26. Juni 2008

Springbank Whisky School - Teil 2

Bei unserem Aufenthalt bei Springbank kehrt allmählich schon fast so etwas wie Arbeitsalltag ein: am ersten Morgen wurden wir noch zu zweit (insgesamt sind wir 6 Teilnehmer) je einem Mitarbeiter und einer bestimmten Aufgabe (Malting, Mashing, Bottling) zugeteilt.

Aber bereits seit dem ersten Nachmittag bewegen wir uns frei im ganzen Betrieb und fühlen uns fast wie richtige Mitarbeiter. Am Arbeitsbeginn um 8 Uhr wird erst einmal geklärt, was an Aufgaben ansteht und dann macht man mit, wo es gerade interessant ist oder eine Hand gebraucht wird.

Das kann wie am Dienstag die Fass-Abfüllung der aktuellen Charge sein und das Einlagern in die verschiedenen Lager oder auch die Flaschenabfüllung des aktuellen Springbank Vintage 1997 – Batch 2 (die „Batch 2“ Streifen werden einzeln von Hand aufgeklebt – dazu wird jede Flasche vom Band genommen - ein Riesenaufwand..!).

Kiln in Betrieb

Am Mittwoch wurde der Kiln angefeuert, und dieses seltene Erlebnis hat sich natürlich keiner entgehen lassen wollen!
Wo sieht man überhaupt einmal mehr von einem Kiln als nur den Kamin und das Ofenloch? oder der Deko Pagode, wie bei den meisten Destillerien.

Zunächst haben wir geholfen, noch die letzten Reste der keimenden Gerste vom Trockenboden und den Transportbändern in den Kiln zu befördern.
Dort haben wir dann 6 Mann (und eine Frau!) stark gut ½ Stunde gebraucht, um den 6t Getreideberg gleichmäßig auf dem Gitterboden zu verteilen, durch den später von unten der Torfrauch ziehen würde.

Die Partie Gerste soll später zu Springbank verarbeitet werden, so dass wir für 6 Stunden das Torffeuer schüren durften, bevor dann konventionell mit heißer Luft aus dem Ölbrenner ca. 24 Stunden weitergetrocknet wird.



Theorie-Stunde am Nachmittag

Am späten Nachmittag gibt der Distillery Manager Stuart Robertson ca. 1stündige Theorie-Erklärungen mit vielen Hintergrunddetails zu den Herstellungsprozessen und Besonderheiten bei Springbank gegenüber anderen Destillerien.

Die Stimmung bei der Belegschaft ist verständlicherweise gedrückt und man fühlt sich zum Teil etwas fehl am Platz... Aber alle sind sehr bemüht, die Stimmung nicht abfärben zu lassen und uns in die Arbeit einzubeziehen. Diese Haltung ist wirklich bemerkenswert angesichts der Unsicherheit bis zur Verkündung am Freitag.

Inzwischen haben wir auch eine interne Ankündigung an die Mitarbeiter gesehen, in der als Gründe für die zeitweilige Schließung
  • "dramatische Steigerungen bei den Rohstoffen – insbesondere Öl und Gerste“
  • „zweifelhafte Verkaufssteigerungen angesichts einer möglichen weltweiten Rezession“
  • „gestiegene Refinanzierungskosten bei den Banken“

genannt werden (sinngemäss übersetzt).

Fortsetzung folgt...

Kommentare:

Mike hat gesagt…

Hi Thomas,
ich hoffe, die nehmen dich mal so richtig ran ;-)

Wenn du schon mal da bist, bring mir doch ein Fläschen mit (wenn es dein Gepäck zu lässt). Vielleicht möchte Springbank ja auch eine Flasche für die (noch) 9.beste Whiskybar in Deutschland sponsorn....;-)

Viel Spaß noch und halte uns auf dem Laufenden.

Viele Grüße nach Campbeltown
Mike vom SAXO

Detlef Sommer hat gesagt…

Hallo Thomas, das hört sich alles nicht sehr positiv an. Von anderen Destillen hört man solche düsteren Prognosen noch nicht.

BeGu[∞] hat gesagt…

Wie toll - ich konnte ja bereits eine Einschätzung bei Bowmore bekommen, die momentan aber nicht produzieren...

Whisky-Igel hat gesagt…

Hallo Detlef,
wir kommen eben von Oban, und die produzieren 48 Wochen im Jahr (5 Tagen á 24h)- das ist für mich ein Zeichen, dass es nicht an der mangelnden nachfrage und den hohen Preisen liegen kann, dass Springbank pausieren muss!

Whisky-Igel hat gesagt…

Hallo Mike,
leider zu spät - wir sind schon in Spean Bridge und haben leider erst jetzt wieder Internetzugang - und ich musste etliche Fässer Whisky bewegen und einiges an Malz schaufeln :-)
Slainte
Thomas

Anonym hat gesagt…

Schöne Fotos! Das muss ein tolles Erlebnis gewesen sein.

Whisky-Igel hat gesagt…

Die Woche bei Springbank war schon etwas Besonderes. Traumhaft war auch, dass die Kamera überall mit dabei sein durfte. wo geht so etwas noch?
Slainte
Whisky-Igel

Robert hat gesagt…

eing ne super sache mit dem mitarbeiten. Aber da es ja alles auf der kippe steht mit der ganzen destillerie ist es für dich natürlich nicht ganz so positiv gewesen. denke mal wenn alle super motiviert sind bekommt soetwas noch einen angenehmeren touch ;-)

Whisky-Igel hat gesagt…

Hallo Robert,
da hast Du wohl Recht, aber immerhin haben wir vom mälzen bis zum Bottling alles machen dürfen (und nach uns gab es diese Möglichkeit leider nicht mehr - vielleicht kommt es ja wieder)
Slainte

Whisky-Igel hat gesagt…

Hallo David,
leider wird es bei kaum noch einer Destillerie angeboten, jedenfalls keiner, die auch nach das Mälzen zu 100% selber macht. Selbst Bruichladdich möchte keine "School" mehr anbieten, da es wohl zu viele Probleme mit den Versicherungen gibt - das ist wirklich schade - für mich wird es immer eine unvergessliche Zeit bleiben!
Slainte

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