11. Mai 2009

Blender bei Glengoyne

Für die "Nasen" in der Whisky-Herstellung hatte ich schon immer den größten Respekt, seit ich vor vielen Jahren zum ersten Mal im Nosing Room von Macallan vor der Probenbatterie stand.

Diese Bewunderung (und zugegeben auch ein kleines bisschen Neid) für den Job als Masterblender ist inzwischen noch ein ganzes Stück größer geworden.

Warum?

Zum Geburtstag hatte ich eine „Masterblending Session“ bei Glengoyne geschenkt bekommen und dachte mir, so schwer kann es doch nicht sein, aus ein paar guten Single Malt Whiskies und etwas Grain einen „angenehmen“ Blend zu kreieren. Das war ja so was von falsch gedacht!

Nachdem wir zunächst unser Fass bei Glengoyne besucht hatten wurden wir zu viert (einschliesslich zweier nicht Whisky trinkender Ehefrauen) in den heimeligen Sample Room geführt. Vor jedem von uns standen dieselben 8 Flaschen mit 2 Grain Whiskies, einem Glengoyne und 5 typischen Vertretern aus den Whisky-Regionen (Lowlands, Highlands, Speyside, Islands, Islay).


Wir hatten insgesamt 30 Minuten Zeit aus dieser Auswahl einen Blend nach unserem Geschmack zu komponieren. Einziger Tip war, dass man mit ca. 50 % Grain Whisky beginnen sollte und sich dann milliliterweise mit der Pipette an das gewünschte Aroma heranarbeiten sollte. Man durfte nur riechen, probieren war dabei ausdrücklich verboten!

Mein Blend sollte etwas Besonderes werden, daher habe ich nur 30% Grain als Basis genommen und dann vor allem Malts ausgewählt, die eine schöne fruchtige Note hatten – es sollte ein frischer und angenehm fruchtiger Sommer-Whisky werden.

Am Schluss wurden alle vier Kreationen blind verkostet - und peinlich, peinlich: ausgerechnet unsere beiden Frauen, die dem Whiskygenuss nichts abgewinnen können, haben auf Anhieb zwei stimmige und charaktervolle Blends gezaubert. Mein "Ben Nobody" war im Vergleich dazu eine herbe Enttäuschung :-(

Fazit: Gute Blends zu machen, ist gar nicht so einfach und eine gute Nase für Single Malts macht noch keinen guten Blender.

Slainte


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