30. Juni 2008

Whisky-School - Abschlussprüfung

Nach 5 Tagen Whisky School war es am Freitag soweit: die Prüfung rief. Eigentlich hatte ich gehofft, es sei nur ein Scherz und wir bekommen die Urkunde und die Springbank Sonderabfüllung (mit dem Namen des Teilnehmers) einfach so ausgehändigt...

Nichts da:
es gab einen 3seitigen Fragebogen von Basics über Springbank bis zu Details zum Herstellungsprozess („origin and type of barley used, hours for steeping the mash, variations in kiln time, different alcohol levels“ etc.) - und nicht etwa multiple choice Fragen zum ankreuzen – nein! die wollten doch wirklich Antworten haben! Gut, dass sich meine Frau auf die Prüfung vorbereitet hat und wir uns in der Gruppe beraten durften ;-) - dann konnte nichts mehr schief gehen!

Wir haben die Woche in und hinter den Kulissen von Springbank sehr genossen und viele Einblicke bekommen, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Vieles sieht man jetzt mit ganz anderen Augen: Wenn ich bisher von meinen Fässern Proben bestellt habe, hatte ich mir bis jetzt nie Gedanken gemacht, was für ein Aufwand dahinter steckt.

Besonders leid tut uns, dass einige der Mitarbeiter, die uns auf unserer Exkursion durch Springbank begleitet haben, am Freitag ihren Job verloren haben. Wir drücken ihnen allen die Daumen, dass sie nicht zu lange arbeitslos sein werden. Vielleicht finden sie ja bei Glen Scotia eine neue Aufgabe, die ja noch dieses Jahr ihre Produktion verdoppeln wollen.

Am Freitag gab es auch einen großen Artikel auf der ersten Seite des "Campbeltown Courier", wo es um die Entlassung der Produktionsmannschaft und der 2 Jahre Produktionspause von Springbank ging.

Allerdings bleiben Zweifel bei uns und anderen Whisky-Experten, die wir in Schottland dazu gesprochen haben, dass die genannten Gründe für die Schließung echt sind. Die Zeit wird zeigen, was wirklich dahinter steckt und wann Springbank wieder produziert....

Slainte

26. Juni 2008

Springbank Whisky School - Teil 2

Bei unserem Aufenthalt bei Springbank kehrt allmählich schon fast so etwas wie Arbeitsalltag ein: am ersten Morgen wurden wir noch zu zweit (insgesamt sind wir 6 Teilnehmer) je einem Mitarbeiter und einer bestimmten Aufgabe (Malting, Mashing, Bottling) zugeteilt.

Aber bereits seit dem ersten Nachmittag bewegen wir uns frei im ganzen Betrieb und fühlen uns fast wie richtige Mitarbeiter. Am Arbeitsbeginn um 8 Uhr wird erst einmal geklärt, was an Aufgaben ansteht und dann macht man mit, wo es gerade interessant ist oder eine Hand gebraucht wird.

Das kann wie am Dienstag die Fass-Abfüllung der aktuellen Charge sein und das Einlagern in die verschiedenen Lager oder auch die Flaschenabfüllung des aktuellen Springbank Vintage 1997 – Batch 2 (die „Batch 2“ Streifen werden einzeln von Hand aufgeklebt – dazu wird jede Flasche vom Band genommen - ein Riesenaufwand..!).

Kiln in Betrieb

Am Mittwoch wurde der Kiln angefeuert, und dieses seltene Erlebnis hat sich natürlich keiner entgehen lassen wollen!
Wo sieht man überhaupt einmal mehr von einem Kiln als nur den Kamin und das Ofenloch? oder der Deko Pagode, wie bei den meisten Destillerien.

Zunächst haben wir geholfen, noch die letzten Reste der keimenden Gerste vom Trockenboden und den Transportbändern in den Kiln zu befördern.
Dort haben wir dann 6 Mann (und eine Frau!) stark gut ½ Stunde gebraucht, um den 6t Getreideberg gleichmäßig auf dem Gitterboden zu verteilen, durch den später von unten der Torfrauch ziehen würde.

Die Partie Gerste soll später zu Springbank verarbeitet werden, so dass wir für 6 Stunden das Torffeuer schüren durften, bevor dann konventionell mit heißer Luft aus dem Ölbrenner ca. 24 Stunden weitergetrocknet wird.



Theorie-Stunde am Nachmittag

Am späten Nachmittag gibt der Distillery Manager Stuart Robertson ca. 1stündige Theorie-Erklärungen mit vielen Hintergrunddetails zu den Herstellungsprozessen und Besonderheiten bei Springbank gegenüber anderen Destillerien.

Die Stimmung bei der Belegschaft ist verständlicherweise gedrückt und man fühlt sich zum Teil etwas fehl am Platz... Aber alle sind sehr bemüht, die Stimmung nicht abfärben zu lassen und uns in die Arbeit einzubeziehen. Diese Haltung ist wirklich bemerkenswert angesichts der Unsicherheit bis zur Verkündung am Freitag.

Inzwischen haben wir auch eine interne Ankündigung an die Mitarbeiter gesehen, in der als Gründe für die zeitweilige Schließung
  • "dramatische Steigerungen bei den Rohstoffen – insbesondere Öl und Gerste“
  • „zweifelhafte Verkaufssteigerungen angesichts einer möglichen weltweiten Rezession“
  • „gestiegene Refinanzierungskosten bei den Banken“

genannt werden (sinngemäss übersetzt).

Fortsetzung folgt...

23. Juni 2008

Springbank - Schock am frühen Morgen!

An unserem ersten Springbank Whisky School Tag (der mit 08:00 für Urlaub eindeutig zu früh begann :-o ), wurden wir vom Director of Production Frank McHardy mit einer Hiobsbotschaft empfangen:


Nach unserer Woche Whisky School wird die Produktion von Springbank für 2 Jahre geschlossen.

Eine kleine Ausnahme gibt es noch im Oktober, wo die bereits angekündigten 4 Wochen Whisky School noch durchgeführt werden. Danach soll bis mindestens Ende 2010 die Produktion ruhen.

Er versicherte, dass die Lager gut gefüllt sind und der Verkauf normal weiter laufen wird. Das tröstet die Belegschaft der Produktion aber eher wenig, die verständlicherweise unruhig waren, weil sie erst diesen Freitag erfahren sollen, wie es im einzelnen mit ihnen weitergeht.

Verständlich, dass wir uns als fröhlich-neugierige „Schulanfänger“ erst einmal einigermaßen unwohl gefühlt haben... Aber die Mitarbeiter haben uns trotz aller Sorgen sehr nett aufgenommen und gleich voll in den Betrieb einbezogen. Es ist schon wirklich besonders, Teil des laufenden Destillerie-Betriebs zu sein und nicht einfach bei einer Führung zuzusehen.

Erst gab es einen Rundgang bis in die hintersten Winkel der ganzen Anlage - mit besonderer Berücksichtigung der Notausgänge und Sicherheitsaspekte. Nachdem wir alle unterschrieben hatten, dass wir über die Sicherheitsbestimmungen informiert wurden, ging es in Zweiergruppen an die Arbeit: am ersten Tag standen Malting, Bottling und Mashing auf dem Programm.

Und man erlebt so manche muskelkater-taugliche Überraschung dabei: z.B. ist das Wenden der Gerste auf dem Malting-Floor schwerer als es auf den ersten Blick erscheint.

...und Hogsheads auf einer Rampe so hinzujonglieren, dass das Abfüllloch genau nach unten zeigt, muss auch erst einmal geübt werden.

Jedenfalls war das Leeren von ca. 30 Fassern für einen Longrow CV ein besonderes Erlebnis und wir waren nach dem ersten Tag alle einigermaßen geschafft.

Morgen soll es mit der Abfüllung der neuesten Produktion weitergehen (vor der Abfüllhalle stehen auch einige leere 500 l Butts – ich bin gespannt, wie man die manövriert...!) und für Mittwoch ist Kilning geplant, also knietief Malz schaufeln und das Torffeuer schüren.

Leider hat unser B&B keinen Internetzugang und ich muss sehen, wann ich in der städtischen Bibliothek oder auch mal beim Distillery-Manager ins Web komme, so dass ich nicht weiß, wann ich das nächste Update bringen kann.

Fortsetzung folgt....

Slainte


19. Juni 2008

Whisky für Kalorienbewusste

Whisky heißt ja auch "Wasser des Lebens" und bis auf die Promille hatte ich mir bisher bei einem guten Dram keine weiteren Gedanken um meine Gesundheit gemacht. Aber Mr. Mallya von der United Brewery Group ist seit seinem Einstieg im schottischen Whisky-Business ja schon immer für Überraschungen gut:

Kalorienreduzierter Whisky ist sein neuester Coup nach dem Vorschlag, Single Malts als aromatisiertes Mixgetränk auf den Markt zu bringen.

Laut einem Bericht in einem indischen News Portal hat die UB Group bereits in den USA das Verfahren patentieren lassen, mit dem man Diät Whisky und Vodka herstellen kann. Basis soll einen indische Frucht sein, die auf den Stoffwechsel einwirkt. Ich sehe zwar noch nicht, wo da wirklich Whisky und nicht Obstler entsteht - aber es bleibt jedenfalls spannend mit den Indern. :-)

Mal schauen, wann der Diät Whisky kommt - den einen oder anderen "Zero" oder "Light"-Trinker wird es bestimmt geben...

Slainte

Ab in die Schule: Springbank Whisky-School

Es ist soweit: bei Springbank hat das neue „Schuljahr“ begonnen. Seit 2. Juni laufen wieder die einwöchigen Whisky-Kurse, bei denen man vom Mälzen der Gerste bis hin zur Whisky-Abfüllung vom Produktionsleiter Frank McHardy genau in alle Arbeitsschritte eingeführt wird und selbst bei der Whiskyherstellung mithelfen kann.

Ab 23. Juni bin auch ich dabei und freue mich schon sehr auf die Einblicke und „handfesten“ Erfahrungen, und natürlich auch auf Tasting-Gelegenheiten von einigen selteneren Tropfen.

Einzig, dass es am Ende der Woche ein „Examen“ geben soll, beunruhigt mich noch etwas - aber ich rechne fest damit, dass mich meine Frau im Notfall abschreiben lässt... ;-)


Wenn es der „Arbeitsalltag“ und die Internet-Verbindung zulassen, wollen wir auf jeden Fall hier regelmäßig über unsere Erfahrungen bei Springbank berichten.

Fortsetzung folgt...

Slainte

17. Juni 2008

"Highlander" Woche - Piz Umbrail - die Vorbereitung

Während der „Highlander“ Woche von „the Smallest Whisky Bar on arth“ am 9. August lädt Detlef Sommer zum Tasting auf den 3.033m hohen Piz Umbrail.

Da Dreitausender sonst eher nicht zu meinem Sonntagsspaziergang gehören, dachte ich, es wäre nicht verkehrt, wenn ich vorher mal die Gegend erkunde und dabei schon mal den Veranstalter persönlich kennenlerne.

Gesagt, getan: letzten Samstag haben wir uns bei einem Whiskyseminar in Samedan bei St. Moritz getroffen.


Das Tasting fand in der Partner-Bar der Smallest Whisky Bar on earth, im Hotel "Palazzo Mysanus“ statt, einem mit Liebe und Gefühl renovierten Haus aus dem 17. Jahrhundert.

Wir waren begeistert von der Mischung aus urigen Gewölben und modernem Komfort
– nicht umsonst zählt es zu den "Historic Hotels of Europe". Bei der Hausherrin Monika und ihrem freundlichen Team haben wir uns sehr wohl gefühlt und werden hier bestimmt wieder einmal Halt machen.

Nach dem netten Empfang habe ich jetzt auch keine Scheu mehr vor dem Berg (und es soll auch eine Kurzroute geben...) :-)

Slainte

13. Juni 2008

Lieblings-Whisky im Wandel der Jahreszeiten

Geschmäcker sind bekanntlich ja verschieden - und manchmal verändern sie sich auch...

So haben sich auch meine Whisky-Präferenzen im Lauf der Zeit gewandelt - von fruchtig über torfig-rauchig zu .... was weiss ich wohin noch... :-)

Überhaupt hängt es immer sehr stark von der jeweiligen Stimmung und Gelegenheit ab, was denn wirklich den Weg in mein Glas findet. Und vielleicht hat es auch ein wenig mit den Jahreszeiten und dem Wetter zu tun.

Jedenfalls ist mein bisheriger Lieblingswhisky (Springbank 21J. Originalabfüllung) im Regal etwas weiter nach hinten gerückt und hat einem Bowmore Claret (dem echten!) Platz gemacht. Das kann auch daran liegen, dass der Sommer irgendwie noch nicht so richtig eingezogen ist.
Tasting Notes
Bowmore Claret

Farbe: ein kräftiger Rotstich vom Bordeaux-Fass
Aroma: eine angenehme Rauchigkeit (Räucherspeck) + Seeluft
Geschmack: Reichhaltig, fruchtig, leicht rauchig
Früchte, Nüsse (Mandeln), Vanille
Nachklang: Toffeeartig, Eichentöne, rauchig, lang

Slainte

12. Juni 2008

Diageo geht mit seinen Single Malts nach Indien

Was der Whisky-Experte Prof. Schobert (und ich) schon seit längerem kommen sahen - jetzt kann man es schwarz auf weiss in „Hospitalitybizindia“ nachlesen:

Diageo will mit seinem Single Malt Whisky Portfolio verstärkt auf den Markt in Indien einsteigen – neben dem großen Blend „Johnnie Walker“ wird es in Indien jetzt malzig.

Wenn ein Großkonzern einen neuen „Giga-Markt“ betritt, dann bestimmt nicht, um nur ein paar vereinzelte Flaschen ihrer Premium-Whiskies zu verkaufen. Die Verknappung bestimmter Abfüllungen in Europa geht also weiter. Ist das jetzt der Anfang vom Ende einiger Marken im europäischen Markt - oder nur der Anfang weiterer Preissteigerungen?

Slainte

7. Juni 2008

Happy birthday, Whisky-Blog!

Vor etwas über einem Jahr habe ich angefangen, in diesem Blog über Whisky-Themen im allgemeinen, Bars, Malt-Sammlungen und meine Tasting-Notes zu berichten.

Ursprünglich wollte ich ja nur einen Newsletter mit allgemeinen Neuigkeiten zusätzlich zu meiner Whisky-Website machen... Aber irgendwie hat mich die Idee, ein weiteres „offizielles“ Dokument zu verfassen, nicht wirklich begeistert. Ich wollte flexibler auf aktuelle Themen eingehen und interaktiver sein können.

Meine Frau hat mich dann darauf gebracht, es doch mit einem Blog zu versuchen - aber erst die wirklich einfache Handhabung („wie E-Mail schreiben“) und direkte Feedback-Möglichkeit hat mich überzeugt.

Inzwischen erreiche ich mit „Home of Whisky“ deutlich mehr Whisky-Liebhaber als über einen Newsletter-Verteiler, überschwemme niemandem die Mailbox und bekomme direkte Rückmeldungen von Lesern und Querverweisen aus anderen Blogs.

Die Leserzahl hat sich stabil bei knapp 800 Besuchern und 1200 Seitenaufrufen im Monat eingependelt, was ich bei so einem speziellen Thema als recht hoch betrachte. Offensichtlich gibt es auch schon einige Stammleser, die die neuesten Nachrichten per “Abonnement“ im Auge behalten, was mich natürlich besonders freut.

Die gelegentlichen Umfragen habe ich genutzt, um zu verstehen, welche Themen Sie als Leser interessieren könnten, und weitere Hinweise kommen aus der Statistik-Auswertung:

Berichte mit der höchsten Klick-Zahl waren unter anderem:

Bei unserer anstehenden Whisky-Reise will ich versuchen, den Blog in seiner ursprünglichen Idee als „Logbuch“ zu verwenden und über die Erlebnisse in Schottland und bei den Destillerien berichten. Ich bin gespannt, wie das wird...

Slainte