht so einfach, da nur jeder für sich selber entscheiden kann, was ihr / ihm gefällt und schmeckt.

Aber natürlich habe auch ich eine persönliche Meinung ;-)
Für mich ist Eis in einem Single Malt Scotch Whisky unvorstellbar – aber warum?

Im Sommer liegt die Zimmertemperatur um einiges höher, als 20-21°C, was sich natürlich auch auf den Geschmack (= die Aromaentfaltung der Alkohole) auswirkt. Der Alkohol geht im Sommer um einiges schneller in die Gasform über und wir nehmen den ihn viel intensiver war – es sticht in der Nase – und somit kommen die feinen Unterscheide der Aromen nicht mehr so einfach durch.

Da könnte man zum Herunterkühlen doch einfach einen Eiswürfel in den Whisky geben, oder? Aber was geschieht dabei:

a) Der Alkohol wird permanent weiter und weiter heruntergekühlt und die Aromaentwicklung (siehe oben) wird reduziert.
b) Das Eis beginnt zu schmelzen und der Whisky im Glas wird immer stärker verdünnt, bis wir nur noch einen Longdrink in der Hand haben.

Meine persönliche Lösung sind neben der richtigen Lagerung des Whisky ein „Kühlstab“, der mir meinen Whisky nicht verdünnt, aber je nach Wunsch um einige °C herunterkühlen kann, bis ich den Geschmack im Glas habe, den ich mir für diesen Moment wünsche.
Es gibt also auch eisfreie Lösungen.

Slainte und einen schönen Sommer