24. Dezember 2008

Mein Weihnachtswhisky 2008 ist ein Jura

Zu Weihnachten eine besondere Flasche Single Malt aufzumachen, ist nicht nur für mich eine schöne Tradition. So habe ich schon eine Weile überlegt, welcher Whisky es diesmal werden sollte...

Zum Glück habe ich ihn gerade noch rechtzeitig im Regal wiederentdeckt, nachdem ich ihn bei einer Präsentation in Moskau schon als Fassprobe probiert hatte:

Der ideale Weihnachtsmalt

(sagt jedenfalls meine Nase)

Jura von 1992
2007 abgefüllt von James MacArthur
Cask No. 1934, Bourbon Barrel, 53,9%vol.

Farbe: Gold
Blume: Vanille (Marzipan), englische Orangenmarmelade, frisches Heu
Geschmack: fruchtig (noch immer etwas Orange), Toffee und deutlich Heidekräuter
Abgang: Süßes Malz, lang und am Ende etwas trockener werdend

Welcher Whisky wird Euch Weihnachten begleiten?

Slainte und frohes Fest!

Thomas

19. Dezember 2008

Springbank – Fass-Triologie

1998 wurden innerhalb von 3 Monaten bei Springbank 3 total unterschiedliche Fässer (Rum, Sherry und Port) abgefüllt. Besser kann man die Auswirkung der Fässer bei der Reifung des Whisky kaum ausprobieren - und es handelte sich hierbei nicht um ein Finish, sondern eine echte Reifung!
3 Gläser, 3 total unterschiedliche Geschmacksrichtungen.


Tasting Notes:

Springbank (TWC) 1998-2008, 9 Jahre Rum Cask, 57,7%vol.

Region: Campbeltown

Farbe: helles Gold (kräftiger Weißwein)

Nase: leichter Rauch, süße Birne und Malzbonbon

Geschmack: trocken salzig, Birne (Williams) mit einem Hauch Torf

Abgang: lang mit viel Frucht (Kernobst) – die Salzigkeit geht und eine angenehme Süße bleibt am Gaumen


Springbank (TWC) 1998-2008, 10 Jahre Sherry, 53,5%vol.

Region: Campbeltown

Farbe: Gold

Nase: Rauch, Rosine, Medium-Sherry

Geschmack: Feigen und Rosine mit einer leichten Süße

Abgang: lang mit einer angenehmen nicht aufdringlichen Süße. Ein Hauch Phenol am Ende


Springbank (TWC) 1998-2008, 10 Jahre Port Cask, 57,4%vol.

Region: Campbeltown

Farbe: dunkles Rot-Gold / Bronze

Nase: Heidekraut, Salbei und süße Trauben

Geschmack: leicht salzig, eine Spur Torf, Birne und etwas Eiche am Gaumen

Abgang: lang, zuerst süß und hinten etwas trockener werdend


Aber da ja bekanntlich Geschmack nicht Geschmack ist, hilft da nur - selber ausprobieren

Slainte

edit: Layout und ein paar Tippfehler - die Vorweihnachtshektik ist auch an mir nicht spurlos vorbei gegangen...

9. Dezember 2008

Whyte & Mackay Whiskies jetzt in Indien abgefüllt?

Der indische Spirituosen Konzern „United Spirits Ltd.“, der Mitte 2007 den schottischen Whisky-Konzern Whyte & Mackay übernommen hat, will diese Whiskies jetzt als eigene Marke in Indien abfüllen, um Zoll zu sparen.

Im ersten Schritt will man mit einer Dalmore Abfüllung starten und dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann auch Abfüllungen der Destillerien Jura und Fettercairn folgen werden.

Das ist insofern bemerkenswert, als sich United Spirits in der Vergangenheit auf Blended Whisky konzentrierte, um auf dem indischen Markt mit Diageo und Seagrams mithalten zu können. Jetzt will man also auch im Premium-Segment einsteigen und in 2 Jahren in Indien 20% Marktanteil bei Single Malt Whiskies erzielen.

Es sieht aus, als ob sich der schon früher beschriebene Ausverkauf von Single Malts in Richtung der neuen Märkte und zu Lasten der kaum noch wachsenden europäischen Märkte beschleunigt.

Wenn wie erwartet auch in China noch die Vorliebe für das Wasser des Lebens weiter wächst, kann es in 2-3 Jahren für hochwertige Single Malts bei uns noch knapper (und teurer) werden.

Slainte



Quelle: The Wall Street Journal

2. Dezember 2008

Chateaux de Whisky

„Bruichladdich-Experimental“
Die kleine Destillerie auf Islay ist schon lange für alle möglichen Fassexperimente bekannt und wird vielleicht bald auch „Chateaux“ Whiskies kreieren. So wie jede Destillerie ihren Whisky mit seinem für sie typischen Geschmack produziert (oder versucht immer wieder zu vatten), so hat jede Weinlage und jedes Chateau seinen spezifischen Noten.

Bruichladdich hatte für seine „First Growth Serie“ mit Eichenfässern aus dem Bordelais und ihren Gran Crus gearbeitet. Die Region ist dafür bekannt, mit ausgezeichneter Eiche zu arbeiten und dieser Charakter soll auch in den Whiskyabfüllungen wiederzufinden sein. Da das Fass einen gewaltigen Einfluss auf den Whiskygeschmack hat, ist das auch sehr gut vorstellbar.

Aber warum experimentiert man jetzt immer mehr mit Weinfässern?

Die Nachfrage nach den Bourbon Fässern steigt ständig und es wird auch gemunkelt, dass es eine Revision des US Gesetzes zur einmaligen Benutzung der Fässer für die Bourbonproduktion geben könnte.

Worin soll dann unser Whisky reifen?
McEwan wird die Lösung finden :-)

Slainte

22. November 2008

Sexy Whisky

Machen erotische Bilder einen 30 Jahre alten Macallan sexy?
Die Idee ist schon interessant und jeder weiß „sex sells“:

Aber rechtfertigen ein nettes Foto einer mehr oder weniger bekleideten Frau auf dem Label einen Preisaufschlag von immerhin ca. 300% ?!
Klar, das Foto ist vom Foto Profi Mr. Rankin und man bekommt das dazugehörige Polaroid in einer Geschenkbox dazu. Aber ich finde den ausgeschriebenen Preis von 1.300 USD pro Flasche dann doch etwas happig (zumal man den Macallen 30 Jahre, Fine Oak“  sonst für immerhin ca. 380,00 € bekommt)...

Und das ist erst der Anfang einer neuen Sammleredition ‘Masters of Photography’. Die eigene Website zum Projekt ist jedenfalls sehenswert, mit einem "making of" Video und Bildergalerie mit 1000 Bildern, sowie Registrierungsmöglichkeit für das eigene Sammlerstück. 

Ich bin gespannt, was da noch kommt, aber bevor ich jetzt anfange Polaroid Bilder zu sammeln, investiere ich das Geld lieber in gut trinkbare Whiskies - gerne in Gesellschaft echter Frauen :-)

Slainte

21. November 2008

Springbank legt 2009 wieder los

Aus zuverlässiger Quelle habe ich erfahren, dass nach den aktuellen 50 t "Local Barley", die noch dieses Jahr gemälzt werden, gleich in 2009 weitere 150 t Gerste folgen sollen.

Mit den 200 Tonnen kann Springbank dann 2009 immerhin 80.000 Liter Spirit herstellen: diese werden zwar höchstwahrscheinlich auf die 4 Brands Springbank, Longrow, Hazelburn und Glengyle aufgeteilt werden, bedeuten aber immerhin für einige Monate Arbeit in der Destilerie.

Drücken wir die Daumen, dass Springbank entgegen seiner Ankündigung vom Sommer 2008 doch keine 2jährige Produktionspause einlegt und wir auch in 10 Jahren noch unseren „Vintage“ kaufen können.

Slainte

18. November 2008

Zigarren Whisky oder Whisky Zigarre?

Verschmelzung aus Glenfarclas & Zigarre - und das nicht erst beim Rauchen! Wie ist das möglich?

Die "Cigar Company" lässt die „Vasco da Gama Whisky Cigar“ während ihrer Lagerung einen 12 Jahre alten Glenfarclas Single Malt Scotch Whisky atmen, um der Zigarre eine besondere Note zu geben.

Ich habe einige Jahre bei einem deutschen Tabakanbauer gewohnt und erlebt wie Tabak trocknet. Ich kann mir den Trocknunngsprozeß mit dem Whisky zwar nicht ganz so gut vorstellen, aber man lernt ja gerne immer wieder etwas Neues hinzu.  Vielleicht wird ja auch einfach der Humidor mit dem Whisky befeuchtet...?
 
Die Zigarre soll schon im Handel sein – da werde ich doch mal einen Selbstversuch durchführen und weiter berichten. Ich bin gespannt, ob man Sherry und Malznoten auch in der Zigarre wiederfindet.

Slainte & good smoke

16. November 2008

Port Ellen versunken - im Malz

Nach dem Kollaps eines Getreidesilos sind die Port Ellen Maltings auf Islay in mehreren hundert Tonnen Gerste versunken.
Am Freitagmorgen war das Silo plötzlich unerwartet in sich zusammengefallen. 
Zum Glück hat es keine Verletzen gegeben und die umliegenden Häuser wurden vorsorglich evakuiert. Auch der 2. Silo wurde inzwischen geleert, da er ebenfalls angeschlagen scheint. 
Siehe laufende Updates und Fotos auf dem Islayblog.

Gründe für den Einsturz sind noch nicht bekannt und Diageo hat erklärt, dass es keine Auswirkung auf die Produktion haben soll. Aber was sollen sie auch anderes sagen?

Erst gab es im Sommer auf Islay nicht genug Wasser und jetzt im Winter wird das Malz knapp. Was bedeutet das für die Kapazitätserweiterung bei Caol Ila? Woher wird das Malz jetzt kommen? Islay kommt 2008 nicht zur Ruhe.

Hoffen wir auf ein besseres Islay-Jahr 2009
Slainte

12. November 2008

Whisky Bar Tipp in Aschaffenburg: das "Dead End"

Dead End – aber Whisky sei dank, doch keine Sackgasse in Aschaffenburg!

Auf der Suche nach einem netten Ort für einen gepflegten Single Malt Whisky in Aschaffenburg wurde mir von einem guten Freund das „Dead End“ empfohlen – aber Achtung, man sollte sich auf der Karte vorher genau anschauen, wo es liegt und wie man hinkommt, denn es liegt, wie sollte es anders sein, in einer Sackgasse.

Die noch recht neue Bar wird von einem jungen und engagierten Whiskyfreund geleitet, der sich bei unserem Besuch richtig ins Zeug gelegt hat:

Wir waren nach der Whisky Pur zu viert auf einen Absacker bei ihm eingefallen (als Aussteller bleibt man Gerüchten zum Trotz nämlich ziemlich auf dem Trockenen...) und hatten nach ein paar außergewöhnlichen Whiskies gefragt "bitte keine Standards“ ;-))
... und er hatte doch tatsächlich ein paar interessante Whiskies von unabhängigen Abfüllern zur Hand.

Und wenn dann noch der kleine Hunger kommt, gibt es als Spezialität des Hauses Haggisbrötchen ! – was passt besser zu einem Whisky?

Slainte
Dank an Jörg vom Whiskyfanblog für den Tipp!

6. November 2008

Wertvoller Whisky und ein gutes Essen als Wege durch die „Krise"

Whiskyraritäten als Investment-Alternative lagen bei meiner letzten Umfrage mit 56%  klar vorn. 

Das wundert im Zusammenhang mit meinem Blog-Thema nicht wirklich, aber dass gleich darauf mit immerhin 1/3 der Teilnehmer für gutes Essen und Trinken stimmen, freut mich schon sehr. 
Auch Genuss ist schliesslich eine Form von Investition: in unser Wohlbefinden :-) 

Ich hatte das Thema ja schon öfter, und nicht zuletzt Professor Schobert hat Whisky als steuergünstige Anlage empfohlen. In Anbetracht der Finanzkrise gab es in letzter Zeit ein regelrechtes Informationsfeuerwerk zu Whisky-Investments: 

The whisky investor z.B. hat die Anlagealternative "Flüssiges Gold“ einmal direkt gegen Hedge Funds und Konsorten antreten lassen - mit beachtlichem Ergebnis.

Eine andere interessante Plattform scheint der "world whisky index", eine Art Börse für Whiskies, zu sein - obwohl ich hier erst noch etwas einsteigen müsste, um das Prinzip wirklich zu durchschauen. Der Unterschied zu e-Bay ist mir da nicht auf Anhieb klar geworden bzw. ob es hier tatsächlich "Transaktionen" gibt.

Das Thema Anlage in Whiskyfässer hat gleich nach traditionellen Festgeldanlagen immerhin noch 21% der Stimmen bekommen. 

Das ist jetzt nicht ganz so risikolos wie Festgeld oder die Alternative vom Whisky-Investor, wo nur Flaschen im Anlageportfolio sind. Aber dafür kommt hier noch die Spannung und Vorfreude dazu und die Tatsache, etwas wirklich besonderes zu haben - ganz zu schweigen von den regelmäßigen "Fass-Besuchen"...

Klares Fazit für mich: ich muss mit dem sammeln und investieren in guten Whisky einfach weiter machen - und dabei den Genuss beim Trinken der Schätze nicht vergessen.

Slainte

19. Oktober 2008

“Prohibitions”–Whisky gefunden

Eine alte und auf an die 100 Jahre geschätzte Flasche „Old Pot Still Scotch Viking“ (Glencadam) soll am 12. November bei Bonhams in Edinburgh unter den Hammer kommen.

Es wird vermutet, dass die Flasche während der Probitionszeit in Amerika (1920 - 33) hinter einem Wandverschlag versteckt wurde. Jedenfalls ist sie erst in den 50ern bei Umbauarbeiten hinter einer Wand gefunden worden und fristet ihr Dasein bis jetzt bei einem schwedischen Sammler.

Wenn jemand bei der Auktion mitbieten möchte, sollte er/sie sich schon einmal auf einen Preis von 3-5.000£ einstellen und etwas Geld zurücklegen.

Viel Erfolg und Slainte

17. Oktober 2008

Krise – jetzt in Whisky investieren?

Finanzkrise: die Schlagzeilen in den Medien nehmen einfach kein Ende. Gewaltige staatliche Hilfsaktionen verpuffen an der Börse nach wenigen Tagen wieder.

Wo kann man dann sein Geld in nächster Zeit anlegen? Sicherheit ist dabei ein wichtiges Stichwort. Wie sicher wäre z.B. eine Anlage in Whisky? in seltene Flaschen oder ein eigenes Fass?

Ich selbst bin jedenfalls guter Dinge, was meine Whiskybestände und besonders die noch reifenden Fässer angeht. Die haben jedenfalls in den letzten 4 Wochen keine 20% verloren wie mein Aktiendepot...

Wenn es wie vor 80 Jahren zu einer Weltwirtschaftskrise kommen sollte, wird wohl nichts mehr so richtig sicher sein. Aber bei Whisky habe ich zur Not wenigstens noch ein gewisses „Trostpotential“ ;-).

Das wäre doch mal wieder ein schönes Thema für eine Umfrage:

Wo legen Sie in diesen Zeiten Ihr Geld an?

  • in einer leeren Whisky-Röhre

  • bei meiner Hausbank

  • in Aktien (die sind gerade günstig)

  • in alle Kisten Ardbeg / Springbank / ... , die ich kriegen kann

  • in ein Fass Bruichladdich

  • gar nicht: ich gebe es aus und tue etwas für die Wirtschaft

  • ...

Ich bin gespannt, welche Anlageform unter den aktuellen Bedingungen das Rennen machen wird.

Slainte

11. Oktober 2008

Diageo erfindet die Whisky Regionen neu?

Grenzlinien auf Karten wurden von jeher durch die Reichen und Mächtigen gezogen - im schottischen Whisky-Geschäft scheint hier Diageo das Zepter an sich nehmen zu wollen, oder wie soll ich diese neu definierten Whisky-Regionen verstehen:

Da gibt es jetzt auch „Coastal East & West“ Whisky und „Skye“ Whisky – man lernt eben nie aus (Danke an Tastewhiskey für den Hinweis!).
Bis jetzt kannte ich eigentlich nur 6 Regionen (wobei schon die 6.= Campbelton etwas umstritten ist): Lowlands, Highlands, Speyside, Islands, Campbeltown und Islay.

Diageo hat jetzt also 7 Regionen und wenn sie vielleicht einmal Springbank kaufen sollten, wird bestimmt auch Campbeltown als 8. Region hinzukommen.

Eine Karte ist zu finden unter: http://www.diageo.de/pdf/veroeffentlichungen/purespirits.pdf - Seite 8.  

Ich werde auf jeden fall die SWA im Auge behalten – Diskussionen zur Neudefinition der Regionen gab es ja schon. Vielleicht habe ich dort auch nur etwas verpasst...?

Bis dahin - Slainte

9. Oktober 2008

Diageo geht unter die Whiskysammler

Eine der größten privaten Whiskysammlungen ist zurück nach Schottland gekommen:

         3.384 Flaschen Whisky,

die der brasilianische Sammler und Whisky-Enthusiast Claive Vidiz im Lauf von 35 Jahren zusammengetragen hat. 

Der Spirituosenkonzern Diageo hat die Sammlung aufgekauft und will sie ab nächstem Jahr in der “Scotch Whisky Experience”, einer neuen 5* Touristen-Attraktion auf der Royal Mile in Edinburgh, ausstellen.

Das ist dann noch ein Grund, mal wieder in Edinburgh vorbeizuschauen (nicht, dass ich den normalerweise bräuchte...J).

Leider wurde über den Kaufpreis noch nichts bekannt – schade, das wäre noch spannend zu wissen.


Slainte

1. Oktober 2008

Whisky richtig lagern

Prinzipiell verändert sich Whisky eigentlich nicht mehr, wenn er erst einmal in Flaschen abgefüllt und verschlossen gelagert wird. Kritisch wird es erst, wenn die Flasche über längere Zeit offen steht oder der Verschluss undicht wird.

Wie man dem am besten begegnet, wird aktuell im „Maltadvocate“ Blog von John Hansell heiss diskutiert, und die Ansichten und Lösungsideen sind recht unterschiedlich:

Bei einigen Grundregeln, wie z.B. dass die Flaschen aufrecht stehend, möglichst ohne direktes Licht und Temperaturschwankungen gelagert werden sollten, ist man sich noch einig. Aber bei der Behandlung von geöffneten Flaschen, wo der Füllstand dem Ende zugeht, gehen die Ideen, wie man den Oxidationsvorgang durch den zunehmenden Sauerstoffgehalt in der Flasche einschränken kann, schon recht auseinander:
  • Austrinken (z.B. ab 1/3 Füllstand) als naheliegende Lösung bietet sich immer an :-)

  • Umfüllen in kleinere Flaschen - wobei jedoch die Sauerstoffzufuhr beim Umfüllprozess als kritisch gesehen wird, und zum anderen das Einschenken aus den Original-Flaschen bei Whisky-Raritäten ja auch irgendwie zum Geniesser-Zeremoniell gehört...

  • Reserve-Stopfen für den Fall, dass eine geschlossene Flasche plötzlich an Füllstand verliert

  • Auffüllen der Flasche mit Murmeln (das war mir neu...)

  • Auffüllen mit Inert-Gas

  • Lagern im Eisfach (!)

  • ...
Ich persönlich bin eigentlich für die "Austrinken" Variante - am besten mit Freunden oder bei einem Tasting.
Für besondere „Schätzchen“, die jetzt nicht ganz so schnell vernichtet werden sollen, verwende ich Vakuumpumpen, die man sonst für Rotwein benutzt. So bekomme ich reichlich Sauerstoff aus der Flasche heraus - ohne dass etwas, das den Whisky beeinflussen könnte, hineinkommt - und kann damit hoffentlich die Oxidation etwas aufhalten.

Ich werde den Maltadvocate-Blog weiter beobachten und berichten, wenn noch die eine oder andere kuriose Idee aufkommt.

Slainte und möge unser Lieblingswhisky möglichst lange gut munden

29. September 2008

Unabhängiger Abfüller James MacArthur geht nach Russland

Das Whiskyangebot in Moskau ist an sich schon nicht schlecht, und z.B. bei „Whiskyworld“ findet man eine wirklich beeindruckende Auswahl an höchstpreisigen Schätzchen und unabhängigen Abfüllungen.

Am 18. September hatte Whiskyworld James MacArthur zu Gast, wo er im Shop vor guten Kunden und Fachjournalisten einen Vorgeschmack auf die nächsten anstehenden Abfüllungen (noch aus Musterflaschen frisch vom Fass) gab.

Der russische „Michael Jackson“, Sergey Eliseev war von den unverfälschten Fassstärken begeistert, denkt aber, dass der russische Konsument für Einzelfassabfüllungen noch nicht so ganz bereit ist.

Im Moment steht für die Kunden mit dem nötigen Kleingeld noch zu sehr das Alter und das Aussehen der Flasche im Vordergrund: d.h. Hauptsache im Kristalldekanter oder aufwändiger Kiste und mit Zahlen größer 25 auf dem Etikett...


Ein typisches Beispiel dafür war dann auch die limitierte Sonderedition von einem Caol Ila, 25 Jahre im Crystal Decanter ( JMA), die im Laden für 32.910 Rubel = 900€ angeboten wurde. Und es geht natürlich noch teurer, auch bei den unabhängigen Abfüllern.

Da sind die Preise bei uns noch richtig günstig! Aber nicht, dass sich jetzt jeder mit seinen Whiskyflaschen in den nächsten Flieger nach Moskau setzt...: die Steuer- und Zollregelungen sind besonders bei Spirituosen sehr wechselhaft und unkalkulierbar.

Slainte

22. September 2008

Tee-Verkostung mit Whisky

Da reicht eine Tee-Sommelière (was es alles gibt...) zwischen den Teesorten Whisky, um die Geschmacksnerven zu neutralisieren! Diese Nachricht in der Welt-Online hat mich doch etwas verblüfft...

Ich verwende bei meinen Whisky-Tastings normalerweise Quellwasser und Haferkekse oder Weissbrot zum neutralisieren des Geschmacks - vielleicht sollte ich stattdessen mal auf weissen Tee als Zwischenschluck umsteigen?

Schade, dass im Artikel nicht steht, welchen Whisky sie zum neutralisieren verwendet - hoffentlich nicht einfach einen Blend aus dem Supermarkt um die Ecke.

Slainte

18. September 2008

250 Mio USD Investment in Dewar´s Whisky

Der Nachfragedurst nach Whisky muss gestillt werden!

Asien und die anderen „jungen“ Märkte haben in den letzten 3 Jahren ihre Nachfrage nach Dewar's Spitzenwhiskies deutlich gesteigert. Dewar´s gehört seit 1998 der Bacardi Limited, dem weltgrößten Spirituosen-Unternehmen im Privatbesitz.

Damit der Konzern mit dem Markt mithalten kann, werden jetzt 250 Mio. in Modernisierung und neue Blending- und Abfüllkapazitäten investiert:
Zum Barcardi Konzern gehören folgende Destillerien:

  • Aberfeldy
  • Macduff
  • Aultmore
  • Craigellachie
  • Royal Brackla
Hoffen wir jetzt, dass mit dem Boom auch wieder mehr Single Malt Abfüllungen aus dem Hause Bacardi auf den Markt kommen und nicht alles in Blends geht...

Slainte

Quelle: businesswire.com

15. September 2008

Rosebank Destillerie soll wieder aufgebaut werden

Es gab schon Gerüchte im Frühjahr, dass eine bis dato unbekannte "The Falkirk Whisky Company" Teile aus der alten Rosebank Destillery abbauen und für eine neue Destillerie außerhalb Falkirks verwenden wollte.


Im heutigen Sunday Herald gibt es neue Nachrichten, dass eine Gruppe lokaler Investoren in Falkirk die 3fach Destillation des Rosebank Whiskys nach 15 Jahren wieder zum Leben erwecken wollen.

Das Projekt liegt derzeit noch im Baugenehmigungsverfahren, aber geplant ist ein Bau in der Nähe eines früheren Standorts im typischen Pagoden-Stil, wobei die Original-Stills und Mash-tun aus der alten Destillerie wieder verwendet werden sollen. Hinzu kommen ein Visitor-Center und Restaurant.

Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die neue Destillerie oder der Whisky den Namen Rosebank verwenden dürfen, da Diageo hierfür die Markenrechte hält. Dann will man den Whisky unter dem Namen "Falkirk Distillery Company" vermarkten. Sollte die Genehmigung bald erteilt werden, rechnet man ab 2010 mit einer jährlichen Produktion von 60.000 Litern.

Slainte

14. September 2008

BBC erklärt Globalisierung mit Whisky-Container

Ein witziges Projekt (und nebenbei ein genialer PR-Fall für die schottische Whisky-Industrie) ist die Story über den Weg eines Containers um die Welt.

Dafür wurde ein Container speziell lackiert und mit GPS ausgestattet und soll nun ein Jahr lang bei seinem Weg um die Welt beobachtet werden. Anhand dieses Beispiels will das BBC Business News Team das Funktionieren von internationalem Handel und Globalisierung veranschaulichen.


Der Weg des Containers wird von BBC News auf einer interaktiven Karte und einer eigenen News-Seite "The Box" dokumentiert.

Zufällig (?) war die erste Ladung des Containers eine Lieferung Whisky von Chivas Regal nach China mit entsprechender Berichterstattung...

Aber egal, ich werde ein Auge auf die Story haben. Hier ist der RSS-Feed für alle, die es auch interessiert.

Slainte und gute Reise

10. September 2008

Spitzengastronomie lässt Whisky links liegen?

Die edelsten Speisekreationen, eine Weinkarte so dick wie ein gebundenes Buch, eine Obstler- und Grappaauswahl vom feinsten und unübertroffen aufmerksamer Service: also ein rundum  "Perfektes Dinner"... Bis ich zum Abschluss des wunderbaren Abends nach einem schönen Scotch Single Malt fragte.   

Da wurde mir erst mal voll Stolz das typische „Duty Free“ Sortiment deutscher Flughäfen angeboten. Eigentlich hätte ich bei mützenbewehrter Spitzengastronomie wenigstens ein paar besondere Tröpfchen erwartet, wo der Barmanager oder Sommelier auch eine Story zu erzählen könnte. Aber oh weh,  auf den Wunsch nach einem Digestif, wenn möglich einer Single Cask Abfüllung mit einer Sherry Note, wurde mir wärmstens der „18 Jahre alte Fine Oak MAKALAN“ empfohlen.

Eben das ist mir am Wochenende im Schwarzwald passiert, in einem der Top-Restaurants Deutschlands. Allerdings beobachte ich dieses Phänomen auch schon seit langem in deutschen Tophotels, wo man mit „Massenware“ sehr zufrieden ist und keine Experimente wagen möchte. Diese Zurückhaltung kann ich angesichts der meist recht grossen Grappa- und Obstbrand-Auswahl nicht wirklich nachvollziehen. 

Echt schade!  Zum Glück bestätigen Ausnahmen die Regel, wo engagierte Bar-Chefs oder Whisky-interessierte F&B Manager sich für solche Freaks wie mich ein paar Schätzchen hinstellen. 

Aber immerhin – das Essen und der Rest des Abends waren toll: 
Guten Appetit!

5. September 2008

Neue Destillerie in Schottland - oder schon fast auf Island?

Vor 164 Jahren wurde die letzte legale Destillerie auf Lewis geschlossen. Jetzt lässt in der Nähe von Uig die “Abhainn Dearg Distillery” (= gälisch für "Red River") alte Traditionen wieder aufleben. Ich musste erst einmal suchen, wo denn dieses Uig auf Lewis liegt, aber dafür gibt es ja das Internet :-) :

Wenn man sich die Landkarte anschaut, ist Island zwar nicht mehr weit, aber für die nördlichste Destillerie Schottland hat es leider nicht gereicht. Das bleibt wohl nach wie vor Highland Park auf den Orkneys. 

Laut Mr. Tayburn, dem Besitzer der Destillerie, sollen dieses Jahr 10.000 Liter und ab 2009 25.000 Liter pro Jahr produziert werden. Das ist zwar keine gewaltige Menge, aber dafür muss dieser Whisky (den noch keiner kennt) auch erst einmal an den Mann gebracht werden.

Ich bin schon auf die ersten Tropfen gespannt.

Slainte

Quelle: Scotsman

1. September 2008

Scotch Whisky – wird China anständig?

Die Chinesische Regierung legt hohen Wert auf den Markenschutz von “Scotch Whisky”.
Am 15. August kam von der Scotch Whisky Association (SWA) die Nachricht heraus (habe ich leider erst Heute gesehen), dass die chinesische Regierung den „Scotch Whisky“ jetzt auch in ihrem Markt schützen will. Dabei wurde auch noch einmal auf die 17 Mio. Flaschen Scotch Whisky hingewiesen, die 2007 nach China importiert wurden (nur wieviele Flaschen wurde jetzt wirklich verkauft?).

Hoffen wir einmal, dass sich der chinesische Markt auch an die neue Vereinbarung hält!

Slainte

28. August 2008

Whisky-Auktion bei McTears am 18.9.2008 in Glasgow

Whisky Raritäten unter dem Hammer. Nach langer Zeit ist es endlich mal wieder so weit und es werden etliche alte Flaschen Whisky bei McTears zur Versteigerung kommen:

- insgesamt 532 Flaschen

(es sind allerdings auch ein paar Weinflaschen dabei, aber keine Sorge, es sind nur wenige.)

Wenn man sich die Liste der Flaschen anschaut, muss sich wohl ein Bowmore-Sammler von ein paar Flaschen getrennt haben, weil etliche Bowmore Schmankerl dabei sind.

Hier kommt ein Auszug von ein paar Highlights der Auktion, wo ich die Flaschen selber gerne hätte:

  • 2x Black Bowmore von 1964
  • Bowmore (OA) von 1956
  • 4x Bowmore limited edition, wo die Flasche wohl bei mindestens 700GBP liegen wird

Aber es sind auch ein paar sehr schöne Dumpy Brown bottles von Cadenhead mit dabei, wie z.B.
  • Kinclaith (18 Jahre) von 1964 und
  • Ardbeg (24 Jahre) von 1965
Wer würde bei diesen Namen nicht schwach werden? Schönes Gefühl, wenn man selbst auch ein paar dieser Whiskyraritäten in der Sammlung hat :-).

Ich könnte jetzt noch locker 20 Zeilen weiter machen, aber dann macht es ja keinen Spaß mehr, selber durch die Auktion zu scrollen.

Slainte

21. August 2008

Classic Malts Cruise – 2 Wochen durch die inneren Hebriden

"Johoho, und 'ne Buddel voll Rum... ähm, Whisky" wird wohl das Motto sein auf diesem besonderen Segeltörn:

Mit dem Segelschiff geht es dabei ab Oban von Destillerie zu Destillerie.

Die Classic Malts Cruise gibt es jetzt schon seit 15 Jahren und sie erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit bei den Whisky liebenden Seglern. Was ursprünglich mit 25 Schiffen angefangen hat, begeisterte dieses Jahr bereits ca. 100 Skipper.

Wenn ich mich an das schottische Juliwetter zurückerinnere, dann ist so ein Törn nichts für Warmduscher. Da muss man Segeln ohne Sonne (außer der Sonne im Glas) schon mögen.

Die Tour startet alljährlich im Sommer in Oban nach einer Stärkung in der Destillerie und geht dann eine Woche lang die Küste entlang in Richtung Skye zu Talisker. Nach dem „auftanken“ geht es dann langsam in Richtung Islay, wo es dann zum großen Rendezvous der Seglerflotte vor Lagavulin kommt.


Bei dem Törn 2009 wäre ich gerne dabei - wenn doch nur das Wetter etwas zuverlässiger wäre (damit meine ich nicht den Wind, sondern die Sonne) ... ;-)

Slainte

18. August 2008

Glengyle – Ben Wyvis Stills leben weiter

Von den ehemals ca. 34 Destillerien in Campbeltown gibt es derzeit noch 3:

- Glen Scotia
- Springbank (z. Zt. temporär geschlossen)
- Glengyle

Die Glengyle Destillerie wurde 2004 neu eröffnet und gehört zu Springbank. Sie wurde in den letzten Jahren jeweils nur für einige Wochen im Jahr in Betrieb genommen, um Kilkerran Single Malt zu produzieren und wurde dabei vom Springbankpersonal betreut.

Die Anlage ist recht modern und so aufgebaut, dass sie inklusive mash- und wash-tuns von nur einem „Stillman“ beaufsichtigt werden kann. Alles ist sehr praktisch und ökonomisch, hat aber dafür auch leider nicht mehr das Flair einer alten Destillerie.


Dafür leben hier aber die Wash- und Spirit Still aus der schon fast vergessenen Ben Wyvis Destillerie weiter: man hat diese aus der 1977 abgerissenen Destillerie in Invergordon übernommen und mit einer kleinen Veränderung am „Schwanenhals“ eingebaut (dieser geht jetzt mit einem Winkel von knapp 90° in den Kondensator – früher sollen sie einen deutlich steileren Winkel gehabt haben).

Sicher rechtfertigt das kein Revival des legendären und sehr gesuchten Ben Wyvis, aber ein bisschen Historie schwingt schon mit, wenn man die ersten Abfüllungen probiert...

Einen Vorgeschmack bekommt man bei dem Special Bottling, das derzeit als 4jähriger Kilkerran exklusiv im Springbank „Tastingroom“ in Campbeltown direkt aus einem Fass angeboten wird. Man wird sicher noch ein bisschen mit der Vermarktung warten, aber die Verkostung macht schon neugierig:

Es ist noch etwas früh, um etwas mehr über die Blume und den Geschmack zu schreiben. Ich habe ihn aber schon als sehr angenehm empfunden und freue mich schon darauf, wenn er etwas älter wird, einmal in Ruhe zu probieren und zu genießen.

Die Bestände sind begrenzt, da die Destillerie im Schnitt nur ca. 6-7 Wochen pro Jahr betrieben wurde und jetzt auch von der temporären Springbank Produktionseinstellung betroffen ist. Also wird es auch hier in den nächsten 2 Jahren keine Produktion mehr geben.


Slainte

14. August 2008

Islay Whisky als Benzin-Ersatz ?!

Klar wird Benzin immer teurer und Lagavulin riecht schon auch ein bisschen nach Diesel - aber dass man ihn deswegen gleich als Treibstoff verwendet, geht finde ich doch etwas weit....

Gerade gefunden bei Whisky-Grotto:
Auf Islay fliesst der Whisky bekanntlich in Mengen - so soll ein exzentrischer RollsRoyce Fahrer aus Ärger über die hohen Spritpreise Lagavulin in seinen Tank gekippt haben.

Kurz darauf tauchten die ersten Videos von Rennwagen auf, die auf der Küstenstraße Tests mit Bruichladdich machten....



Ich habe ja so meine Zweifel, ob das nicht wieder ein gut lancierter Marketing-Gag ist....
Leider fehlt die Geruchsprobe bei den YouTube Videos ;-)) das wäre doch mal die Weiterentwicklung des Internet - ich stelle mir gerade Nosing am Laptop vor :-o

Slainté

11. August 2008

Whisky, Bikes und ein 3000er Berg

Whiskydegustation auf dem über 3.000 m hohen Piz Umbrail – aber wieso Bikes?

Letzen Samstag gab es auf dem Piz Umbrail die 2. Whiskydegustion von „the smallest whiskybar on earth“.

Der Aufstieg war für untrainierte Flachländer schon eine wahre Herausforderung.

Beim Verschnaufen auf 2.800m wurde unser Selbstvertrauen noch einmal heftig geprüft: da ist doch tatsächlich eine Gruppe Freeride Mountainbiker mit ihren Fahrrädern auf der Schulter an uns förmlich vorbeigaloppiert!!!
Nein, ich hatte bis dahin noch keinen Tropfen Alkohol, somit konnte es keine Fatamorgana sein!

Die Biker haben dann die Gipfelpause genutzt, um auch etwas von unserem „Lebenswasser“ zu probieren. Wann kriegt man schon so ein Angebot auf 3033 m?


Zum testen hatten wir einen Mortlach (16 Jahre) aus der Dram Collection, einen Glen Grant von The Whisky Chamber, sowie die neue Swiss-Whisky Abfüllung von der „smallest whiskybar on earth“ dabei.

Mehrheitlich wurde der Mortlach zum Sieger erklärt (die komplexe Fruchtigkeit hat in der Höhe am Besten überzeugt), knapp gefolgt vom Glen Grant (in der Höhenluft kam seine Rauchigkeit doch ziemlich dominant durch - und war nicht das, was man in dünner Luft gemeinhin gerne mag...), der Schweizer Whisky war dann leider doch etwas abgeschlagen und eindeutig besser zum Genuss auf 1.375m in Sta. Maria gedacht.



Die Biker haben vernünftigerweise nur sehr wenig probiert, schließlich hatten sie noch eine große Herausforderung vor sich – aber was sagte einer aus der Gruppe so schön: „mit Whisky fährt man nicht besser, aber man traut sich mehr“.

Wir sind schon gespannt, wen wir 2009 alles auf dem Berg treffen werden.

Slainte

6. August 2008

Whisky Festival der Scotch Malt Whisky Society in Schottland

SMWS Whisky Woche vom 5.-9. August in den Clubräumen von Edinburgh und Leith

Die Scotch Malt Whisky Society gibt es seit über 25 Jahren und ist somit eine der ältesten Whiskyclubs – mit über 20.000 Mitgliedern Weltweit ist sie auf jeden Fall eine der größten Vereinigungen.


Ein kurzer Abriss, was die Whiskyfreunde in dieser Woche bei der Society erwartet:

5. August 2008
Whisky with cured meats & cheeses
Nach dem Erfolg vom letzten Jahr, wird es wieder einen Abend mit Keith of Alfords of Farringdon geben, der mit einem Menü rund um den Whisky begeistern wird.

5. August 2008
New Members Tasting
Ein spezieller Abend nur für die neuen Mitglieder der Society.

8. August 2008
Whisky mit einem Afternoon Tea
Das Wochenende steht vor der Tür und es ist ein herrlicher Anlass sich von dem Stress in den Strassen von Edinburgh zu erholen. Take a break!

9. August 2008
Whisky with Walking Tour
Eine 90 Minuten Wanderung durch Leith führt Sie an den historischen Plätzen des Whiskyhandels – inklusive des alten Glenmorangie Building und dem „Coal Hill" wo in der Vergangenheit die „Barrels“ ankamen.

Slainte

3. August 2008

Scotland is running out of water of life

Asien und Russland legen Schottland im wahrsten Sinnes des Wortes trocken.

Pernod Ricard hatte kürzlich noch von einer nachlassenden Whisky-Nachfrage in China berichtet. Andere Whisky-Hersteller sehen das allerdings noch anders und auch die Times zeichnet das Bild von den boomenden “Neuen Märkten”:

Allein in Singapur und China soll der Umsatz mit Whisky seit 2003 von 45 Mio. GBP auf 300 Mio. GBP in 2007 angewachsen sein (und da ist der indischem Markt noch nicht einmal berücksichtigt).

Auf die folgende Whisky-Verknappung haben diverse Destillerien ihre Kapazitäten gesteigert - und prompt gibt es Warnungen vor einem "Loch Whisky" - einem Whisky-See... :-) Aber schliesslich sind da auch noch die traditionellen Märkte (USA nimmt immer noch 4x mehr Whisky ab als derzeit durch Singapur nach Asien gehen!) für eine gesunde Grunddeckung.

Letztendlich geht es um eine geschickte Steuerung der Produktions- und Exportaktivitäten - und nicht zuletzt der Nachfrage: die gehäuften Meldungen über einen Ausverkauf an Whisky haben ja durchaus schon ihre Wirkung auf die Preise und die Sammelaktivitäten von Whisky-Fans gehabt.

Ein Schelm, wer böses dabei denkt... Ich werde die Entwicklung jedenfalls im Auge behalten!

Slainte

30. Juli 2008

Roseisle - 14 neue Stills für Schottland

Die erste seit über 30 Jahren neu erbaute Destillerie in Schottland soll 14 Stills erhalten.

Bilder von der Herstellung der Stills geben einen besonderen Eindruck von dem 40 Mio GPB Grossprojekt von Diageo in Moray (ein interessantes Beispiel von pre-Marketing, wie ich finde). 

Die neue Destillerie soll bereits Ende des Jahres fertig gestellt sein und im Januar mit der Produktion von Malt Whisky beginnen. Bereits im Frühjahr soll mit der vollen Kapazität gearbeitet werden (wie groß die wohl sein wird?)

Mit der neuen Destillerie will man den Whisky bis zu 15% günstiger als z.B. in Dufftown produzieren: es gibt also mehr Whisky und das auch noch günstiger – was wünscht sich ein großer Konzern mehr? Nachzulesen bei "pressandjournal.co.uk "

Ab 2012 soll bereits der erste Whisky vermarktet werden – mit 4 Jahren. Das klingt für mich  nach einem neuen Blend oder vielleicht auch nur genug Rohstoff, damit es weiter genügend Johnnie Walker geben kann...

Slainte

22. Juli 2008

Tullibardine unter Haien

Tullibardine ist nun auch ins Visier von Investoren geraten: über eine Schweizer Bank seien 3 Angebote für die profitabel laufende Destillerie abgeben worden (Quelle: Scotsman).

Das Management war zwar nicht aktiv an einem Verkauf interessiert, aber die Angebote sollen wohl doch so interessant sein, dass man sie sich wenigstens einmal anschauen möchte.
Wenn Manager so etwas von sich geben, dann ist es bis zum Verkauf meistens nur noch ein kleiner Schritt (oder eben 1 - 2 Mio. GBP mehr...).

Das Angebot könnte umso interessanter und willkommener sein, da sich Tullibardine's bisheriger Hauptabnehmer und Bottling Partner Glenmorangie aus dem Markt für Blended zurückzuziehen will. Als Folge verliert Tullibardine die sichere Auslastung von zuletzt gut 90% der Spirit Produktion, ebenso wie günstige Abfüllmöglichkeiten für ihre eigenen Single Malts.




Der Trend zu institutionellen Whisky-Investoren scheint sich zu beschleunigen. Bei der wachsenden Nachfrage und insgesamt positiven Aussichten ist das eigentlich nicht erstaunlich...
Mal sehen, wie lange werden wir dann noch Destillerien in privater Hand finden?

Slainte

20. Juli 2008

Whiskyfässer in "Tüten"

Es wird berichtet, dass Diageo Tests laufen hat, wo Whiskyfässer in Folie eingeschweißt werden, um den Angel´s Share (ca. 2% pro Jahr) zu reduzieren. 

Bei Konzernen wie Diageo geht es hier immerhin um mehrere Millionen Pfund Sterling pro Jahr, die zu den Engeln gehen – wer würde dieses Geld nicht lieber unter seinem Profit verbuchen wollen?

Andererseits fand ich immer, dass die Engel ihren Anteil redlich verdienen: schließlich hat ja dieser Austausch ("Angel's share" raus - Sauerstoff rein) neben dem Holz der Fässer einen großen Anteil am Reifeprozess und späteren Charakter des Whiskies. 

Zur Sicherheit habe ich einen befreundeten Chemiker noch einmal gebeten, mir genau die "wissenschaftliche" Seite des Reifungsprozesses zu bestätigen: 

"Beim „Spirit“, aus dem nach 3 Jahren Lagerung in einem Eichenfass einmal Whisky werden soll, haben wir es mit einem Alkohol zu tun, der unter Sauerstoffeinfluss (dank der Luftdurchlässigkeit der Eichenfässer) zu Aldehyden und später bis zu Karbonsäuren oxydiert – man spricht auch von: aromatische Alkohole, Aldehyde, Ketone und Carbonsäure.
Genau diese Stoffe sind es, die wir beim Nosen als florale Noten (Gras, Heu, Veilchen, Geranien, Ginster,…), Kräuter oder auch Fruchtnoten (Apfel, Birne, Beeren, Waldmeister,…) wahrnehmen."

Wie sollen diese Aromen entstehen, wenn es keine ausreichende Oxydation mehr gibt?

Eine Lösung wäre die aktive Zufuhr von Sauerstoff in die Fässer (aber eben nur noch hinein...). Dann könnte man sich hypothetisch auch gleich die Eichenfässer sparen und den Whisky in Edelstahltanks "reifen"  -  mit Eichenholzsäckchen, wie es in der Weinindustrie schon Gang und Gebe ist. Analog sprechen wir dann auch nicht mehr Destillerien, sondern von Whisky Makern :-o . 

Aber es wurde schon viel experimentiert und wir geben die Hoffung nicht auf, dass es beim aktuellen „Whisky Reinheitsgebot“ (= Whisky muss in Eichenfässern reifen) bleibt.

Slainte

18. Juli 2008

Fass-Besuch auf Arran

Auf dem Weg nach Campbeltown hatten wir noch einen Abstecher nach Arran gemacht, um Fassproben abzuholen und zu sehen,wie sich meine Fässer entwickeln.

Beim letzten Mal kamen die Proben noch ausgesprochen unerotisch in Plastik-Schraubflaschen (fast wie Urinproben beim Arzt...).

Welch freudige Überraschung dieses Mal, als mir 3 handettikettierte Glasflaschen übergeben wurden, wo man auch gleich die schöne unterschiedliche Farbentwicklung der Whiskies sehen konnte.

Da hat man schon mehr den Eindruck und das beruhigende Gefuehl, dass hier ein feiner Whisky heranreift: 2 der Fässer wurden im Jahr 2000 am gleichen Tag abgefüllt - eines in Sherry und das andere in ein Bourbon-Fass. Der Farbunterschied ist schon jetzt beeindruckend - ich bin gespannt auf das Probieren: wie unterschiedlich die beiden Whiskies sein werden....

Den "fast" 12jährigen Arran habe ich gleich getestet, um zu sehen, ob er schon reif zum abfüllen ist.
Insgesamt ist es schon ein sehr schöner Whisky, aber ich werde ihm die Chance geben, noch etwas älter zu werden...



Tasting Notes Fassprobe

Arran 1996 - Sherry refill cask
Cask 96/2114 – cask sample 19.06.2008
Alkohol (keine Angabe) – Schätzung ca. 58%vol.



Farbe: Gold
Nase: Vanille, Fudge, Früchtebrot, Kräuterhonig, grüner Apfel und etwas frisches Gras (etwas ungewöhnlich für einen Arran)
Geschmack: Malz, Karamell, milder Honig
Abgang: mittellang anhaltend, mit einer leichten Süße und einem Hauch Eiche (aber nicht aufdringlich)

Slainte

15. Juli 2008

Loch Fyne Whisky: Ein Herz für „Fremdgänger“

Unter Whiskyfreunden muss man den Loch Fyne Whisky Shop mit seiner Raritäten-Auswahl eigentlich nicht erwähnen. Wenn man also in der Gegend von Inveraray ist, kommt man an einem Besuch im vielfach prämierten Shop („Icons of Whisky“) kaum vorbei. Aber der Service, den wir letzte Woche nutzen durften, war doch ein tolles Beispiel von Kundenfreundlichkeit:

Ich konnte natürlich auch nicht einfach so vorbeigehen und bin prompt an einigen Flaschen hängen geblieben... Allerdings hatten wir ja schon einige Flaschen aus Arran und Campbeltown im Auto und der Platz im Koffer wurde langsam knapp. Kein Problem für Andy Burns: hier hat man Verständnis für die Versuchungen, denen ein Whisky-Liebhaber in Schottland ausgesetzt ist... :-)

Es gibt einen Lieferservice - nicht nur für die im Shop gekauften Flaschen - nein! man kann sogar „fremd gekaufte“ Flaschen für einen Verpackungs- und Handlingobolus von 5 GBP pro Flasche mit auf den Weg geben.

Das habe ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen und mit meinen anderen Flaschen die sowieso angefallenen Versandkosten von 19 GBP (Versandpauschale für 1 bis 6 Flaschen) optimiert.

Die Abwicklung wurde dann auch noch mit einem Dram eines älteren Bruichladdich versüßt. Ein toller Service. Wer hat so etwas schon einmal in Deutschland erlebt?

Slainte

10. Juli 2008

Destillerie-Tours zum Whisky lieben oder abgewöhnen?

Auf der Tour durch Schottland haben wir nicht nur die Whisky-School Woche bei Springbank verbracht (und dabei hart gearbeitet!), sondern die Zeit auch für den Besuch in ein paar anderen Destillerien genutzt - da geht kein Whisky dran vorbei :-) (Schließlich war das ja eine Dienstreise für mich...)

Und das waren dann schon mächtige Unterschiede, wie man mit den Whisky-interessierten Besuchern umging! Ein Visitor Center haben ja mittlerweile die meisten Destillerien und auch der Probierschluck gehört zum Standard.

Spannend wird es, wenn man die unterschiedlichen Führungen erlebt: Die Whisky-Herstellung ist ja identisch (hoffen wir einmal, dass es auch noch lange so bleibt), aber wie ausführlich und anschaulich es erklärt wird - da können Welten zwischen liegen...!

Wir haben diesmal Oban, Talisker und Ben Nevis besucht und waren besonders positiv überrascht von

Talisker

Hier hatten wir aufgrund der relativen Abgeschiedenheit auf Skye mit wenig Besuchern gerechnet und auch niedrige Erwartungen an die Führung, da Talisker bekanntermaßen sehr modern und automatisiert ist.

Tatsächlich drängten sich die Besucher im Empfangsraum und die Führungen starteten im 15Minuten-Rhythmus!



Leider konnte so gut wie nichts „richtig“ gezeigt werden, da z.B. die Mash Tun gerade leer war und im nächsten Bereich einige Wash Backs ausgedampft wurden. Wegen der Hitze durften hier die Besucher nicht zu dicht herankommen.

Die Besonderheiten von modernen Produktionstechnik und traditioneller Herstellungsmethoden wurden aber sehr gut dargestellt und man hat dem Tour-Guide deutlich seinen Stolz auf sein Produkt angemerkt (und geglaubt). Er hat die Herstellung und Besonderheit von Talisker auch hervorragend ohne live Beispiele beschrieben und für Einsteiger die Unterschiede von Single Malts, Blended Malt und Blended Whisky deutlich gemacht.

Die Führung dauerte eine gute Stunde und hat wirklich Spaß gemacht. Einziger Wermutstropfen war das strikte Fotografie-Verbot, das bei allen Diageo Destillerien gilt.

Kosten: 5 GBP pro Person (inklusive 3GBP Gutschein beim Kauf einer Flasche im Shop)

Oban

Die Destillerie selbst ist sehr klein und im Straßengewirr von Oban regelrecht versteckt (in der Tat ist sie kaum ausgeschildert – als ob man sie verheimlichen wollte...)

Hier fanden die Führungen im Stundenrhythmus statt und die „fehlenden“ Elemente wie das Malting und Kilning wurden mit einem kurzen Film erklärt.

Auf dem Weg durch den Prozess bekommt man „Schnupperproben“ von new-make Spirit und darf von einer direkt aus einem ausgewählten Fass gezogenen Probe verkosten. Das Probenglas darf man dann auch mitnehmen, was wohl den um ein Pfund höheren Eintrittspreis rechtfertigt (6 GBP pro Person, inkl. Gutschein).

Am Schluss wurden noch ausführlich die 5 weiteren Whiskies der Classic Malts Serie vorgestellt und die Unterschiede der Whisky-Regionen beschrieben (die Marketing-Abteilung lässt grüßen...).

Ben Nevis

dagegen war eine echte Enttäuschung:
Zunächst wurde ein etwas kitschiger und auch qualitativ nicht sehr guter Film über den Riesen Gregor McDram gezeigt, wie er Schottland erschaffen hat und mithilfe der Götter und eines glücklichen Zufalls die Herstellung von „Scottish Dew“ (= Whisky) entdeckt.

Darauf folgte eine ziemlich schnelle und leider etwas lieblose „Begehung“ der Destillerie (Hier war Fotografieren nicht ausdrücklich verboten – also habe ich es auch genutzt). Zum Schluss gab es den obligatorischen Dram im Shop: einen 4jährigen Blend...

Wenn man den Herstellungsprozess nicht kannte, hat man ihn hiernach auch nicht verstanden – und nicht unbedingt Lust auf mehr bekommen... Für jemanden ohne Whiskykenntnisse vielleicht etwas demotivierend :-(

Dafür war der Eintritt mit 3 GBP verhältnismäßig günstig, aber ich kann diese Tour wirklich niemandem empfehlen...

Slainte

7. Juli 2008

100 Whiskies und ein Sterne-Menü

Whisky-Bar und Restaurantempfehlung in Inveraray

Für den Stopp in Inveraray war uns zum Essen das „George“ Hotel empfohlen worden, dessen Stammgäste eigens aus Glasgow zum Wochenend-Dinner anreisen sollen.

Zum Abendessen waren wir beim ersten Besuch noch etwas zu früh und mussten uns mit der „Bar Meal“ Karte begnügen. Wir erwarteten die üblichen Pies und Fish & Chips, aber siehe da: es gab eine Auswahl an wohlklingenden Gerichten, von der so manches Restaurant träumen kann.

Auszug aus der Bar Karte (bis 18.30 Uhr):

  • Home made chicken liver pâté with garlic bread and Cumberland sauce
  • Fresh potted Tarbert crab with toasted sour dough bread and rocket
  • Grilled salmon fillet with linguine, char grilled vegetables Provencal and pesto
  • Local shoulder of lamb marinated in Tandoori spices, cooked in spiced Masala with pilau rice
  • Grilled goat's cheese with red onion marmalade on a bed of mixed leaves and pumpkin seads
  • und vieles leckeres mehr...
So eine Auswahl muss ja nicht unbedingt auch gute Qualität bedeuten, aber wir waren von unseren Bar Meals und der gemütlichen Atmosphäre so begeistert, dass wir es am folgenden Abend auch mit dem Dinner Menü versuchen mussten, das tatsächlich noch besser war.

Gut sortierte Whisky-Bar

Weder das Restaurant noch die Bar machen Tisch-Reservierungen, so dass man im Zweifel eine halbe Stunde an der Bar „geparkt“ wird, bis etwas frei wird. Aber auch das war kein Beinbruch:

Neben den üblichen Bargetränken gibt es ca. 100 Single Malt Whiskies und wir haben uns nur zu gerne die Zeit mit „Whisky-Spotting“ und Flaschenzählen vertrieben... ;-) So dass auch einfach ein Besuch auf ein Dram – ohne Essen – auf jeden Fall lohnend ist.

Neben den üblichen Duty Free Malts gibt es eine große Auswahl an älteren G&M Connaisseurs Choice (Map Label) und nicht ganz so gängigen Destillerie Abfüllungen – es wird also bestimmt nicht langweilig.

Wer in Inverary einen Stop macht und Wert auf eine gute (und auch bezahlbare) Küche legt, der sollte unbedingt im „George“ vorbeischauen. Es liegt direkt am Anfang der Main Street, gleich neben der Kirche im Kreisverkehr.

Slainte

2. Juli 2008

W wie Whisky und Warten...

Wer erinnert sich noch an die alte Werbung von Jack Daniels, wo die Arbeiter in Tennessee vor dem Lager sitzen und Karten spielen während der Whisky in Ruhe reift?

Ich hatte das eigentlich immer als schönes Werbe-Märchen abgetan... Bei der Whisky-School Woche sind wir alle eines besseren belehrt worden: Sicher hat keiner erwartet, dass Whiskyherstellung Refa-technisch prozessoptimiert ist, aber man braucht dann doch noch extrem viel Zeit und Geduld – und zwar schon vor dem Reifen im Fass!

Die Leerlaufzeiten während den einzelnen Schritten sind immens:

Mal wartet man darauf, dass die Gerste treibt
– dann dass sie wieder trocknet
– dann, dass die Maische hochkocht – und wieder reduziert (immerhin auch 3 x)

Während der Destillation wartet man, dass der Alkoholgehalt einen bestimmten Punkt (für den Vorlauf, den Spirit und dann die Feints) erreicht... bis runter auf nur noch 1% Alkohol (hier wird nichts vergeudet).

Und beim Abfüllen, dass der Tankinhalt ausreichend durchmischt – bis man mindestens in 3 Messergebnissen den gleichen Alkoholgehalt misst.

Nach dem Befüllen der Fässer lässt man diese erst noch eine Weile ruhen und wartet, ob sie eventuell irgendwo undicht sind oder es Leckagen gibt


– bevor man sie in die Lager rollt - und das richtig grosse Warten beginnt...


Slainte

30. Juni 2008

Whisky-School - Abschlussprüfung

Nach 5 Tagen Whisky School war es am Freitag soweit: die Prüfung rief. Eigentlich hatte ich gehofft, es sei nur ein Scherz und wir bekommen die Urkunde und die Springbank Sonderabfüllung (mit dem Namen des Teilnehmers) einfach so ausgehändigt...

Nichts da:
es gab einen 3seitigen Fragebogen von Basics über Springbank bis zu Details zum Herstellungsprozess („origin and type of barley used, hours for steeping the mash, variations in kiln time, different alcohol levels“ etc.) - und nicht etwa multiple choice Fragen zum ankreuzen – nein! die wollten doch wirklich Antworten haben! Gut, dass sich meine Frau auf die Prüfung vorbereitet hat und wir uns in der Gruppe beraten durften ;-) - dann konnte nichts mehr schief gehen!

Wir haben die Woche in und hinter den Kulissen von Springbank sehr genossen und viele Einblicke bekommen, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Vieles sieht man jetzt mit ganz anderen Augen: Wenn ich bisher von meinen Fässern Proben bestellt habe, hatte ich mir bis jetzt nie Gedanken gemacht, was für ein Aufwand dahinter steckt.

Besonders leid tut uns, dass einige der Mitarbeiter, die uns auf unserer Exkursion durch Springbank begleitet haben, am Freitag ihren Job verloren haben. Wir drücken ihnen allen die Daumen, dass sie nicht zu lange arbeitslos sein werden. Vielleicht finden sie ja bei Glen Scotia eine neue Aufgabe, die ja noch dieses Jahr ihre Produktion verdoppeln wollen.

Am Freitag gab es auch einen großen Artikel auf der ersten Seite des "Campbeltown Courier", wo es um die Entlassung der Produktionsmannschaft und der 2 Jahre Produktionspause von Springbank ging.

Allerdings bleiben Zweifel bei uns und anderen Whisky-Experten, die wir in Schottland dazu gesprochen haben, dass die genannten Gründe für die Schließung echt sind. Die Zeit wird zeigen, was wirklich dahinter steckt und wann Springbank wieder produziert....

Slainte

26. Juni 2008

Springbank Whisky School - Teil 2

Bei unserem Aufenthalt bei Springbank kehrt allmählich schon fast so etwas wie Arbeitsalltag ein: am ersten Morgen wurden wir noch zu zweit (insgesamt sind wir 6 Teilnehmer) je einem Mitarbeiter und einer bestimmten Aufgabe (Malting, Mashing, Bottling) zugeteilt.

Aber bereits seit dem ersten Nachmittag bewegen wir uns frei im ganzen Betrieb und fühlen uns fast wie richtige Mitarbeiter. Am Arbeitsbeginn um 8 Uhr wird erst einmal geklärt, was an Aufgaben ansteht und dann macht man mit, wo es gerade interessant ist oder eine Hand gebraucht wird.

Das kann wie am Dienstag die Fass-Abfüllung der aktuellen Charge sein und das Einlagern in die verschiedenen Lager oder auch die Flaschenabfüllung des aktuellen Springbank Vintage 1997 – Batch 2 (die „Batch 2“ Streifen werden einzeln von Hand aufgeklebt – dazu wird jede Flasche vom Band genommen - ein Riesenaufwand..!).

Kiln in Betrieb

Am Mittwoch wurde der Kiln angefeuert, und dieses seltene Erlebnis hat sich natürlich keiner entgehen lassen wollen!
Wo sieht man überhaupt einmal mehr von einem Kiln als nur den Kamin und das Ofenloch? oder der Deko Pagode, wie bei den meisten Destillerien.

Zunächst haben wir geholfen, noch die letzten Reste der keimenden Gerste vom Trockenboden und den Transportbändern in den Kiln zu befördern.
Dort haben wir dann 6 Mann (und eine Frau!) stark gut ½ Stunde gebraucht, um den 6t Getreideberg gleichmäßig auf dem Gitterboden zu verteilen, durch den später von unten der Torfrauch ziehen würde.

Die Partie Gerste soll später zu Springbank verarbeitet werden, so dass wir für 6 Stunden das Torffeuer schüren durften, bevor dann konventionell mit heißer Luft aus dem Ölbrenner ca. 24 Stunden weitergetrocknet wird.



Theorie-Stunde am Nachmittag

Am späten Nachmittag gibt der Distillery Manager Stuart Robertson ca. 1stündige Theorie-Erklärungen mit vielen Hintergrunddetails zu den Herstellungsprozessen und Besonderheiten bei Springbank gegenüber anderen Destillerien.

Die Stimmung bei der Belegschaft ist verständlicherweise gedrückt und man fühlt sich zum Teil etwas fehl am Platz... Aber alle sind sehr bemüht, die Stimmung nicht abfärben zu lassen und uns in die Arbeit einzubeziehen. Diese Haltung ist wirklich bemerkenswert angesichts der Unsicherheit bis zur Verkündung am Freitag.

Inzwischen haben wir auch eine interne Ankündigung an die Mitarbeiter gesehen, in der als Gründe für die zeitweilige Schließung
  • "dramatische Steigerungen bei den Rohstoffen – insbesondere Öl und Gerste“
  • „zweifelhafte Verkaufssteigerungen angesichts einer möglichen weltweiten Rezession“
  • „gestiegene Refinanzierungskosten bei den Banken“

genannt werden (sinngemäss übersetzt).

Fortsetzung folgt...

23. Juni 2008

Springbank - Schock am frühen Morgen!

An unserem ersten Springbank Whisky School Tag (der mit 08:00 für Urlaub eindeutig zu früh begann :-o ), wurden wir vom Director of Production Frank McHardy mit einer Hiobsbotschaft empfangen:


Nach unserer Woche Whisky School wird die Produktion von Springbank für 2 Jahre geschlossen.

Eine kleine Ausnahme gibt es noch im Oktober, wo die bereits angekündigten 4 Wochen Whisky School noch durchgeführt werden. Danach soll bis mindestens Ende 2010 die Produktion ruhen.

Er versicherte, dass die Lager gut gefüllt sind und der Verkauf normal weiter laufen wird. Das tröstet die Belegschaft der Produktion aber eher wenig, die verständlicherweise unruhig waren, weil sie erst diesen Freitag erfahren sollen, wie es im einzelnen mit ihnen weitergeht.

Verständlich, dass wir uns als fröhlich-neugierige „Schulanfänger“ erst einmal einigermaßen unwohl gefühlt haben... Aber die Mitarbeiter haben uns trotz aller Sorgen sehr nett aufgenommen und gleich voll in den Betrieb einbezogen. Es ist schon wirklich besonders, Teil des laufenden Destillerie-Betriebs zu sein und nicht einfach bei einer Führung zuzusehen.

Erst gab es einen Rundgang bis in die hintersten Winkel der ganzen Anlage - mit besonderer Berücksichtigung der Notausgänge und Sicherheitsaspekte. Nachdem wir alle unterschrieben hatten, dass wir über die Sicherheitsbestimmungen informiert wurden, ging es in Zweiergruppen an die Arbeit: am ersten Tag standen Malting, Bottling und Mashing auf dem Programm.

Und man erlebt so manche muskelkater-taugliche Überraschung dabei: z.B. ist das Wenden der Gerste auf dem Malting-Floor schwerer als es auf den ersten Blick erscheint.

...und Hogsheads auf einer Rampe so hinzujonglieren, dass das Abfüllloch genau nach unten zeigt, muss auch erst einmal geübt werden.

Jedenfalls war das Leeren von ca. 30 Fassern für einen Longrow CV ein besonderes Erlebnis und wir waren nach dem ersten Tag alle einigermaßen geschafft.

Morgen soll es mit der Abfüllung der neuesten Produktion weitergehen (vor der Abfüllhalle stehen auch einige leere 500 l Butts – ich bin gespannt, wie man die manövriert...!) und für Mittwoch ist Kilning geplant, also knietief Malz schaufeln und das Torffeuer schüren.

Leider hat unser B&B keinen Internetzugang und ich muss sehen, wann ich in der städtischen Bibliothek oder auch mal beim Distillery-Manager ins Web komme, so dass ich nicht weiß, wann ich das nächste Update bringen kann.

Fortsetzung folgt....

Slainte