24. März 2008

Whisky aus dem Schweizer Fricktal – Whisky Castle -

Nachrichten zu immer neuen Whisky-Destillerien in sonst eher nicht für Whisky bekannten Ländern (Deutschland, Tschechien, Frankreich...) sind allmählich schon nichts besonderes mehr.


Aber wenn eine Schweizer Destillerie in direkter Nachbarschaft liegt und ihre ersten 3jährigen aus der Reifung kommen, wird man ja schon neugierig :-). So habe ich vor einiger Zeit einen Abstecher ins Fricktal, nach Elfingen gemacht.


Bis 1999 war es in der Schweiz verboten aus Getreide (hochprozentigen) Alkohol herzustellen; nur die Produktion von Bier und Obstbränden war erlaubt. Inzwischen gibt schon mehrere Hersteller von „Schweizer“ Whisky (Bader Ernst Brennerei, Bieri Edi Brennerei, Z'Graggen Tony Schaubrennerei, Rugenbräu Rugenbräu Emmental, Humbel Lorenz Humbel Spezialitäten, Zürcher Heinz, ...)
Meistens werden hierfür die sonst für Obstbrände verwendeten Brennblasen verwendet.

Eine "richtige" Whiskybrennerei mit Potstill und Mälzerei kommt allerdings nur beim „Whisky Castle" in Elfingen, Fricktal, Schweiz (Käsers Schloss) zum Einsatz. Herr Käser ist schon seit vielen Jahren durch seine Obstbrände bekannt und hat sich aber nicht gescheut, neben seinen Obstbrennblasen eine original Whisky Potstill einzubauen.

Vor wenigen Monaten wurden die ersten 3 Jährigen Whiskies vorgestellt, die sich - wie ich finde - wirklich sehen lassen können.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Whisky aus einem Obstbrandbetrieb oder Brauerei (auch die brennen neuerdings gerne „ihren“ Whisky) war ich zunächst etwas skeptisch, da ich sonst den typischen Whiskygeschmack nicht oder nur sehr schwer finden konnte. Aber der Einsatz der "Potstill" beim Brennen macht wohl ganz klar den Unterschied, wie ich feststellen konnte, als ich von Herrn Käser ein Glaus aus Fassnummer 0302 zum probieren bekam:



"Gerstenrauchmalz" in einem fresh oak cask (100l)

Fassnr. 0302, 3 Jahre gereift

Tasting Notes

Farbe: Gold gelb (für 3 Jahre sehr dunkel)
Nase: Vanille, eine fruchtige Süße (Bratapfel), etwas Rauch und Malz (mit etwas Wasser rückt das Malz etwas mehr in den Vordergrund)
Geschmack: malzig, trocken am Gaumen (Eichennoten), gefolgt von Vanille
Abgang: die Vanille und Eichentöne bleiben lange und angenehm am Gaumen

Hätte ich nicht gewusst, dass es ein 3 Jahre alter Schweizer Whisky ist, hätte ich ihn auch gut für einen 12 Jahre alten single cask Speyside Whisky (mit etwas Rauch) halten können.
Ich bin schon gespannt, was in den nächste Jahren die Fässer vom „Whisky Castle“ verlassen wird!

Kommentare:

geniesser hat gesagt…

Hallo Whisky-Igel

Ihren Eindrücken aus dem Besuch des Whisky-Castle kann ich weitgehend zustimmen. Allerdings soll der Vollständigkeit halber erwähnt sein, dass es in der Schweiz (übrigens im selben Kanton) eine weitere und zwar absolut nicht uninteressante Whiskydistillerie mit wunderschönen Pot-Stills gibt!!! Zudem ist diese originelle Brennerei mobil und ab und an an Whiskyevents anzutreffen. Leider sind noch keine Whiskys dieser Distillerie auf dem Markt, doch ich für meinen Teil bin schon mal sehr gespannt, was Herr Lüthy - so heisst der Brenner - aus dem Fass zaubert. Die tollste Sache finde ich, dass für seine Whiskys nur Schweizer Braugerste!!! verwendet wird, was im Moment noch einmalig in der Schweiz ist (habe mit ihm am Whiskyschiff Luzern ein äusserst interessantes Gespräch geführt). Doch warten wir mal ab, bis sein erster Whisky Ende 2008 auf den Markt kommt. Hier noch der Link www.swiss-single-malt.ch

Gruss aus der Schweiz
Mathias B.

Whisky-Igel hat gesagt…

Hallo Mathias,
vielen Dank für den Hinweis - und schon gibt es etwas zu besuchen.
Schliesslich lernt man nie aus und jeder Hinweis ist willkommen.
Viele Grüße in die Schweiz
Thomas

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