19. Januar 2012

Tullibardine spricht jetzt französisch


Nach der Wiedereröffnung 2003 war Tullibardine eine der wenigen schottischen Whisky-Destillerien im Besitz von Privatinvestoren. Die Partner wollten sich von den großen Whisky-Konzernen abgrenzen und schnörkellose Destilleriekunst  praktizieren.

Idealismus ist bekanntermaßen nicht immer sehr profitabel, so dass 2008 schon einmal Übernahmegerüchte für die Destillerie im Süden der Highlands aufkamen. Im Dezember 2011 war es nun so weit: Tullibardine ging an die "Maison Michel Picard", einen französischen Spirituosenhändler und Weinproduzenten.

Die erste große Handlung der neuen Besitzer aus Frankreich war es, dem Sales & Marketing von Tullibardine mitzuteilen, dass keine Fässer mehr (weder frische noch vorgereifte) an Dritte verkauft werden dürfen. Das ist darum so schade, weil man bei Tullibardine auch als „Kleinabfüller“ mit allen möglichen Fässern und Fassgrößen experimentieren durfte: über ex-Bourbon-, Sherry-, Port- bis hin zu Rum-Fässern - und auf meinen besonderen Wunsch hin wurden sogar Quartercasks eingeführt.
Das ist jetzt leider alles vorbei ;-(. 

Wie viele Whiskyfreunde aus der ganzen Welt sind nach Blackford gepilgert, um ihre Fässer zu besuchen. Ich kenne keinen, der nicht in den höchsten Tönen von der Atmosphäre in der Destillerie und dem Whisky geschwärmt hat – das beste und auch noch kostenlose Marketing.

Da wird etwas Großes aus der Hand gegeben und in die Hände von Importeuren gelegt, die in der Regel einen ganzen Bauchladen von Whiskys vertreiben. Zum Glück gibt es noch ein paar andere Quellen, aber schade ist es trotzdem...

Slainte



8. Januar 2012

Kontrast-Programm Kilchoman


Ein Gastbeitrag von Stephan Goldmann

In der kleinen Farm-Destillery auf Islay geht Pragmatismus vor Tourismus. Und das hat seinen Charme: Nirgendwo war ich bisher so nah dran am Entstehungsprozess von Whisky.

Von Kilchoman hatte ich überhaupt erst im Sommer 2011 erfahren. Gleich getrunken und für gut befunden! Wie es der Zufall will: Noch im Herbst stand ein Besuch auf Islay an und ich wollte unbedingt bei der kleinen, neuen Destillery vorbei schauen.

Dass es nicht wie die üblichen geführten Touren werden würde, dämmerte mir bei der Anfahrt. Hätte Kilchoman nicht eine der typischen Schornstein-Pagoden auf dem Dach, keiner käme überhaupt auf die Idee, dass hier Whisky gebrannt wird. Die Gebäude sind eine umfunktionierte Farm.

Die Reisezeit im Herbst hat Vorteile. Außer mir und meiner Partnerin war in der Gruppe nur noch ein kanadisches Ehepaar bei der Führung. Mit Becky als Guide ging es gleich los. Becky ist übrigens eher schüchtern - kein Vergleich mit den Profi-Führern der anderen Whisky-Destillen. Eine erfrischende Abwechslung.


Romantik Fehlanzeige

Der Mälzboden besteht in Kilchoman aus Beton, umgeben von unromantischen Gerätschaften, es riecht nach Arbeit, es fehlt Romantik. Aber hier wird eben noch selbst gemälzt. Und das Korn kommt sogar von der Farm ein Stück weiter - schließlich brennt Kilchoman auch den “100% Islay”, bei dem alles auf der Insel produziert wird.

Einmal mit beiden Händen in die Gerstenkeime greifen, probieren ... dann ab zum kleinen Röstofen. Der ist gerade nicht in Betrieb, also kann man einen Blick hineinwerfen.

Überhaupt fällt auf: Kilchoman ist nicht hundertprozentig ausgelastet. Die Farm Destillerie produziert derzeit um die 100.000 Liter Whisky jährlich - klar, dass da nicht alles ständig in auf Hochtouren läuft. Es gibt genügend Zeit um Fotos zu schießen, Scherze zu reißen... Becky ist geduldig und wartet, treibt nicht zur Eile.

Metall statt Holz


Wie gesagt: Es herrscht Pragmatismus in Kilchoman. Und so sehen wir im Haupthaus keine schönen Gärbottiche aus Holz, sondern aus blankem Metall - die kann man besser reinigen, erklärt Becky. Logisch... Wir probieren jeder einen guten Schluck der Würze, bevor wir zu den Stills rübergehen.

Lange Fußmärsche erspart sich der Besucher In der Kilchoman Destillerie: Mash Tuns, Wash Backs und Pot Stills drängen sich hier auf engstem Raum. Man stolpert von einem Teil der Produktion zum nächsten, sieht dabei aber auch mehr, weil man nah dran ist.

Nach einem Plausch mit dem Brennmeister wechseln wir zur Lagerhalle. Es ist großartig, wenn nicht alles aufgeräumt und auf Tourismus getrimmt ist. So sehen wir Nebensächlichkeiten wie die Schablone, mit der die Fässer beschriftet werden, die Rinnen mit Trittgittern, in die die Casks entleert werden und die Plastik-Tanks, in denen sich der Whisky zur Abfüllung in Flaschen sammelt. Auch das Abfüllen wird nämlich teilweise in der Farm erledigt. Denn für den 100 % Islay oder spezielle Fassabfüllungen zapfen, etikettieren und verkorken die Kilchoman-Angestellten vor Ort. Auch etwas, das man in den großen Destillerien fast nie zu Gesicht bekommt.

Der Besuch endet - wie sollte es anders sein - mit zwei Probierschlucken und der Möglichkeit sich einige Flaschen des Whiskys zu kaufen oder im Coffeeshop einen leckeren Kuchen zu vertilgen.

Mein Fazit

Kilchoman ist vielleicht nicht die Destillerie, die man als Neuling gleich als erstes besuchen sollte. Hier würde ich eher Talisker oder Laphroig empfehlen. Aber Kilchoman bietet eine erfrischende Abwechslung zu den überaus routinierten Whisky-Führungen der großen Whisky-Betriebe und kann so dem routinierten Whisky-Touristen noch Neues zeigen.


Bei mir jedenfalls war das der Fall...


Stephan Goldmann schreibt auf seiner Webseite MyHighlands.de über die schönsten Sehenswüdigkeiten in den Highlands, die er bei seinen sechs Touren in Schotlland besucht hat. Neuigkeiten erfährt man schnell über seine facebook-Seite

19. Dezember 2011

Irland verliert seinen letzten Whiskey

Keine Bange: auf der grünen Insel wird schon noch Whiskey hergestellt, aber eben nicht mehr von einem „Irischen Unternehmen“: 

Photo courtesy PDPhoto.org
Gerade wurde bekannt, dass die Firma Cooley mit ihren Marken (z.B. Connemara, Tyrconnel)  an den amerikanischen „Beam“ Konzern gegangen ist (man kennt die Firma von Jim Beam Bourbon und Teachers Scotch Whisky).

Das ist darum bemerkenswert, weil der Eigentürmer von Cooley, Mr. Teeling in den 80er Jahren seine Firma gerade aus Protest gegen den Verkauf von United Irish Distillers (UID) an Pernod Ricard gegründet hatte. Er hatte seinerzeit die Brennerei in Irland erworben, um weiter einen „nationalen“ Whiskey zu produzieren.

Aber letztendlich geht es wohl doch um Geld und Marktmacht und darum geht die Konzentration im Whiskey & Whiskybusiness weiter – hoffen wir mal, dass das nicht irgendwann zu einem „Einheitswhisk(e)y führt.

Slainte


Quelle: irishtimes

13. Oktober 2011

Islay Christmas Malt 2011

Irgendwie ist für mich jetzt schon Weihnachten: Gerade habe ich meine neueste Abfüllung bekommen, einen Bunnahabhain, destilliert am 24. Dezember 1990 – was gibt es Besseres zum Fest für einen Whisky-Fan?

Am liebsten hätte ich das Fass natürlich am 24.12.2011 abfüllen lassen, aber das ist ein Samstag und da wird auch in Schottland nicht überall gearbeitet - und wir hätten ihn nicht rechtzeitig zum Fest im Glas...

Dabei passt der unpeated Bunnahabhain aus einem Sherry first fill cask bestimmt auch sehr gut als Digestif zur Weihnachtsgans (Alkohol hat er jedenfalls noch genug).

Tasting Notes:

Bunnahabhain (TWC)1990/12/24, 
20 Jahre, 54,2%vol.

Region:         Islay
Aroma:         Eingelegte Kirschen & dunkle Schokolade (Mon Cherie), eine leichte, süßliche Kräuternote
Geschmack:  Der Sherry ist recht dominant, was ihm aber nicht schadet und am Ende sehr rund
Nachklang:   mittel bis lang und für einen first fill Sherry mit 20 Jahren sehr harmonisch


Slainte und lassen wir die letzten Monate des Jahres auf uns zukommen

27. August 2011

Helikopter Whiskytasting in der Schweiz

Und wieder einmal gab es auf ca. 4.000 Meter eine Überraschung – ich hatte es nach den Erfahrungen der letzten Jahre auch schon fast erwartet. Aber der Reihe nach:

Die Vorausscheidung für das alljährliche Höhentasting der „Smallest Whisky Bar on Earth“ (SWBOE) fand wieder am Freitag (19.8.11) vor dem eigentlichen Abheben statt.

7 Whiskies und ein Rum mussten blind gegeneinander antreten und nur die 3 Whiskies mit den meisten Punkten (der Rum trat außer Konkurrenz an) durften am Samstag mit in den Heli. Mit etwas mehr Egoismus (ich hatte meiner eigenen Abfüllung zu wenig Punkte gegeben) hätte ich es mit meinem Glengoyne wohl noch so gerade ins Finale geschafft – aber so sind

  • der Bunnahabhain von (C&S), 
  • der Glenlivet 21 Jahre und
  • der "Namenlose Whisky" aus der Schweizer Destillerie Locher
zum Rundflug über die Engadiner Bergwelt gestartet.


Vorbereitungen


Für das Tasting hat die SWBOE extra ein „Tastingboard“ anfertigen lassen, damit man während des Fluges die Hände frei hatte und etwaige "Schräglagen" ausgleichen konnte – ein gewaltiger Aufwand, aber es hat prima funktioniert. Mal schauen, ob Detlef sich das Teil patentieren lässt?


Wer war der Gewinner?

Wie im letzten Jahr war es wieder der Schweizer Whisky (ich glaube, der wird extra so destilliert und gelagert, dass er ab 2.000m sein bestes Aroma entwickelt. Ich wüsste nur zu gerne, wie der Vergleich ausginge, wenn er auf Meereshöhe oder in den Schottischen Highlands gemacht würde… ;-)

Das Flugwetter war einmalig und wir hatten trotz des Whiskies (nein, wir waren nicht benebelt!) eine einmalige Aussicht auf die Berge um Samedan und St. Moritz!

Wieder einmal hat sich Detlef Sommer für uns etwas ganz besonderes einfallen lassen. Die Latte liegt buchstäblich immer höher und es wird somit für 2012 bestimmt nicht leicht, eine Steigerung für uns „Taster“ zu organisieren. Lassen wir uns überraschen!

Slainte und vielen Dank nochmals an den Organisator!





18. August 2011

Whisky in the Sky...

Nach früheren Höhen-Tastings auf über 3000m auf dem Piz Umbrail (2008) und dem Piz Corvatsch (2009) ging es letztes Jahr *in* den Berg zum Whisky Blind Tasting:


Start war das Kraftwerk Palü, wo es dann mit der „Puschlaver Geisterbahn" entlang der Druckleitung – im(!) Berg – steil in die Tiefe ging.

Diesmal will die “Smallest Whisky Bar on earth” in Samedan noch höher hinaus, und zwar mit einem Helikopter – also sozusagen ein „Blind Heli Tasting“.

Ich bin diesmal mit meinem TWC Glengoyne von 1997 dabei – einem Sherry first fill. Hier die Tasting Notes (erstellt auf ca. 360 m ü.NN. – der Geschmack verändert sich ja erfahrungsgemäß in der Höhe etwas):

Glengoyne (TWC) 1997 - 13 Jahre
53,8%vol., Sherry first fill

Aroma:         Sherry (kein Wunder), Fudge und dunkle Schokolade
Geschmack: schwere Sherrytöne (sehr ölig), schwarzer Tee mit einem Tropfen Milch
Nachklang:  die Sherrysüße bleibt lange am Gaumen und recht wenig Holz

Ich bin schon gespannt, wer dieses Jahr der Lieblingswhisky der Teilnehmer wird und hoffe, dass mein Glengoyne unter die Top 3 kommt (also in den Helikopter ;-))

Slainte und auf in den Himmel über dem Engadin

12. August 2011

Mein Sommerwhisky 2011: Glen Grant von 1991

Da der Sommer dieses Jahr nicht so richtig mitspielen will, ist es wohl kein Zufall, dass mein neuester Sommerwhisky auch einen Hauch von Herbst hat - oder vielleicht spielt mir das Unterbewusstsein bei den geschmeckten Aromen einen Streich?

Jedenfalls finde ich, dass mein neuer Glen Grant eine schöne fruchtige Seite hat – sehr angenehm als Aperitif (wenn es denn doch noch etwas wärmer werden sollte). Daneben bringt er aber mit Orangenschale auf Anisplätzchen vorsichtshalber auch Anklänge vom Herbst mit.

Mit seinen 54,9%vol. ist er schön wärmend und lässt dann auch mal einen Augustabend bei 14°C leichter ertragen.

Tastingnotes Glen Grant (TWC) 1991
19 Jahre, 54,8%vol. ex Bourbon barrel

Aroma:        Marmelade (Orangenschale), frisch fruchtig, Vanille und Anisplätzchen
Geschmack: Creme Brulée, sehr weich und rund. Am Ende kommt ein Hauch Süßholz an den Gaumen
Nachklang:  lang anhaltend und einer optimal eingebundenen Eiche

….und wenn es mit dem Wetter so weitergeht, habe ich schon einmal vorgesorgt und einen Bowmore abfüllen lassen. Der soll Anfang September in Deutschland sein und für noch mehr Wärme ;-) sorgen….

Slainte