20. Juli 2008

Whiskyfässer in "Tüten"

Es wird berichtet, dass Diageo Tests laufen hat, wo Whiskyfässer in Folie eingeschweißt werden, um den Angel´s Share (ca. 2% pro Jahr) zu reduzieren. 

Bei Konzernen wie Diageo geht es hier immerhin um mehrere Millionen Pfund Sterling pro Jahr, die zu den Engeln gehen – wer würde dieses Geld nicht lieber unter seinem Profit verbuchen wollen?

Andererseits fand ich immer, dass die Engel ihren Anteil redlich verdienen: schließlich hat ja dieser Austausch ("Angel's share" raus - Sauerstoff rein) neben dem Holz der Fässer einen großen Anteil am Reifeprozess und späteren Charakter des Whiskies. 

Zur Sicherheit habe ich einen befreundeten Chemiker noch einmal gebeten, mir genau die "wissenschaftliche" Seite des Reifungsprozesses zu bestätigen: 

"Beim „Spirit“, aus dem nach 3 Jahren Lagerung in einem Eichenfass einmal Whisky werden soll, haben wir es mit einem Alkohol zu tun, der unter Sauerstoffeinfluss (dank der Luftdurchlässigkeit der Eichenfässer) zu Aldehyden und später bis zu Karbonsäuren oxydiert – man spricht auch von: aromatische Alkohole, Aldehyde, Ketone und Carbonsäure.
Genau diese Stoffe sind es, die wir beim Nosen als florale Noten (Gras, Heu, Veilchen, Geranien, Ginster,…), Kräuter oder auch Fruchtnoten (Apfel, Birne, Beeren, Waldmeister,…) wahrnehmen."

Wie sollen diese Aromen entstehen, wenn es keine ausreichende Oxydation mehr gibt?

Eine Lösung wäre die aktive Zufuhr von Sauerstoff in die Fässer (aber eben nur noch hinein...). Dann könnte man sich hypothetisch auch gleich die Eichenfässer sparen und den Whisky in Edelstahltanks "reifen"  -  mit Eichenholzsäckchen, wie es in der Weinindustrie schon Gang und Gebe ist. Analog sprechen wir dann auch nicht mehr Destillerien, sondern von Whisky Makern :-o . 

Aber es wurde schon viel experimentiert und wir geben die Hoffung nicht auf, dass es beim aktuellen „Whisky Reinheitsgebot“ (= Whisky muss in Eichenfässern reifen) bleibt.

Slainte

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen