30. März 2008

Der Cardhu Skandal - kein Ende

Die Brennerei Cardhu (vom Spirituosenkonzern Diageo) macht seit längerem in einem Streit über die Namensgebung von Whisky (BBC News - in Englisch) Schlagzeilen.

Es fing damit an, dass der Cardhu im Jahr 2003 nicht mehr als „Single Malt Whisky“ sondern als „Pure Scotch Whisky“ bezeichnet wurde: d.h., es kam auch Whisky aus anderen Destillerien in die Flasche, auf der aber der bekannte Name der Cardhu Destillerie geschrieben stand. Viele Whisky-Liebhaber fanden, dass man sich dann auch gleich einen Vatted Malt kaufen kann.

Dann stellte sich auch noch heraus, dass im Cardhu tatsächlich kaum noch Whisky aus der namengebenden Destillerie enthalten war – was die SWA (Scotch Whisky Association) als effektive Irreführung der Kunden wertete.

Grund für diese Aktion war die zu große Nachfrage nach Cardhu, die vom Konzern nicht mehr mit den Ressourcen der Destillerie befriedigt werden konnte – also wurde die Produktion mit Hilfe anderer Destillerien aufgestockt.

Diageo nahm damals die Pure Malt Flaschen aus dem EU-Markt und entschuldigte sich bei der SWA (wo sie zur Zeit den Vorsitzenden stellen) und wird den Cardhu in Zukunft wieder als echten „Single Malt Scotch Whisky“ vermarkten.

Vom "Pure Malt" zum "Blended Malt Whisky"

Die wachsende Nachfrage ist aber weiter vorhanden und kann trotz Kapazitätserweiterungen bei anderen Destillerien in nächster Zeit kaum noch gedeckt werden...

Die Scotch Whisky Association hat nach der Cardhu-Affäre einen Vorschlag für eine neue Whisky-Kategorie "Blended Malt Whisky" eingereicht, die den Kunden Klarheit geben soll - aber von vielen kleineren Destillerien und Abfüllern als Fehler gewertet wird. (Siehe Artikel im "Scotsman")

Damit bliebe es Malt Whisky, wenn auch nicht "Single". Andererseits wird der Begriff "Blend" gemeinhin mit "Massenprodukt" gleichgesetzt.

Da auch beim Blended Malt Whisky weiterhin der Name einer Destillerie auf dem Etikett stehen darf - auch wenn nur ein kleiner Anteil in der Flasche daher stammt - fürchten kleinere Destillerien und unabhängige Abfüller, dass die Konsumenten verunsichert werden, was sie da eigentlich trinken.

Sicher sind blended Whiskies wie Johnnie Walker nicht schlecht, für Liebhaber von Charakter-Malts aber eine ganz andere Liga. Mit der "Blended Malt" Zwischenstufe würde ein weiteres Stück der Individualität der schottischen Whisky-Kunst verwässert.

Einige Whisky-Kenner befürchten bereits eine Entwicklung wie beim Cognac - wo es aufgrund der Konsolidierung der Hersteller zum Image-Verlust bei den hochwertigen Cognacs kam.

Beim Scotch Whisky könnte es aber auch zu einem rasanten Preisanstieg bei den verbleibenden echten Single Malt Herstellern und Einzelfassabfüllungen kommen....

Es bleibt spannend.
Slainte

Kommentare:

dethus hat gesagt…

John Glaser von "Compass Box" hat in diesem Zusammenhang eine Petition zum Mitmachen im Internet veröffentlicht - unter
http://www.ipetitions.com/petition/no_to_blended_malt_Scotch_whisky/
kann jeder, der sich gegen diesen Vorschlag der SWA äussern möchte, dort dagegen stimmen. Stand heute haben sich über 800 Liebhaber, Händler und Abfüller eingetragen.
Wer sich einträgt, bitte nicht wundern - nach der ersten Seite wird man auf eine Spendenseite navigiert, diese hat jedoch nichts mit der speziellen Petition zu tun, sondern damit finanziert sich die Plattform. Die Stimme wird auch ohne Spende angenommen.
Man kann nur hoffen, dass die SWA die kritischen Punkte nochmals sehr genau prüft, bevor die "Scotch Whisky Regulation 2008" als Nachfolger des "Scotch Whisky Act 1988" veröffentlicht wird.

Whisky-Igel hat gesagt…

Ich habe schon unterzeichnet!
Slainte

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