5. Juni 2014

Unabhängiges Schottland = was heisst das für den Whisky?


Die Ergebnisse der Europawahl werden immer noch verarbeitet, da stellen sich schon die nächsten Fragen zu möglichen Veränderungen in der EU – und möglichen Auswirkungen auf unser Lieblingsgetränk: 

Was bedeutet es für Scotch Whisky, wenn sich Schottland am 18. September von Großbritannien unabhängig erklären sollte und dann quasi über Nacht kein Mitglied der EU mehr wäre? 

·        Würde Europa dadurch als Absatzmarkt weniger interessant, und noch größere Mengen nach Asien gehen?

·        Müssten wir für die Einfuhr von Scotch Whisky Einfuhrzoll bezahlen (wahrscheinlich)?

·        Wie stark würde das den Whisky verteuern?  

Was würde sich noch ändern? Viele Fragen, die nicht nur Whiskyliebhaber beschäftigen, sondern noch viel mehr die großen Spirituosenkonzerne wie Diageo & Pernod Ricard, die bisher in Europa einen Großteil ihrer Umsätze machen.

Nur so lässt sich erklären, dass Diageo-Chef Ivan Menezes überraschend klar für ein Votum gegen die schottische Abspaltung von Großbritannien wirbt und eine Unabhängigkeit sogar als „Überlebensfrage“ seines Konzerns bezeichnet.  

Dienstleister haben es leichter: die verlagern einfach ihre Büros in ein anderes Land, aber das ist mit den schottischen Destillerien und Millionen von Whiskyfässern nicht möglich – ein Scotch ist nun mal nur dann ein Scotch Whisky, wenn er auch in Schottland gereift und abgefüllt ist. 

Nach aktuellen Umfragen sieht es so aus, dass die Mehrheit der Schotten sich doch nicht von Großbritannien abspalten wollen, aber was passiert mit Großbritannien?? Nach der Europawahl kommen schon Fragen auf, ob und wie lange das Land in der EU bleiben wird?

Und was heisst das dann für Schottlands Whisky, Gas und Öl? 


Hoffen wir auf ein Ende im Sinne der internationalen Whisky-Gemeinde.

Slainte

Quelle:

30. Mai 2014

Erfolgreicher Start für die Whiskymesse in Herrenberg – aber haben wir schon zu viele Messen?

Die Herrenberger Messe ist zwar schon eine Weile her, aber wegen des Messe-Marathons im Frühjahr komme ich erst jetzt zum Nachbereiten. Allerdings war dieses neue Whisky-Event im Süddeutschen so besonders, dass ich unbedingt noch etwas dazu schreiben wollte:

Die kleine Whiskymesse in Herrenberg sollte ein Experiment sein, und die Idee von Beate & Peter Holz ist voll aufgegangen: 
Zum Auftakt kamen an einem Tag schon 650 Besucher. Es gibt andere kleine Whiskymessen, die brauchen für diese Besucherzahl zwei Messetage! 
 
Die Veranstaltung war hervorragend vorbereitet, und der Biergarten des Hotels eignete sich hervorragend als Whisky- und Tasting-Garten. Die Tastings waren gut aufeinander abgestimmt, die Vortragenden wurden jeweils pünktlich aus den Räumen geworfen J (ich  
musste es erleben) und Pipes und Haggis sorgten für Ausgleich zwischendurch.

Dieses Ergebnis ist noch beeindruckender, wenn man sich die Schwemme an Whisky-Messen für 2014/2015 anschaut – es herrscht ein regelrechter Wettkampf zwischen den Veranstaltungen, dass es oft schwer fällt sich überhaupt zu entscheiden. Zwar ist die Zahl an Whisky-Veranstaltungen im Südwesten nicht gar so gross, und nicht wenige Whiskyfans aus dem Süden pilgern regelmässig nach München, Limburg oder bis ins Ruhrgebiet.  

Die Ballung im Frühjahr und späten Herbst führt aber auch dazu, dass sich nicht nur Besucher sondern auch Aussteller für eine Location entscheiden müssen. Kritisch wird es, wenn zwei Veranstalter am selben Tag in der gleichen Region/Stadt um Besucher buhlen (in NRW & Berlin werden wir es in den nächsten Monaten erleben können L). 
 
Und wie interessant ist so eine „Messe“, wenn nur noch ein kleiner Teil der Abfüller und Händler kommt? Die Anbieter haben auch nur eine beschränkte Anzahl Wochenenden und können schliesslich auch nicht überall sein. 

Umso wichtiger werden der Termin, der Ort und eine gute Organisation des Veranstalters für den Erfolg einer Messe. Die Herrenberger haben offensichtlich alles richtig gemacht. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr und drücke die Daumen, dass sich die Messe etablieren kann.  

Eine gute Übersicht der Messen findet man auf der WhiskyFanPage – und das sind noch nicht alle, von denen ich dieses Jahr schon gehört habe. 

Slainte

13. Januar 2014

Der neue Whisky & Spirituosengigant aus Japan

Suntory (Japan) übernimmt Beam Global (Jim Beam, Canadian Club, Cooley und Laphroaig) für 16 Mrd. USD.

Suntory war schon der größte Whiskyproduzent in Japan und schließt jetzt zu den ganz „Großen“ (Diageo & Pernod Ricard) der Welt auf.

So kann man sich täuschen: nach dem indischen Intermezzo im weltweiten Whisky-Geschäft hatte ich jetzt eher an eine Aktion aus China gedacht... Obwohl der Markt in Japan etwas am schwächeln ist, geht der japanische Spirituosenkonzern Suntory in der Offensive.

…und das Whisky-Monopoly geht in die nächste Runde, nur eben noch eine Nummer größer.

…wer ist der nächste? Ich bin gespannt, wann China auf das Whiskykarussell aufspringt. Was bleibt dann wohl in 10 Jahren noch für "good old Europe" übrig - und was werden wir dafür bezahlen müssen?

Slainte
 

16. April 2013

Wer kauft welche Destillerie? Das lustige Whisky-Monopoly geht weiter.

Und schon sind wieder drei Destillerien in Schottland verkauft:

  • Bunnahabhain, 
  • Deanston  und die 
  • Tobermory Distilllery
- das Whisky Destillery Monopoly geht somit weiter, aber zur Abwechslung einmal mit afrikanischer statt asiatischer Beteiligung.

Der größte südafrikanische Wein & Spirituosenkonzern "Distell Group" plant die Übernahme der Burn Stewart Distillers Ltd. von CL World Brands Ltd.

Durch den Zukauf erhofft sich Distell eine steigende Präsenz und besseren Marktzugang mit ihren aktuellen Produkten in Grossbritannien und im stark wachsenden asiatischen Markt. Wer will da nicht gerne mit dabei sein?

...und da habe ich erst letzte Woche über die Sedgwick Destillerie in Südafrika geschrieben (die auch zur Distell Group gehört) ....und dem Traum von Andy Watts (Destillerie Manager) von einem getorften Whisky aus Südafrika. Jetzt kommt er viel schneller zu seinem heavily peated Malt als er gedacht hat. Zwar wohl noch nicht aus seiner Destillerie, aber dann eben von Bunnahabhain - auf Islay hat er sicher noch gute Kontakte von seiner Zeit bei Bowmore. Ich werde ihn mal fragen! 


Slainte und mal schauen, wer als nächster an der Reihe ist.

Quelle: businessweek.com

10. April 2013

Whisky in Südafrika


James Sedgwick Destillerie
Südafrika
Eigentlich hatte ich in der Weingegend Paarl&Wellington hinter Kapstadt eher Cabernet und Shiraz im Sinn als auf der Fahrt durch Wellington plötzlich ein Abzweiger “Distillery Street” stand und gleich danach ein typisches Pagoden-Dach aufgetaucht ist: die James Sedgwick Destillerie mit ihrem “Three Ships Whisky”.

Südafrika und Whisky? Das war für mich auch eine große - und sehr positive Überraschung.


Da konnte ich nicht einfach vorbeifahren! Zum Glück hatte der Destillerie-Manager, Andy Watts, ein Herz für reisende Whisky-Blogger und hat sich kurzfristig Zeit für eine Besichtigung und Tasting genommen. Thank you Andy!

Thomas Ide mit Andy Watts, Destilleriemanager
Thomas Ide mit Andy Watts (r), Destilleriemanager
Andy Watts ist seit 1991 Destillerie-Manager und damit erst der 6. Manager seit Gründung 1886 – das sucht seinesgleichen in Schottland (wo gelegentlich auch mal pro Jahr zwei neue Manager in einer Destillerie anfangen). Er hat sein Handwerk unter anderem bei Bowmore gelernt, und ist ein großer Fan von Islay und torfigen Whiskies.

James Sedgwick Distillery


Die Destillerie ist die einzige Südafrikas, die ausschließlich und ganzjährig Whisky produziert.

Angefangen hat es 1886 mit der Produktion von Brandy – bei den fast 6000 Weingütern in der Umgebung kein Wunder…wer kann so viel Wein trinken? ;-)

1977 wurde der erste „Three Ships“ Blend aus südafrikanischem und Schottischem Grain und Malt Whisky produziert und gab dem Whisky seinen Namen.
  
Destillationskolonnen
Anfang der 90er Jahre begann die Spezialisierung und Ausbau der Anlage in Wellington auf die Produktion von Whisky. In den letzten 20 Jahren wurde stark in umweltschonende Energie und Produktions-prozesse sowie grössere Lager investiert, um die wachsende Nachfrage zu decken. 

Pot stills James Sedgwick Destillerie
Das Hauptprodukt ist Grain Whisky, der in 10 Monaten im Jahr produziert wird. Der hierfür benötigte Mais kommt zu 100% aus Südafrika –warum man auch besonders stolz darauf verweist, einen 100% Single Grain Whisky „Made in South Africa“ zu produzieren.

Separat von den Destillationskolonnen für den Grain Whisky hat man für die Malt Whisky Herstellung zwei Pot-Stills (die genaue Größe durfte man nicht verraten – geschätzt hat die Wash Still so an die 12.000l – und könnte auch gut in einer schottischen Destillerie stehen). Das gesamte Malz wird aus Schottland in Containern importiert und direkt verarbeitet, damit es in der Hitze nicht verdirbt.

Daher wird Malt Whisky auch nur im südafrikanischen Winter (Juli/August) produziert, da sonst die Wassertemperatur nicht zum Kühlen ausreichen würde. Leider reicht die Produktions menge laut Andy nicht einmal für die Nachfrage in Südafrika, so dass hiervon nichts exportiert wird. Gut, dass ich eine Flasche zum Nacharbeiten mitbekommen habe! :-) 

Besonders bemerkenswert war auch das im wahrsten Sinne umwerfende Aroma in den – nicht gekühlten (das könnte man nicht bezahlen) – Lagerhallen: der Angel’s share liegt aufgrund der höheren Temperaturen bei über 4% - im Vergleich zu 1-2% in Schottland!

Interessant sind die verschiedenen Ansätze für das Blending und Fassmanagement der Three Ships Whisky Serie, wo der Spirit nach 2 – 3 Jahren noch einmal in frische Bourbonfässer umgefüllt wird.
  • Single Grain Whisky: 100% made in South Africa
  • Single Malt Whisky:  Made in South Africa - (das Malz wird ja importiert)
  • Blended Whisky:  verschiedene Kombinationen von südafrikanischem Grain Whisky + Schottischen Grain und Malt Whiskies, wobei Andy zunehmend den schottischen Anteil durch seinen eigenen Whisky ersetzen will.

Nun bin ich nicht so der bekennende „Grain“ Liebhaber, aber der „Double Matured Single Grain“, der nach 3 Jahren im first fill Boubon cask noch einmal für 6 Monate in ein neues first fill Bourbon cask umgefüllt wird, hat eine tolle Vanillenote und Süße und nicht den typischen spritigen Nachgeschmack. Die Lagerbedingungen und der höhere Angel’s Share werden da bestimmt auch ihren Anteil dran haben. Jedenfalls haben die verschiedenen Whiskys schon eine ganze Reihe Awards einheimsen können. 


Tasting Notes:

Bain`s Cape Mountain 100% Grain Whisky 43%vol. (Minimum 5 years old)

(erster 100% Südafrikanischer Grain Whisky und benannt nach dem Bains Kloof Pass)
Nase:                 Karamell, Vanille und deutliche florale Noten
Geschmack:       Salzig, viel Citrus, getreidig
Nachklang:        bleibt leider nicht sehr lange am Gaumen und am Ende kommen deutlich Eichennoten durch

Three Ships Select 43%vol. Minimum 3 years old (Blended Whisky)

(wird seit 1977 aus schottischem Malt Whisky & Südafrikanischem Grain produziert und ist das Hauptprodukt der Destillerie)
Nase:                 etwas alkoholisch, nicht aufdringlich
Geschmack:      easy drinking – getreidig und sehr rund
Nachklang:       mittel lang und unaufdringlich

Tree ships Bourbon cask finish 43%vol. Minimum 3,5 years old (Blended Whisky)

(wird seit 2005 zu 100% aus Südafrikanischen Rohstoffen produziert – nach 3 Jahren Lagerung wird der Whisky noch einmal für 6 Monate in frische Bourbon Fässer umgefüllt)
Nase:                Vanille, etwas Bratapfel, fruchtig (Kernobst)
Geschmack:      Vanille, Getreide und noch immer sehr fruchtig, etwas Honig (der Grein bleibt angenehm im Hintergrund)
Nachklang:       recht lang anhaltend – etwas pfeffrig

Three ships premium select Minimum 5 years old (Blended Whisky)

(wurde 1991 zum ersten Mal aus schottischem Malt Whisky & Südafrikanischem Grain  abgefüllt)
Nase:                  leicht rauchig und trocken
Geschmack:        noch immer leichte Torfnoten (rauchig – aber kein Islay!) mit einer feinen Süße (erwartet man nicht nach der Nase)
Nachklang:         lang und wärmend

Tree Ships 10 years Single Malt 43%vol.

(wird seit 2003 produziert – leider werden jedes Jahr nur wenige Flaschen abgefüllt)
Nase:                   ein kleiner Anflug von Rauch (aber nicht torfig!) Toffee, getrocknete Früchte und ein leicht fruchtige Süße
Geschmack         Toffee und Vanille (die Bourbonfässer kommen gut durch) und noch immer getrocknete Früchte (wo ist der Rauch geblieben?)
Nachklang:         Lang anhaltend und sehr komplex


Woher kommt der Name „Three ships“ ?


Zuletzt noch die Erklärung für den ungewöhnlichen Namen: Die großen Entdecker sind in der Regel immer mit mindestens drei Schiffen gereist – ebenso der Firmengründer Captain James Sedgwick als er 1850 seinen Spirituosen- und Tabak-Handel in Südafrika begann. Mit den „Three ships“ Whiskies will man diesen Pioniergeist weiterleben lassen, wie auch ihr schottisch-südafrikanisches Werbevideo auf witzige Weise zeigt.

Der Whisky-Markt in Südafrika ist noch relativ jung und der Geschmack für charaktervolle Whiskies entwickelt sich erst. Traditionell bevorzugen Südafrikaner eher milde Grain-Whiskies und Blends, aber Andy glaubt fest an seinen Traum, hier auch einmal einen getorften südafrikanischen Whisky produzieren – ich drücke ihm die Daumen.

Slainte

Photos with kind permission of Andy Watts, James Sedgwick Distillery