23. April 2012

Hinter den Kulissen von Whisky-Messen

Für die meisten Besucher von Whisky-Veranstaltungen steht ja das Probieren und Schauen nach Whisky-Neuigkeiten im Vordergrund. Da ich dann normalerweise hinter dem Stand stehe, muss ich mich mit dem Probieren etwas zurückhalten und für Gespräche ist oft erst spät abends bei einem Absacker Zeit.

Entsprechend habe ich es auf dem Austrian Whisky & Spirits Festival 2012 sehr genossen, dass ich neben meinem eigenen Whisky Chamber Masterclass Tasting endlich auch einmal Zeit zum Rumschlendern und ausgiebigen Gespräch mit ein paar alten Bekannten aus der privaten Schottischen Whiskyindustrie zu hatte. 

Da war zum Beispiel Raymond Armstrong mit Familie, die Besitzer von Bladnoch. 
Das Treffen mit den 4 1/2 Armstrongs war besonders wichtig, weil ich seit meinem letzten Besuch noch eine Fass-Frage aus 2007 offen hatte…. angeblich soll da auch schon mein Name auf dem Whiskyfass stehen. Im Juli bin ich wieder in der Gegend und werde das auf jeden Fall vor Ort überprüfen ;-).

Am Stand der Veranstalter war aber nicht nur Bladnoch vertreten, sondern auch der Whisky-"Dinosaurier" John McDougall mit seinen eigenen Golden Cask Abfüllungen. Sein Ansatz mit dem "Whisky Renten Fundus" ist wieder eine Bestätigung für mich, dass ich auch mein Ruhegeld in „liquide“ Mittel ;-) anlege. Leider wird es aber immer schwieriger für freie Abfüller, leckere Fässer zu finden… was mir alle meine Gesprächspartner bestätigen mussten.
Andererseits ist es gerade die regelmäßige Kontaktpflege und die Besuche bei den Destillerien und unabhängigen Abfüllern, die meinen Job so spannend machen - und nicht zuletzt, wenn ich dann doch wieder ein tolles Fass gefunden habe und meine Kunden zufrieden sind. 

In diesem Sinne: auf zur nächsten Schottlandreise!
Slainte


1. April 2012

Whisky aus dem Kunststofffass !?

Die Optimierungs- und Rationalisierungswelle macht auch vor Scotch Single Malt Whisky nicht halt. Was wir schon lange aus der Weinindustrie kennen – die Wein"maker" aus den USA, Australien und Südafrika, die Reifung nicht als Prozess, sondern als "machbar" betrachten – hat uns jetzt auch in Schottland eingeholt.

Bis vor Kurzem hat man das Thema mit Verweis auf die Tradition vehement abgestritten, doch unter anderem die große Nachfrage aus den Wachstumsmärkten in Asien und Lateinamerika (+23% Exportsteigerung in 2011) hat dazu geführt, dass man man nach Alternativen für einen schnelleren und günstigeren Prozess für die Aromaentwicklung sucht:

Konkret wird darüber nachgedacht, wie sich eine schnelle Reifung in 1000l Kunststoffcontainern auswirkt. Dabei könnte für die Reifung Sauerstoff in den Alkohol geleitet werden und für die typischen Fassaromen kämen dann – wie beim Wein – entsprechende Holzspäne zum Einsatz. Die Zugabe von Spurenanteilen von Sherry, Port oder Wein würde die Wirkung der Aromaelemente aus den Holzfässern simulieren. Das Einfärben von Whisky ist ja bereits heute schon verbreitete Praxis.

Zur Entwicklung und Abstimmung der Regeln soll diese Woche die „Whisky Maker Association“ gegründet worden sein, wo die großen Whisky Produzenten an einem Tisch sitzen, um die entsprechenden Details zu diskutieren. Ein solcher Schritt würde nicht nur jahrhundertealte Traditionen über den Haufen werfen, sondern weitreichende Änderungen in den bestehenden Vorschriften der SWA (Scotch Whisky Association) zur Namensgebung, Export-Richtlinien benötigen.

Da sage ich nur gute Nacht mein lieber Single Malt Scotch Whisky – und schnell noch ein paar echte Fässer kaufen!

Slainte

9. März 2012

Glenfarclas – Familientradition im Speyside

Seit der "offiziellen" Gründung 1852 ist die Glenfarclas Destillerie ununterbrochen im Familienbesitz der Grant Familie. Zuvor hatten Pächter auf dem Gelände bereits Alkohol gebrannt, aber seit 160 Jahren geht die Leitung über Generationen immer an den nächsten Grant-Sohn über.

Im Oktober 2011 habe ich die Destillerie mal wieder mit einer Reisegruppe besucht und man konnte gut erkennen, dass auch über Generationen immer wieder viel Geld in die Destillerie investiert wurde: alles ist auf dem neusten Stand, was aber nicht heißt, dass die Tradition auf der Strecke geblieben ist.

Das zeigte sich unter anderem im herzlichen Empfang und der sehr individuellen Betreuung vor Ort durch den Marketing-Leiter Ian McWilliam. Besonders hat die Besucher gefreut, dass hier noch alles fotografiert werden durfte, was in vielen Destillerien auf dem bekannten "Malt Whisky Trail" leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Auch das „bonded Warehouse“ wurde nicht ausgelassen und bei den schönen alten Fässern kam einem schon mal der Gedanke, einen LKW zu chartern und aufzuladen... ;-)

Danach ging es zum probieren in einen ganz besonderen Tastingroom – den „Ships Room“ aus Paneelen der „RMS Empress of Australia“ (die 1913 immerhin in Deutschland gebaut wurde und bis 1919 unter deutscher Flagge fuhr) – was für eine tolle Atmosphäre! Diese Schiffs-Verbindung mitten im Speyside ist schon recht speziell aber ausser einer persönlichen Vorliebe des Eigners scheint es keine besondere Geschichte dazu zu geben. 

Ian hat die Spekulationen aber schnell mit seinem „spezial“ Tasting beendet als er für uns eine Flasche „Family Cask“ von 1960 öffnete (komisch, wie hat er nur mein Geburtsjahr erraten ;-)). Das war ein schönes Highlight gleich am Anfang und es ging dann allerdings etwas jünger weiter, wobei die Abfüllung von 1974 auch nicht gerade ein junger Hüpfer war. Es folgten etliche Fassproben, die das Tasting definitiv für alle Teilnehmer zu etwas besonderem machte.  Ich frage mich wirklich, wie Ian das beim nächsten Besuch steigern will??? ;-)


So ein Familieunternehmen ist schon etwas besonderes und bei schottischen Destillerien leider nur noch ganz selten anzutreffen.

Wer kann, sollte bei seiner Schottland- und Whisky-Reise einen Besuch einplanen. Ich komme bestimmt wieder!

Slainte

5. März 2012

Lochranza – mein Frühlingswhisky 2012


"Lochranza"   hm, wo der wohl herkommt? 

Die Destillerie wurde 1995 eröffnet und hat 1996 so richtig mit der Produktion begonnen. Sie liegt auf einer hübschen Insel und man kommt an ihr vorbei, wenn man mit der Fähre in Brodick landet und dann von Lochranza weiter nach Kintyre fahren will?

Die Destillerie möchte ihre noch junge Marke schützen und sieht es darum nicht so gerne, wenn private Fässer unter ihrem Namen verkauft werden. Darum die kleine Geheimniskrämerei... aber eigentlich ist es doch nicht schwer ;-)

Ich mag die leichte Fruchtigkeit der Whiskys besonders für den Sommer und habe darum bereits einige Fässer von dort. Darunter ist auch ein Fass aus dem ersten Produktionsjahr, von dem ich jetzt fand, dass es die optimale Reife erreicht hat. 

Interessant ist dabei die deutliche (und wie ich finde sehr positive!) Veränderung, die der Whisky durchgemacht hat, seit ich bei einem Fassbesuch vor 3 Jahren darüber berichtet habe: die Vanille- und Karamell-Noten sind einer stärkeren Fruchtigkeit gewichen. 

Tastingnotes:

Lochranza 1996, 15 Jahre, 54,9%vol. (sherry refill cask)

Aroma:          sehr komplex - eine leichte Sherry-Süße
                       Honigmelone und feine Zitrusnoten.
                       Am Ende kommt eine leichte Kräuternote
                       (Waldmeister: Jugenderinnerungen werden wach ;-))

Geschmack:  Honigmelone mit einem Hauch Sherry
                       (nicht aufdringlich), Kräuter und eine
                       fruchtige Süße
Nachklang:    lang mit einer feinen Süße


Der Sommer kann kommen!
Slainte



19. Januar 2012

Tullibardine spricht jetzt französisch


Nach der Wiedereröffnung 2003 war Tullibardine eine der wenigen schottischen Whisky-Destillerien im Besitz von Privatinvestoren. Die Partner wollten sich von den großen Whisky-Konzernen abgrenzen und schnörkellose Destilleriekunst  praktizieren.

Idealismus ist bekanntermaßen nicht immer sehr profitabel, so dass 2008 schon einmal Übernahmegerüchte für die Destillerie im Süden der Highlands aufkamen. Im Dezember 2011 war es nun so weit: Tullibardine ging an die "Maison Michel Picard", einen französischen Spirituosenhändler und Weinproduzenten.

Die erste große Handlung der neuen Besitzer aus Frankreich war es, dem Sales & Marketing von Tullibardine mitzuteilen, dass keine Fässer mehr (weder frische noch vorgereifte) an Dritte verkauft werden dürfen. Das ist darum so schade, weil man bei Tullibardine auch als „Kleinabfüller“ mit allen möglichen Fässern und Fassgrößen experimentieren durfte: über ex-Bourbon-, Sherry-, Port- bis hin zu Rum-Fässern - und auf meinen besonderen Wunsch hin wurden sogar Quartercasks eingeführt.
Das ist jetzt leider alles vorbei ;-(. 

Wie viele Whiskyfreunde aus der ganzen Welt sind nach Blackford gepilgert, um ihre Fässer zu besuchen. Ich kenne keinen, der nicht in den höchsten Tönen von der Atmosphäre in der Destillerie und dem Whisky geschwärmt hat – das beste und auch noch kostenlose Marketing.

Da wird etwas Großes aus der Hand gegeben und in die Hände von Importeuren gelegt, die in der Regel einen ganzen Bauchladen von Whiskys vertreiben. Zum Glück gibt es noch ein paar andere Quellen, aber schade ist es trotzdem...

Slainte



8. Januar 2012

Kontrast-Programm Kilchoman


Ein Gastbeitrag von Stephan Goldmann

In der kleinen Farm-Destillery auf Islay geht Pragmatismus vor Tourismus. Und das hat seinen Charme: Nirgendwo war ich bisher so nah dran am Entstehungsprozess von Whisky.

Von Kilchoman hatte ich überhaupt erst im Sommer 2011 erfahren. Gleich getrunken und für gut befunden! Wie es der Zufall will: Noch im Herbst stand ein Besuch auf Islay an und ich wollte unbedingt bei der kleinen, neuen Destillery vorbei schauen.

Dass es nicht wie die üblichen geführten Touren werden würde, dämmerte mir bei der Anfahrt. Hätte Kilchoman nicht eine der typischen Schornstein-Pagoden auf dem Dach, keiner käme überhaupt auf die Idee, dass hier Whisky gebrannt wird. Die Gebäude sind eine umfunktionierte Farm.

Die Reisezeit im Herbst hat Vorteile. Außer mir und meiner Partnerin war in der Gruppe nur noch ein kanadisches Ehepaar bei der Führung. Mit Becky als Guide ging es gleich los. Becky ist übrigens eher schüchtern - kein Vergleich mit den Profi-Führern der anderen Whisky-Destillen. Eine erfrischende Abwechslung.


Romantik Fehlanzeige

Der Mälzboden besteht in Kilchoman aus Beton, umgeben von unromantischen Gerätschaften, es riecht nach Arbeit, es fehlt Romantik. Aber hier wird eben noch selbst gemälzt. Und das Korn kommt sogar von der Farm ein Stück weiter - schließlich brennt Kilchoman auch den “100% Islay”, bei dem alles auf der Insel produziert wird.

Einmal mit beiden Händen in die Gerstenkeime greifen, probieren ... dann ab zum kleinen Röstofen. Der ist gerade nicht in Betrieb, also kann man einen Blick hineinwerfen.

Überhaupt fällt auf: Kilchoman ist nicht hundertprozentig ausgelastet. Die Farm Destillerie produziert derzeit um die 100.000 Liter Whisky jährlich - klar, dass da nicht alles ständig in auf Hochtouren läuft. Es gibt genügend Zeit um Fotos zu schießen, Scherze zu reißen... Becky ist geduldig und wartet, treibt nicht zur Eile.

Metall statt Holz


Wie gesagt: Es herrscht Pragmatismus in Kilchoman. Und so sehen wir im Haupthaus keine schönen Gärbottiche aus Holz, sondern aus blankem Metall - die kann man besser reinigen, erklärt Becky. Logisch... Wir probieren jeder einen guten Schluck der Würze, bevor wir zu den Stills rübergehen.

Lange Fußmärsche erspart sich der Besucher In der Kilchoman Destillerie: Mash Tuns, Wash Backs und Pot Stills drängen sich hier auf engstem Raum. Man stolpert von einem Teil der Produktion zum nächsten, sieht dabei aber auch mehr, weil man nah dran ist.

Nach einem Plausch mit dem Brennmeister wechseln wir zur Lagerhalle. Es ist großartig, wenn nicht alles aufgeräumt und auf Tourismus getrimmt ist. So sehen wir Nebensächlichkeiten wie die Schablone, mit der die Fässer beschriftet werden, die Rinnen mit Trittgittern, in die die Casks entleert werden und die Plastik-Tanks, in denen sich der Whisky zur Abfüllung in Flaschen sammelt. Auch das Abfüllen wird nämlich teilweise in der Farm erledigt. Denn für den 100 % Islay oder spezielle Fassabfüllungen zapfen, etikettieren und verkorken die Kilchoman-Angestellten vor Ort. Auch etwas, das man in den großen Destillerien fast nie zu Gesicht bekommt.

Der Besuch endet - wie sollte es anders sein - mit zwei Probierschlucken und der Möglichkeit sich einige Flaschen des Whiskys zu kaufen oder im Coffeeshop einen leckeren Kuchen zu vertilgen.

Mein Fazit

Kilchoman ist vielleicht nicht die Destillerie, die man als Neuling gleich als erstes besuchen sollte. Hier würde ich eher Talisker oder Laphroig empfehlen. Aber Kilchoman bietet eine erfrischende Abwechslung zu den überaus routinierten Whisky-Führungen der großen Whisky-Betriebe und kann so dem routinierten Whisky-Touristen noch Neues zeigen.


Bei mir jedenfalls war das der Fall...


Stephan Goldmann schreibt auf seiner Webseite MyHighlands.de über die schönsten Sehenswüdigkeiten in den Highlands, die er bei seinen sechs Touren in Schotlland besucht hat. Neuigkeiten erfährt man schnell über seine facebook-Seite

19. Dezember 2011

Irland verliert seinen letzten Whiskey

Keine Bange: auf der grünen Insel wird schon noch Whiskey hergestellt, aber eben nicht mehr von einem „Irischen Unternehmen“: 

Photo courtesy PDPhoto.org
Gerade wurde bekannt, dass die Firma Cooley mit ihren Marken (z.B. Connemara, Tyrconnel)  an den amerikanischen „Beam“ Konzern gegangen ist (man kennt die Firma von Jim Beam Bourbon und Teachers Scotch Whisky).

Das ist darum bemerkenswert, weil der Eigentürmer von Cooley, Mr. Teeling in den 80er Jahren seine Firma gerade aus Protest gegen den Verkauf von United Irish Distillers (UID) an Pernod Ricard gegründet hatte. Er hatte seinerzeit die Brennerei in Irland erworben, um weiter einen „nationalen“ Whiskey zu produzieren.

Aber letztendlich geht es wohl doch um Geld und Marktmacht und darum geht die Konzentration im Whiskey & Whiskybusiness weiter – hoffen wir mal, dass das nicht irgendwann zu einem „Einheitswhisk(e)y führt.

Slainte


Quelle: irishtimes