30. Juli 2008

Roseisle - 14 neue Stills für Schottland

Die erste seit über 30 Jahren neu erbaute Destillerie in Schottland soll 14 Stills erhalten.

Bilder von der Herstellung der Stills geben einen besonderen Eindruck von dem 40 Mio GPB Grossprojekt von Diageo in Moray (ein interessantes Beispiel von pre-Marketing, wie ich finde). 

Die neue Destillerie soll bereits Ende des Jahres fertig gestellt sein und im Januar mit der Produktion von Malt Whisky beginnen. Bereits im Frühjahr soll mit der vollen Kapazität gearbeitet werden (wie groß die wohl sein wird?)

Mit der neuen Destillerie will man den Whisky bis zu 15% günstiger als z.B. in Dufftown produzieren: es gibt also mehr Whisky und das auch noch günstiger – was wünscht sich ein großer Konzern mehr? Nachzulesen bei "pressandjournal.co.uk "

Ab 2012 soll bereits der erste Whisky vermarktet werden – mit 4 Jahren. Das klingt für mich  nach einem neuen Blend oder vielleicht auch nur genug Rohstoff, damit es weiter genügend Johnnie Walker geben kann...

Slainte

22. Juli 2008

Tullibardine unter Haien

Tullibardine ist nun auch ins Visier von Investoren geraten: über eine Schweizer Bank seien 3 Angebote für die profitabel laufende Destillerie abgeben worden (Quelle: Scotsman).

Das Management war zwar nicht aktiv an einem Verkauf interessiert, aber die Angebote sollen wohl doch so interessant sein, dass man sie sich wenigstens einmal anschauen möchte.
Wenn Manager so etwas von sich geben, dann ist es bis zum Verkauf meistens nur noch ein kleiner Schritt (oder eben 1 - 2 Mio. GBP mehr...).

Das Angebot könnte umso interessanter und willkommener sein, da sich Tullibardine's bisheriger Hauptabnehmer und Bottling Partner Glenmorangie aus dem Markt für Blended zurückzuziehen will. Als Folge verliert Tullibardine die sichere Auslastung von zuletzt gut 90% der Spirit Produktion, ebenso wie günstige Abfüllmöglichkeiten für ihre eigenen Single Malts.




Der Trend zu institutionellen Whisky-Investoren scheint sich zu beschleunigen. Bei der wachsenden Nachfrage und insgesamt positiven Aussichten ist das eigentlich nicht erstaunlich...
Mal sehen, wie lange werden wir dann noch Destillerien in privater Hand finden?

Slainte

20. Juli 2008

Whiskyfässer in "Tüten"

Es wird berichtet, dass Diageo Tests laufen hat, wo Whiskyfässer in Folie eingeschweißt werden, um den Angel´s Share (ca. 2% pro Jahr) zu reduzieren. 

Bei Konzernen wie Diageo geht es hier immerhin um mehrere Millionen Pfund Sterling pro Jahr, die zu den Engeln gehen – wer würde dieses Geld nicht lieber unter seinem Profit verbuchen wollen?

Andererseits fand ich immer, dass die Engel ihren Anteil redlich verdienen: schließlich hat ja dieser Austausch ("Angel's share" raus - Sauerstoff rein) neben dem Holz der Fässer einen großen Anteil am Reifeprozess und späteren Charakter des Whiskies. 

Zur Sicherheit habe ich einen befreundeten Chemiker noch einmal gebeten, mir genau die "wissenschaftliche" Seite des Reifungsprozesses zu bestätigen: 

"Beim „Spirit“, aus dem nach 3 Jahren Lagerung in einem Eichenfass einmal Whisky werden soll, haben wir es mit einem Alkohol zu tun, der unter Sauerstoffeinfluss (dank der Luftdurchlässigkeit der Eichenfässer) zu Aldehyden und später bis zu Karbonsäuren oxydiert – man spricht auch von: aromatische Alkohole, Aldehyde, Ketone und Carbonsäure.
Genau diese Stoffe sind es, die wir beim Nosen als florale Noten (Gras, Heu, Veilchen, Geranien, Ginster,…), Kräuter oder auch Fruchtnoten (Apfel, Birne, Beeren, Waldmeister,…) wahrnehmen."

Wie sollen diese Aromen entstehen, wenn es keine ausreichende Oxydation mehr gibt?

Eine Lösung wäre die aktive Zufuhr von Sauerstoff in die Fässer (aber eben nur noch hinein...). Dann könnte man sich hypothetisch auch gleich die Eichenfässer sparen und den Whisky in Edelstahltanks "reifen"  -  mit Eichenholzsäckchen, wie es in der Weinindustrie schon Gang und Gebe ist. Analog sprechen wir dann auch nicht mehr Destillerien, sondern von Whisky Makern :-o . 

Aber es wurde schon viel experimentiert und wir geben die Hoffung nicht auf, dass es beim aktuellen „Whisky Reinheitsgebot“ (= Whisky muss in Eichenfässern reifen) bleibt.

Slainte

18. Juli 2008

Fass-Besuch auf Arran

Auf dem Weg nach Campbeltown hatten wir noch einen Abstecher nach Arran gemacht, um Fassproben abzuholen und zu sehen,wie sich meine Fässer entwickeln.

Beim letzten Mal kamen die Proben noch ausgesprochen unerotisch in Plastik-Schraubflaschen (fast wie Urinproben beim Arzt...).

Welch freudige Überraschung dieses Mal, als mir 3 handettikettierte Glasflaschen übergeben wurden, wo man auch gleich die schöne unterschiedliche Farbentwicklung der Whiskies sehen konnte.

Da hat man schon mehr den Eindruck und das beruhigende Gefuehl, dass hier ein feiner Whisky heranreift: 2 der Fässer wurden im Jahr 2000 am gleichen Tag abgefüllt - eines in Sherry und das andere in ein Bourbon-Fass. Der Farbunterschied ist schon jetzt beeindruckend - ich bin gespannt auf das Probieren: wie unterschiedlich die beiden Whiskies sein werden....

Den "fast" 12jährigen Arran habe ich gleich getestet, um zu sehen, ob er schon reif zum abfüllen ist.
Insgesamt ist es schon ein sehr schöner Whisky, aber ich werde ihm die Chance geben, noch etwas älter zu werden...



Tasting Notes Fassprobe

Arran 1996 - Sherry refill cask
Cask 96/2114 – cask sample 19.06.2008
Alkohol (keine Angabe) – Schätzung ca. 58%vol.



Farbe: Gold
Nase: Vanille, Fudge, Früchtebrot, Kräuterhonig, grüner Apfel und etwas frisches Gras (etwas ungewöhnlich für einen Arran)
Geschmack: Malz, Karamell, milder Honig
Abgang: mittellang anhaltend, mit einer leichten Süße und einem Hauch Eiche (aber nicht aufdringlich)

Slainte

15. Juli 2008

Loch Fyne Whisky: Ein Herz für „Fremdgänger“

Unter Whiskyfreunden muss man den Loch Fyne Whisky Shop mit seiner Raritäten-Auswahl eigentlich nicht erwähnen. Wenn man also in der Gegend von Inveraray ist, kommt man an einem Besuch im vielfach prämierten Shop („Icons of Whisky“) kaum vorbei. Aber der Service, den wir letzte Woche nutzen durften, war doch ein tolles Beispiel von Kundenfreundlichkeit:

Ich konnte natürlich auch nicht einfach so vorbeigehen und bin prompt an einigen Flaschen hängen geblieben... Allerdings hatten wir ja schon einige Flaschen aus Arran und Campbeltown im Auto und der Platz im Koffer wurde langsam knapp. Kein Problem für Andy Burns: hier hat man Verständnis für die Versuchungen, denen ein Whisky-Liebhaber in Schottland ausgesetzt ist... :-)

Es gibt einen Lieferservice - nicht nur für die im Shop gekauften Flaschen - nein! man kann sogar „fremd gekaufte“ Flaschen für einen Verpackungs- und Handlingobolus von 5 GBP pro Flasche mit auf den Weg geben.

Das habe ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen und mit meinen anderen Flaschen die sowieso angefallenen Versandkosten von 19 GBP (Versandpauschale für 1 bis 6 Flaschen) optimiert.

Die Abwicklung wurde dann auch noch mit einem Dram eines älteren Bruichladdich versüßt. Ein toller Service. Wer hat so etwas schon einmal in Deutschland erlebt?

Slainte

10. Juli 2008

Destillerie-Tours zum Whisky lieben oder abgewöhnen?

Auf der Tour durch Schottland haben wir nicht nur die Whisky-School Woche bei Springbank verbracht (und dabei hart gearbeitet!), sondern die Zeit auch für den Besuch in ein paar anderen Destillerien genutzt - da geht kein Whisky dran vorbei :-) (Schließlich war das ja eine Dienstreise für mich...)

Und das waren dann schon mächtige Unterschiede, wie man mit den Whisky-interessierten Besuchern umging! Ein Visitor Center haben ja mittlerweile die meisten Destillerien und auch der Probierschluck gehört zum Standard.

Spannend wird es, wenn man die unterschiedlichen Führungen erlebt: Die Whisky-Herstellung ist ja identisch (hoffen wir einmal, dass es auch noch lange so bleibt), aber wie ausführlich und anschaulich es erklärt wird - da können Welten zwischen liegen...!

Wir haben diesmal Oban, Talisker und Ben Nevis besucht und waren besonders positiv überrascht von

Talisker

Hier hatten wir aufgrund der relativen Abgeschiedenheit auf Skye mit wenig Besuchern gerechnet und auch niedrige Erwartungen an die Führung, da Talisker bekanntermaßen sehr modern und automatisiert ist.

Tatsächlich drängten sich die Besucher im Empfangsraum und die Führungen starteten im 15Minuten-Rhythmus!



Leider konnte so gut wie nichts „richtig“ gezeigt werden, da z.B. die Mash Tun gerade leer war und im nächsten Bereich einige Wash Backs ausgedampft wurden. Wegen der Hitze durften hier die Besucher nicht zu dicht herankommen.

Die Besonderheiten von modernen Produktionstechnik und traditioneller Herstellungsmethoden wurden aber sehr gut dargestellt und man hat dem Tour-Guide deutlich seinen Stolz auf sein Produkt angemerkt (und geglaubt). Er hat die Herstellung und Besonderheit von Talisker auch hervorragend ohne live Beispiele beschrieben und für Einsteiger die Unterschiede von Single Malts, Blended Malt und Blended Whisky deutlich gemacht.

Die Führung dauerte eine gute Stunde und hat wirklich Spaß gemacht. Einziger Wermutstropfen war das strikte Fotografie-Verbot, das bei allen Diageo Destillerien gilt.

Kosten: 5 GBP pro Person (inklusive 3GBP Gutschein beim Kauf einer Flasche im Shop)

Oban

Die Destillerie selbst ist sehr klein und im Straßengewirr von Oban regelrecht versteckt (in der Tat ist sie kaum ausgeschildert – als ob man sie verheimlichen wollte...)

Hier fanden die Führungen im Stundenrhythmus statt und die „fehlenden“ Elemente wie das Malting und Kilning wurden mit einem kurzen Film erklärt.

Auf dem Weg durch den Prozess bekommt man „Schnupperproben“ von new-make Spirit und darf von einer direkt aus einem ausgewählten Fass gezogenen Probe verkosten. Das Probenglas darf man dann auch mitnehmen, was wohl den um ein Pfund höheren Eintrittspreis rechtfertigt (6 GBP pro Person, inkl. Gutschein).

Am Schluss wurden noch ausführlich die 5 weiteren Whiskies der Classic Malts Serie vorgestellt und die Unterschiede der Whisky-Regionen beschrieben (die Marketing-Abteilung lässt grüßen...).

Ben Nevis

dagegen war eine echte Enttäuschung:
Zunächst wurde ein etwas kitschiger und auch qualitativ nicht sehr guter Film über den Riesen Gregor McDram gezeigt, wie er Schottland erschaffen hat und mithilfe der Götter und eines glücklichen Zufalls die Herstellung von „Scottish Dew“ (= Whisky) entdeckt.

Darauf folgte eine ziemlich schnelle und leider etwas lieblose „Begehung“ der Destillerie (Hier war Fotografieren nicht ausdrücklich verboten – also habe ich es auch genutzt). Zum Schluss gab es den obligatorischen Dram im Shop: einen 4jährigen Blend...

Wenn man den Herstellungsprozess nicht kannte, hat man ihn hiernach auch nicht verstanden – und nicht unbedingt Lust auf mehr bekommen... Für jemanden ohne Whiskykenntnisse vielleicht etwas demotivierend :-(

Dafür war der Eintritt mit 3 GBP verhältnismäßig günstig, aber ich kann diese Tour wirklich niemandem empfehlen...

Slainte

7. Juli 2008

100 Whiskies und ein Sterne-Menü

Whisky-Bar und Restaurantempfehlung in Inveraray

Für den Stopp in Inveraray war uns zum Essen das „George“ Hotel empfohlen worden, dessen Stammgäste eigens aus Glasgow zum Wochenend-Dinner anreisen sollen.

Zum Abendessen waren wir beim ersten Besuch noch etwas zu früh und mussten uns mit der „Bar Meal“ Karte begnügen. Wir erwarteten die üblichen Pies und Fish & Chips, aber siehe da: es gab eine Auswahl an wohlklingenden Gerichten, von der so manches Restaurant träumen kann.

Auszug aus der Bar Karte (bis 18.30 Uhr):

  • Home made chicken liver pâté with garlic bread and Cumberland sauce
  • Fresh potted Tarbert crab with toasted sour dough bread and rocket
  • Grilled salmon fillet with linguine, char grilled vegetables Provencal and pesto
  • Local shoulder of lamb marinated in Tandoori spices, cooked in spiced Masala with pilau rice
  • Grilled goat's cheese with red onion marmalade on a bed of mixed leaves and pumpkin seads
  • und vieles leckeres mehr...
So eine Auswahl muss ja nicht unbedingt auch gute Qualität bedeuten, aber wir waren von unseren Bar Meals und der gemütlichen Atmosphäre so begeistert, dass wir es am folgenden Abend auch mit dem Dinner Menü versuchen mussten, das tatsächlich noch besser war.

Gut sortierte Whisky-Bar

Weder das Restaurant noch die Bar machen Tisch-Reservierungen, so dass man im Zweifel eine halbe Stunde an der Bar „geparkt“ wird, bis etwas frei wird. Aber auch das war kein Beinbruch:

Neben den üblichen Bargetränken gibt es ca. 100 Single Malt Whiskies und wir haben uns nur zu gerne die Zeit mit „Whisky-Spotting“ und Flaschenzählen vertrieben... ;-) So dass auch einfach ein Besuch auf ein Dram – ohne Essen – auf jeden Fall lohnend ist.

Neben den üblichen Duty Free Malts gibt es eine große Auswahl an älteren G&M Connaisseurs Choice (Map Label) und nicht ganz so gängigen Destillerie Abfüllungen – es wird also bestimmt nicht langweilig.

Wer in Inverary einen Stop macht und Wert auf eine gute (und auch bezahlbare) Küche legt, der sollte unbedingt im „George“ vorbeischauen. Es liegt direkt am Anfang der Main Street, gleich neben der Kirche im Kreisverkehr.

Slainte

2. Juli 2008

W wie Whisky und Warten...

Wer erinnert sich noch an die alte Werbung von Jack Daniels, wo die Arbeiter in Tennessee vor dem Lager sitzen und Karten spielen während der Whisky in Ruhe reift?

Ich hatte das eigentlich immer als schönes Werbe-Märchen abgetan... Bei der Whisky-School Woche sind wir alle eines besseren belehrt worden: Sicher hat keiner erwartet, dass Whiskyherstellung Refa-technisch prozessoptimiert ist, aber man braucht dann doch noch extrem viel Zeit und Geduld – und zwar schon vor dem Reifen im Fass!

Die Leerlaufzeiten während den einzelnen Schritten sind immens:

Mal wartet man darauf, dass die Gerste treibt
– dann dass sie wieder trocknet
– dann, dass die Maische hochkocht – und wieder reduziert (immerhin auch 3 x)

Während der Destillation wartet man, dass der Alkoholgehalt einen bestimmten Punkt (für den Vorlauf, den Spirit und dann die Feints) erreicht... bis runter auf nur noch 1% Alkohol (hier wird nichts vergeudet).

Und beim Abfüllen, dass der Tankinhalt ausreichend durchmischt – bis man mindestens in 3 Messergebnissen den gleichen Alkoholgehalt misst.

Nach dem Befüllen der Fässer lässt man diese erst noch eine Weile ruhen und wartet, ob sie eventuell irgendwo undicht sind oder es Leckagen gibt


– bevor man sie in die Lager rollt - und das richtig grosse Warten beginnt...


Slainte